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Bauen im Mittelalter: Ein soziales Handlungsfeld

13.10.2026

Ein neues Handbuch beleuchtet den gewaltigen Innovationsschub der Baukultur nördlich der Alpen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Mitherausgeber ist der Würzburger Kunsthistoriker Stefan Bürger.

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Im nordalpinen Raum kam es zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert zu einer dynamischen Erneuerung im Bauwesen. (Bild: Ausschnitt aus dem Buch-Cover)

Wenn von der Baukunst des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit die Rede ist, fällt der Blick meist zuerst auf die italienische Renaissance. Doch auch im nordalpinen Raum kam es zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert zu einer beeindruckenden Blütezeit und dynamischen Erneuerung im Bauwesen. Ein neues, umfassendes Handbuch nimmt diese Entwicklung nun systematisch unter die Lupe.

Herausgegeben wird das im Verlag Schnell & Steiner erschienene Werk von Prof. Dr. Stefan Bürger, Kunsthistoriker an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Klein (TU Dresden).

Baukultur als soziales Phänomen

Bauen war und ist ein zentraler sozialer Aktionsbereich. Technische Erfindungen, handwerkliche Kniffe und künstlerischer Ehrgeiz spielten dabei ebenso eine Rolle wie religiöse Vorstellungen, finanzielle Mittel, Verwaltungsstrukturen und die Kommunikation.

Das „Handbuch der spätmittelalterlichen Baukultur“ versteht deshalb Baukultur keineswegs nur als die Betrachtung fertiger Bauten oder architektonischer Stile. Vielmehr fasst es das gesamte Feld der menschlichen Gestaltung der gebauten Umwelt ins Auge – vom Planen, Bauen und Erhalten bis hin zum Verändern und Interpretieren.

Von Steinbearbeitung bis Rechnungswesen

Ein interdisziplinäres Team von Fachleuten widmet sich Aspekten wie Definitionen, Materialien, Methoden der Erforschung, auch der Hausforschung, der Bauorganisation und Baustelle, den Bauhütten, dem praktischen Bauwissen, auch dem Holzbau, der Geometrie, der Form und so den vielfältigen Facetten dieser Baukultur. Die einzelnen Kapitel haben die Autorinnen und Autoren in einer Art Teamarbeit verfasst.

Das Spektrum der Themen ist weit gespannt: Es reicht von traditionellen Techniken der Steinbearbeitung und den Konstruktionsweisen des Fachwerkbaus über ausgefeilte Planungsmethoden bis hin zum Rechnungswesen der damaligen Baustellen.

Auch die Rolle der Medien und die Selbstdarstellung der Baumeister in Werkmeisterbildnissen werden eingehend analysiert. Das reich bebilderte Werk bietet damit sowohl für das Fachpublikum als auch für interessierte Laie tiefgreifende Einblicke in die Praxis und Organisation historischer Großprojekte.

Die Herausgeber und Autoren

Bruno Klein war Professor für Christliche Kunst der Spätantike und des Mittelalters an der Technischen Universität Dresden, Stefan Bürger wurde im Oktober 2014 auf die Professur für Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Universität Würzburg berufen und lehrt Kunstgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Er beschäftigt sich besonders mit bauhistorischen, konstruktiven, medialen und architekturtheoretischen Aspekten der Baukunst des 15. und 16. Jahrhunderts. Beide Autoren haben sich durch zahlreiche baugeschichtliche Publikationen ausgewiesen.

Matthias Schulz, Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg, und seine Mitarbeiterin Larissa Then haben das komplexe Kapitel zur Kommunikation, der Sprache und den Medien in dieser Zeit beigesteuert.

Weitere Beiträge zu dem Handbuch haben geliefert: Maria Aranda Alonso, Friedrich Rudolf Becker, Sabine Bengel, Anne-Christine Brehm, Stefan Bürger, Thomas Eißing, Bruno Klein, Dominik Lengyel, Christian Misch, Peter Morsbach, Anke Neugebauer, Cornelia Neustadt, Arnd Reitemeier, Barbara Schedl, Katja Schröck, Dirk Schumann, Gerald Schwedler und Catherine Toulouse.

Publikation

Stefan Bürger, Bruno Klein (Hrsg.): Handbuch der spätmittelalterlichen Baukultur. Baukultur als sozialer Aktionsbereich, Verlag Schnell & Steiner, 1. Auflage 2026, 488 Seiten, ISBN: 978-3-7954-9072-0. 

Von Gunnar Bartsch

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