Ein nagelneuer Nobelpreisträger
13.10.2026Am Montag hat Georg Nagel den Nobelpreis erhalten, am Dienstag wurde er im Biozentrum gefeiert. Da knallten die Konfetti-Kanonen, auch wenn Nagel selbst nicht dabei sein konnte.
Montagmorgen, 9.40 Uhr: In Shiqiang Gaos Büro im Physiologischen Institut am Röntgenring klingelt das Telefon. Im Display steht die 0046, die Vorwahl von Schweden. Und weil in dieser Woche die Nobelpreise vergeben werden, ist Gao klar: Diesen Anruf sollte er lieber annehmen.
Tatsächlich: Der Anruf kommt aus Stockholm, der Anrufer fragt nach der Handynummer von Georg Nagel. Das Komitee möchte Nagel gerne persönlich darüber informieren, dass er den Nobelpreis für Medizin erhalten wird. Gao ist Nagels engster Mitarbeiter in Würzburg; vor 16 Jahren hat er bei ihm als Doktorand angefangen. Er weiß, dass sich Nagel seit ein paar Tagen in seiner zweiten Heimat Italien aufhält. Und seine Handynummer kennt er auch.
Einen Tag später versammeln sich gut 150 Mitglieder des Biozentrums, der Universitätsleitung und anderer Einrichtungen der JMU im Innenhof des Gebäudes am Campus Hubland. Dort lassen sie nicht nur die Sektkorken, sondern auch vier Konfetti-Kanonen knallen, um damit „einen nagelneuen Nobelpreis“ zu feiern, wie Markus Engstler, Sprecher des Biozentrums, sagt.
Georg Nagel hatte von 2004 bis 2021 als Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie am Lehrstuhl für Botanik I am Julius-von-Sachs-Institut des Biozentrums und danach bis Ende Juni 2026 als Seniorprofessor am Physiologischen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geforscht und gelehrt.
Eine „ganz tolle Überraschung“ sei die Nachricht aus Stockholm gewesen, sagt Unipräsident Paul Pauli bei der Feier im Biozentrum. Er habe Georg Nagel als korrekten, geradlinigen Wissenschaftler kennen gelernt, der für sein Thema brennt. „Er hat es verdient“, so Pauli. Der einzige Wermutstropfen: „Schade, dass er nicht persönlich vor Ort sein kann.“ Aber das werde die Uni nachholen.
Dann kommen weitere Weggefährten Georg Nagels am Biozentrum zu Wort: Dirk Becker, Ulrich Terpitz und Martin Müller. Sie alle erwähnen Nagels zurückhaltende Art und seine Bescheidenheit; sie alle zeigen ihre Freude und ihren Stolz über dessen „einzigartige Leistung“.
Nach den kurzen Ansprachen sammelt Markus Engstler alle Partygäste im Zentrum des Innenhofs und zählt den Countdown für den Konfetti-Regen herunter – in der Hoffnung, „dass wir in Zukunft noch ganz viele Konfetti-Kanonen brauchen“.

