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    Funktions-Textilien der Prähistorie

    26.03.2019

    Wasserdichte Textilien gab es schon in der Frühgeschichte der Menschheit. Sie stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts, an dem auch Museologen der Universität Würzburg beteiligt sind.

    Pfahlbau am Bodensee
    Reste prähistorischer Textilien haben sich in größerer Zahl in Feuchtbodensiedlungen, sogenannten Pfahlbauten, am Bodensee und in Oberschwaben erhalten. (Bild: privat)

    Atmungsaktive und thermo-regulierende Funktions-Textilien aus Chemiefasern sind heute allgegenwärtig. Doch schon in der Vorgeschichte stellten unsere Vorfahren bereits wasserdichte Stoffe aus Naturfasern wie beispielsweise Gehölzbast her, um Dinge zu schützen und Flüssigkeiten zu transportieren. Reste davon haben sich in größerer Zahl in Feuchtbodensiedlungen (Pfahlbauten) am Bodensee und in Oberschwaben erhalten.

    Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp einer Million Euro geförderten Verbundprojekts unter Federführung des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg werden diese prähistorischen Funktions-Textilien in den nächsten drei Jahren erstmals ausführlich erforscht. Mit daran beteiligt ist die Professur für Museologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

    Forschung an rund 2.000 Objekten

    Mitte Februar trafen sich rund ein Dutzend Textilforscher, Experimentelle Archäologen, Vor- und Frühgeschichtler, Konservierungswissenschaftler, Museologen und Museumsmacher im Federseemuseum Bad Buchau, um erste Forschungsergebnisse auszutauschen und weitergehende Fragen zu diskutieren. Diese betreffen unter anderem den Umgang mit den sensiblen Materialien: Genügen frühere Konservierungsverfahrung von archäologischen Textilien noch heutigen Anforderungen? Welche Funktion könnten die Fundstücke damals gehabt haben? Wie wurden sie hergestellt? Bei der Suche nach Antworten soll eine repräsentative Auswahl der rund 2.000 erhaltenen Objekte genauer untersucht werden.

    Zugleich wurde die geplante Wanderausstellung besprochen, für welche die Professur für Museologie der Universität Würzburg verantwortlich ist. Mit ihr sollen die Vorgehensweisen der Textilarchäologie und das unterschätzte Erkenntnispotenzial der Pfahlbauten-Textilien ab Mitte 2020 einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Während sich ein Begleit-Katalog stärker an Fachleute wendet, sollen Mitmach-Angebote, Medien und Experimentier-Stationen Ausflugsgruppen, Familien und Kulturtouristen besonders anzusprechen. Hierfür werden Studierende der Universitäten Erlangen und Würzburg in den nächsten Semestern Ideen entwickeln.

    Der genaue Titel des Forschungsprojekts lautet: „Die kulturhistorische Bedeutung des Textilhandwerks in den prähistorischen Feuchtbodensiedlungen am Bodensee und Oberschwaben im Kontext von Anforderungen an textile Objekte und ihre Wahrnehmung (THEFBO)“. Daran beteiligt sind:

    • Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg und Federseemuseum Bad Buchau
    • Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (Reiss-Engelhorn Museen): Forschungsstelle Textil
    • Universität Erlangen-Nürnberg: Institut für Ur- und Frühgeschichte
    • Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart: Textilarchäologie
    • Universität Würzburg: Professur für Museologie

    Kontakt

    Dr. Johanna Banck-Burgess, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, T: +49 711 904 45 556, johanna.banck-burgess@rps.bwl.de

    Prof. Dr. Guido Fackler, Professur für Museologie, T: +49 931 31-85607, guido.fackler@uni-wuerzburg.de

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