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  • Studierende im Hörsaal bei einer Vorlesung.

Richtfest für Hightech-Forschungsbau

14.03.2023

Der Rohbau für das Center of Polymers for Life am Hubland steht. Zum Richtfest war Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume gekommen.

Minister Markus Blume betrachtet ein Mikrofasergerüst aus Polymeren zur Applikation von gesunden Herzmuskelzellen auf ein geschädigtes Herz. Hergestellt werden diese modernen Herzpflaster in naher Zukunft am Lehrstuhl von Professor Jürgen Groll. (Bild: Julia Stahl / Universität Würzburg)

Auf dem Campus Hubland-Süd der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) setzt sich die Erweiterung fort. Am Montag, 6. März 2023, wurde dort gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister, Markus Blume, das Richtfest für das neue Forschungsgebäude „Center of Polymers for Life“ (CPL) gefeiert. Künftig soll in diesem Gebäude innovative Forschung mit Kunststoffen für medizinische Anwendungen an erster Stelle stehen.

Knapp 29,6 Millionen Euro sind für Baukosten, Ersteinrichtung und Großgeräte veranschlagt. Der Bund übernimmt davon 11,4 Millionen Euro, den Rest trägt der Freistaat Bayern. Der Bezug ist für Ende 2024 geplant.

„Würzburg ist Baustelle für die Zukunft!“ Das sagte Wissenschaftsminister Markus Blume in seiner Festansprache. „Beim Richtfest des Forschungsneubaus für das Center of Polymers for Life wird wieder einmal deutlich: Die älteste Universität Bayerns entwickelt sich mit Hochdruck Richtung Exzellenz. Das CPL hebt die Polymerforschung auf ein neues Level. Chemie, Biologie, Physik, Medizin und KI – an der Schnittstelle dieser Disziplinen wird es in den nächsten Jahren die spannendsten Entwicklungen der Wissenschaft geben. Für uns ist klar: Die Julius-Maximilians-Universität steht dabei an der Spitze!“

Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen

Im Forschungsneubau soll die Polymerforschung enger mit dem noch jungen und äußerst zukunftsträchtigen Feld der Biofabrikation verknüpft werden und so der modernen Biomaterialforschung neue Impulse geben. Dafür werden zukünftig die Fachdisziplinen Chemie, Medizin, Materialwissenschaft, Biologie, Informatik und Ingenieurwesen zusammenarbeiten und die additive Fertigung für den Einsatz in Medizin und Biofabrikation voranbringen.

Ein Ziel ist die automatisierte und standardisierte Herstellung funktionaler Gewebemodelle mittels additiver Fertigungsverfahren, dem 3D-Druck von Polymerschmelzen oder vernetzbaren Polymerlösungen. Solche im Labor gereiften Gewebemodelle können beispielsweise als Alternativen für Tierversuche in der Pharma- und Krebsforschung zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können sie bei regenerativen Therapien, etwa als für den jeweiligen Patienten maßgeschneiderte Implantate beim Wiederaufbau zerstörter Gewebe wie Knorpel oder Knochen, eingesetzt werden.

Grundlage für die Herstellung solcher Gewebemodelle sind neben der Synthese und Charakterisierung von spezialisierten Polymeren auch deren Verarbeitung zu Zellträgern und hoch innovativen Arzneistoff-Freigabesystemen, mit denen das Wachstum der neu entstehenden Gewebe gezielt beeinflusst wird. Zusätzlich können solche Arzneistoff-Verpackungen sogar als neuartige Therapiemaßnahmen in der Nanomedizin eingesetzt werden.

In dem Neubau wird ein Großteil des neu gegründeten Instituts für Funktionsmaterialien und Biofabrikation (IFB) der Universität untergebracht werden. Erster Geschäftsführer dieses interfakultären Instituts der Chemie und der Medizin ist der Polymerchemiker Professor Jürgen Groll.

Hoch technisierter Neubau

Den nötigen Platz finden die Forschenden in einem viergeschossigen rechteckigen Baukörper mit einer Nutzfläche von rund 1.560 Quadratmetern für Labore, Büros, Aufenthaltsräume und Lagerflächen. Der Entwurf für den Neubau stammt aus der Feder von Telluride Architekten aus München (vormals HDR Architekten).

Der Forschungsbau steht auf dem Baufeld südlich der Nanosystemchemie (CNC) auf dem Hublandcampus und ist über einen unterirdischen Verbindungsgang an das CNC angebunden. Damit kann er in Zukunft auf separaten Verkehrswegen wetterunabhängig mit Chemikalien aus der zentralen Chemikalienausgabe versorgt werden.

Beim Neubau des CPL handelt es sich um ein äußerst hoch technisiertes Gebäude. Durch den mehrheitlichen Anteil der Laborflächen mit circa 64 Prozent beträgt der Anteil der Haustechnik an den Bauwerkskosten mehr als die Hälfte. Der hohe Technikflächenanteil resultiert daraus, dass die umfangreiche technische Infrastruktur zur sauberen Herstellung und sterilen Verarbeitung der Kunststoffe für medizinische Anwendungen unterzubringen ist.

Stimmen zum Richtfest

„Dieser Neubau bietet innovativer Forschung mit Kunststoffen für medizinische Anwendungen eine zeitgemäß auf technisch höchstem Niveau ausgestattete und gestalterisch inspirierende Heimat.“ Grit Liebau, Bereichsleiterin Universitätsbau des Staatlichen Bauamtes Würzburg

„Modernste Technik und der interdisziplinäre Ansatz werden das Center of Polymers for Life zu einem Ort zukunftsweisender und leistungsstarker Forschung machen: Als Symbiose von Chemie, Medizin, Biologie, Informatik, Material- und Ingenieurswissenschaften wird es ganz neue Möglichkeiten entwickeln und eröffnen können.“ Paul Pauli, JMU-Präsident

„Die Erkenntnisse und Ergebnisse des CPL werden dazu beitragen, dass Deutschland – und hier speziell unsere Region – in der Champions League eines medizintechnischen Wirtschaftszweigs von hoher und in Zukunft weiter steigender Relevanz mitspielen kann.“ Judith Jörg, Bürgermeisterin der Stadt Würzburg

„Im Center of Polymers for Life folgen wir dem Prinzip der Konvergenz, dem Zusammenführen klassischer Disziplinen. Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät (Biomaterialien und Regenerative Medizin) sowie der Fakultät für Chemie und Pharmazie (Funktionale Materialien, insbesondere Makromolekulare und Supramolekulare Strukturen) werden verschmelzen. Durch die Aufhebung der räumlichen Trennung in direkter Nachbarschaft zur Chemie, Biologie und Informatik werden in dem Forschungsbau in den drei Forschungsplattformen „Synthese und Charakterisierung von Polymeren“, „polymer-basierte Wirkstofftransportsysteme“ und „Biofabrikation“ auf fächerübergreifende und integrative Art vorangetrieben.“ Jürgen Groll, Leitung CPL

Weitere Bilder

Von Daniela Baumgärtner-Kerlin / Staatliches Bauamt Würzburg

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