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    Goldene Amtskette für den Präsidenten

    30.03.2021

    Als bald neuer Universitätspräsident darf Professor Paul Pauli eine Amtskette aus Gold tragen. Was viele nicht wissen: Die Universität musste diese Kette auf Zwang aus München hin anschaffen.

    Die goldene Amtskette der Universität Würzburg trägt eine goldene Medaille. Auf deren Vorderseite: Der bayerische König Ludwig I. und die Inschrift „Ludovicus Bavariae Rex“.
    Die goldene Amtskette der Universität Würzburg trägt eine goldene Medaille. Auf deren Vorderseite: Der bayerische König Ludwig I. und die Inschrift „Ludovicus Bavariae Rex“. (Bild: Universität Würzburg / Rudi Merkl)

    Es war im Jahr 1834, als der bayerische König Ludwig I. seine Landesuniversitäten dazu verpflichtete, für das Rektorenamt eine Rektorenkette einzuführen. Die Universitäten Würzburg und Erlangen hatten sich bis dahin geweigert, eine solche Kette anfertigen zu lassen. Denn sie sollten ihre Amtsketten selber bezahlen, während die Universität München ihre Kette vom Königreich geschenkt bekommen hatte.

    Im Ersten Weltkrieg wurde die goldene Amtskette der Uni Würzburg zur Behebung der Geldknappheit im Reich eingeschmolzen. Die Medaille blieb davon verschont. 1925 stellte man die Kette wieder her und versah sie mit der Originalmedaille von 1834. In dieser Fassung ist die Goldkette bis heute erhalten. Zwischen 1925 und 1932 ließ die Universität zudem ein Duplikat produzieren.

    Medaille zeigt einen König und eine Göttin

    Die Amtskette besteht aus 42 annähernd quadratischen, 15 Millimeter durchmessenden Gliedern, die untereinander durch Stege verbunden sind. Ein etwa drei Zentimeter großes Verbindungsglied hält sie zusammen. Das darin enthaltene kleine Oval zeigt das ehemalige Bischofswappen des Universitätsgründers Julius Echter von Mespelbrunn. Dieses Wappen wurde zum offiziellen Wappen der Universität erhoben.

    Am Verbindungsglied ist die goldene Medaille befestigt. Sie hat einen Durchmesser von 45 Millimetern und ist 25 Millimeter dick. Auf der Vorderseite ist das Konterfei Ludwigs I. angebracht. Gefertigt wurde es vom Münchener Münzgraveur Johann Baptist Stiglmayer.

    Auf der Rückseite, gestaltet von Joseph Losch, ist Athena abgebildet, als Göttin der Weisheit mit einem Speer in der Rechten und einem Schild in der Linken. Ihr zu Füßen liegen Richtscheit, Zirkel, Globus, Bücher, Pergamentrolle und Leier.

    Schon Julius Echter hatte eine Goldkette

    Schon Universitätsgründer Julius Echter wurde mit einer goldenen Rektorenkette geschmückt. Den Universitätsstatuten von 1587 zufolge sollte ein Rektor aus dem Fürstenstand sich bei Auftritten niemals ohne Amtskette zeigen. Wie diese erste goldene Kette aussah, ist unbekannt. Vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts kam sie außer Gebrauch.

    Im August 1827 erließ der bayerische König Ludwig I. dann die Anordnung, dass Professoren wieder Amtstracht und der Rektor demzufolge wieder eine Kette zu tragen hätten. Der Universität in München wurde, nach ihrer Verlegung von Ingolstadt nach München, die goldene Rektorenkette geschenkt, Würzburg und Erlangen sollten selbst eine beschaffen. Darum ließ man sich in Erlangen und Würzburg erst einmal Zeit mit der Anschaffung – bis 1834, als der König Druck ausübte.

    Nachguss aus Eisen als Ersatz

    Keine 100 Jahre später, am 30. Juni 1917, beantragte der Würzburger Prorektor Oskar Brenner beim Senat der Universität, in „Erfüllung vaterländischer Pflichten“ die Amtskette der Goldsammelstelle zu spenden und stattdessen eine Kopie aus Stahl oder einem anderen Kriegsmaterial herzustellen. Der Bitte wurde stattgegeben.

    Der Münchener Hofgoldschmied Theodor Heiden sollte einen Eisennachguss herstellen, aber auch Vorkehrungen treffen für eine Wiederherstellung der Kette in Gold. Die Eisenkette erreichte Würzburg im November 1917. Am 18. Dezember 1918 konnte die nur unter Vorbehalt der späteren Rückgabe bei der Goldannahmestelle abgelieferte Medaille wieder abgeholt und an die Eisenkette angebracht werden.

    Wiederherstellung in den 1920er-Jahren

    Nach dem Krieg, Ende 1924, stellte die Universität dem Würzburger Goldschmied Guttenhöfer die Eisenkette samt Goldmedaille zur Verfügung und beauftragte ihn mit der Wiederherstellung der goldenen Kette.

    Während der Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs war die Amtskette offenbar aus Würzburg ausgelagert – zumindest überstand sie den Krieg ohne Schäden. Eine Kopie der Kette war schon 1948 vorhanden. Wann sie angefertigt wurde, lässt sich nicht ermitteln.

    Der Artikel beruht auf Informationen aus dem Buch „Symbole und Insignien der Würzburger Universität“ von Professor Dieter Salch und entstand mit Unterstützung des Universitätsarchivs.

    https://www.uni-wuerzburg.de/uniarchiv/universitaetsgeschichte/veroeffentlichungen/band-2-symbole-und-insignien/

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    Von Robert Emmerich

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