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    Ansprache des JMU-Präsidenten

    12.05.2022

    Zum Stiftungsfest der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) am 11. Mai 2022 in der Neubaukirche hielt JMU-Präsident Paul Pauli diese Ansprache.

    Universitätspräsident Paul Pauli bei seiner Ansprache zum Stiftungsfest 2022.
    Universitätspräsident Paul Pauli bei seiner Ansprache zum Stiftungsfest 2022. (Bild: Rudi Merkl / Universität Würzburg )

    „Bevor wir einen Blick auf vergangene Ereignisse und künftige Entwicklungen werfen, die die Universität bewegen, darf ich Sie um einen Moment des Innehaltens bitten – zum Gedenken an die seit dem Stiftungsfest 2021 verstorbenen Angehörigen unserer Alma Julia. Wir haben liebe Kolleginnen und Kollegen, Studierende, Freunde und Förderer verloren und wollen uns in dieser Feierstunde gemeinsam ihrer erinnern.

    Ich darf Sie bitten, sich zu erheben. Wir gedenken heute unter anderem

    * Professor Dr. Sigurd Baumann
    * Elke Baumeister
    * Annette Dorst
    * Dr. Kurt Eckernkamp
    * Dr. Wolfgang Feichtiger
    * Hannelore Ferner
    * Thomas Frisch
    * Dr. Albert Fuß
    * Professor Dr. Klaus Ganzer
    * Simone Günther
    * Professor Dr. Thomas Karmann
    * Professor Dr. Klaus Keck
    * Professor Dr. Horst Koller
    * Professor Dr. Karl Kubeczka
    * Professor Dr. Kurt Magar
    * Monika Mizgaiski
    * Johanna Reinhardt
    * Honorarprofessor Dr. Dieter Schäfer
    * Stefan Schneider
    * Klaus Spiegel
    * Liam Unangst
    * Liza Yatsenko
    * Professor Dr. Rolf Zerfaß
    * Daniel Zoller

    Im Gedenken an die von uns Gegangenen bitte ich um eine Schweigeminute. Herzlichen Dank.

    Rückblick auf das erste Jahr der Amtszeit

    Liebe Gäste, das Stiftungsfest im Mai 2021 stand ganz am Beginn meiner Präsidentschaft, die kurz zuvor am 1.4.2021 begonnen hatte. Zum heutigen Stiftungsfest kann ich nun mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Präsidium auf das erste Jahr unserer Amtszeit zurückblicken.

    Zunächst möchte ich beispielhaft aus der Vielzahl von besonderen Ereignissen und Erfolgen einige kurz erwähnen – auch um mich bei den Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz für diese Projekte zu bedanken.

    Neue SFB und ERC Grants und weitere Projekte

    So können wir uns zum Beispiel über den neuen SFB „Cardio-Immune Interfaces“ mit Sprecher Kollege Stefan Frantz freuen sowie über einen neuen SFB/Transregio namens „Letsimmun“ mit dem Würzburger Standortsprecher Kollegen Hermann Einsele. Außerdem wurden insgesamt vier SFB/Transregios unter der Würzburger Leitung der Kollegen Jürgen Groll, Martin Faßnacht-Capeller und Hermann Einsele erfolgreich verlängert. Zwei Skizzen der Kollegen Thomas Rudel und Lorenz Meinel wurden erfolgreich eingereicht und zum Vollantrag aufgefordert.

    Vielen Dank an alle Beteiligten!

    Seit dem Stiftungsfest 2021 konnten zudem fünf ERC Grants für unsere Universität eingeworben werden, zwei Consolidator Grants von Prof. Cynthia Sharma und Prof. Lars Dölken sowie drei der renommierten ERC Starting Grants von Dr. Kai Kretzschmar, Dr. Mathias Munschauer und Dr. Prince Kumar Ravat. Tolle Erfolge – herzlichen Glückwunsch!

    Mit der Berufung von Prof. Radu Timofte ist uns außerdem die Gewinnung einer weiteren Humboldt-Professur an der JMU geglückt.

    Sehr wichtig für die Zukunft bezogen auf die Exzellenzstrategie ist der Erfolg für drei Verbundprojekte im Programm „Exzellenzverbünde und Universitätskooperationen“ (EVUK) des Freistaates Bayern, die von den Kollegen Ingolf Steffan-Dewenter, Jürgen Groll und Hermann Einsele auf der JMU-Seite koordiniert werden. Das gibt Rückenwind für die Vorbereitung auf die Exzellenzstrategie.

    Dies sind, wie gesagt, nur Ausschnitte aus der ganzen Vielfalt und Exzellenz an unserer Universität, die exemplarisch zeigen, dass wir für die kommenden Herausforderungen gut gewappnet sind. Herzlichen Dank an alle, die sich hier engagiert eingebracht haben und herzlichen Glückwunsch zu diesen herausragenden Erfolgen!

    Mit Open-Topic-Berufungen Neuland betreten

    Auch personell haben wir uns im letzten Jahr gut entwickelt, wir können uns über 43 Neuberufungen seit dem Stiftungsfest 2021 freuen, die unser Profil weiter schärfen.

    Aktuell betreten wir mit den sogenannten Open-Topic-Berufungen Neuland. Wir haben sieben W1-Professuren mit Tenure Track weitgehend themenoffen ausgeschrieben, um besonders innovative Impulse von exzellenten Forscherinnen und Forschern zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Forschungsprofils unserer Universität zu erhalten.

    Die Auswahl der zu Berufenden erfolgt dabei durch eine zentrale Auswahlkommission, die sich aus universitätsinternen und externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit hohem fachlichem Renommee zusammensetzt.

    Die Berufungen selbst erfolgen dann – nach Rücksprache mit den Fakultäten – von den Fakultäten, zu denen die ausgewählten Open-Topic-Professuren passen.

    Hier hat uns die Zahl von etwas mehr als 500 Bewerbungen natürlich gefreut – denn das spricht für die Attraktivität der JMU als Forschungsstandort – aber auch vor Probleme gestellt. Der Auswahlprozess, der gerade läuft, war und ist nicht einfach. Aber ich bin überzeugt, dass wir am Ende die richtigen Entscheidungen treffen und diese Professuren das Profil unserer Universität verstärken und schärfen werden.

    Für die konstruktive und wertschätzende Arbeit möchte ich allen Beteiligten, insbesondere den Mitgliedern der Auswahlkommission, ganz herzlich danken!

    Studierendenzahlen: Ausbauziel übertroffen

    In Bezug auf die Studierendenzahlen war coronabedingt 2021 ein Rückgang der Immatrikulationen um 16 Prozent zu verzeichnen. Die Ausbauzielzahl (Studierende im 1. Hochschulsemester) für das Jahr 2021 wurde aber dennoch überschritten – vielen Dank an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben!

    Bauliche Entwicklung der Universität

    In Sachen baulicher Entwicklung konnten wir am 25. Oktober 2021 den doppelten Spatenstich für den 1. Bauabschnitt Sanierung Zentralbau Chemie und den Forschungsneubau Center of Polymers for Life (CPL) begehen und am 31. März 2022 die feierliche Einweihung des Instituts für nachhaltige Chemie & Katalyse mit Bor (ICB).

    Zudem haben wir die Zusage für eine Förderung von rund 10 Millionen Euro für den Neubau “Center for Artificial Intelligence and Data Science” (CAIDAS) aus einem Sonderprogramm der Hightech-Agenda des Freistaates Bayern.

    Diese baulichen Entwicklungen sind wichtige Investitionen in die Zukunft unserer Universität und Grundlage für zukünftige exzellente Forschung – herzlichen Dank dafür dem Bund, dem Freistaat Bayern und den Beteiligten aus Wissenschaft und Verwaltung.

    Weichen für die Zukunft gestellt

    Lassen Sie uns aber nun in die Zukunft blicken, auf Weichenstellungen, die wir, die Universitätsleitung, angestoßen haben. Unter dem Titel „Switch Points – Weichenstellungen für die JMU“ haben wir unsere Überlegungen während einer dreitägigen Klausur gebündelt und strukturiert, um dann durch Diskussion und Schärfung innerhalb der Universität eine dynamische, längerfristige Entwicklung anzustoßen.

    Ziel dieser Weichenstellungen ist die langfristige Stärkung unserer Exzellenz in Forschung, Lehre und Transfer, und zwar nicht nur in Hinblick auf die Exzellenzstrategie 2026, obwohl diese natürlich ein ganz zentraler Baustein in den kommenden Jahren sein wird. Diese Weichenstellungen betreffen auch die wichtigen Querschnittsthemen Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung.

    Nachhaltigkeit: WueLAB und Diversity-Audit

    Zum Thema Nachhaltigkeit wurde unter Federführung von Vizepräsidentin Anja Schlömerkemper und Kanzler Uwe Klug kürzlich das neue Nachhaltigkeitslabor der JMU als wissenschaftliche Einrichtung gegründet. Das „WueLAB“ dient als Ort für sogenannte Transformationsexperimente rund um das Thema Nachhaltigkeit, mit denen über die verschiedenen Disziplinen und Statusgruppen hinweg die Nachhaltigkeit an unserer Universität gestärkt und verbessert werden soll.

    Nachhaltigkeit hat aber auch eine soziale Komponente. Ein wichtiger Schritt in Richtung soziale Nachhaltigkeit ist der ebenfalls von Kollegin Schlömerkemper angestoßene Prozess eines Diversitätsaudits der Universität. Dadurch soll – neben Gleichstellung, Inklusion und Familienfreundlichkeit – auch das Thema Diversity gefördert und auf allen Ebenen der Universität fest verankert werden.

    Ich danke Frau Prof. Schlömerkemper und allen weiteren Beteiligten an diesen zwei wichtigen Projekten ganz herzlich für ihr Engagement!

    Internationalisierung: Allianz CHARM-EU

    Ein Beispiel für die Weichenstellung beim Thema Internationalisierung ist der mittlerweile vollzogene erfolgreiche Beitritt unserer Universität zur European-University-Allianz CHARM-EU, den vor allem Vizepräsidentin Doris Fischer koordiniert hat.

    An CHARM-EU beteiligt sind nun neun Universitäten, die Sprecheruniversität Barcelona sowie das Trinity College in Dublin, die Universitäten von Utrecht und Montpellier, die Eötvös Loránd Universität Budapest, die finnische Åbo Akademi University, die Hochschule Ruhr West und wir. Der Antrag auf EU-Mittel wurde fristgerecht eingereicht, so dass wir hoffentlich bald Mittel haben werden, um dieses starke, aktive und attraktive europäische Netzwerk mit Leben zu füllen.

    Der schreckliche Krieg in der Ukraine führt uns wieder einmal vor Augen, was für ein wertvolles und zerbrechliches Gut ein Leben in Frieden in Europa ist. Die enge Verbindung zu internationalen Partnern und Freunden – insbesondere in Europa – ist angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen wichtiger denn je – und CHARM-EU ist eine Weichenstellung zur Stärkung unserer europäischen Kooperationen. Mein Dank gilt Kollegin Fischer sowie dem Service Centre International Affairs für ihren Einsatz hier und bei der Aufnahme von geflüchteten Forschenden und Studierenden aus der Ukraine.

    Digitalisierung: Forschungsdatenmanagement und Open Acess Publikationen

    Beispiele für unsere Weichenstellungen beim Thema Digitalisierung sind der Aufbau eines Forschungsdatenmanagements sowie der Umstieg auf Open Access Publikationen. Hier stehen wir noch am Anfang, haben aber zu beiden Themen Pläne und Diskussionen innerhalb der Universität angestoßen.

    Vizepräsident Matthias Bode ist im engen Austausch mit unserem Rechenzentrum, der Universitätsbibliothek und den Fakultäten, um gemeinsame Lösungen zu diesen Themen zu erarbeiten, die den Ansprüchen der verschiedenen Mitglieder unserer Universität Rechnung tragen. Vielen Dank allen, die sich hier engagieren.

    Digitalisierung in der Lehre

    Unsere Weichenstellung auf dem Gebiet der Lehre zielt darauf ab, eine Plattform für Innovationen in der Lehre zu etablieren. Diese Plattform soll ein Zentrum für Exzellenz in der Lehre und wissenschaftlichen Bildung sein, das klare Zuständigkeiten definiert, Entwicklungen strategisch plant und Innovationen in der Lehre fördert. Vizepräsident Andreas Dörpinghaus arbeitet mit Nachdruck an diesem Ziel und steht hier in engem Austausch mit den relevanten Einrichtungen und Personen. Dafür auch vielen Dank an die Beteiligten!

    Forschung: Exzellenzbereiche

    Die von uns angestoßene Weichenstellung auf dem Gebiet der Forschung hat das Ziel, unser Profil zu schärfen, Forschungsschwerpunkte zu identifizieren und herauszustellen sowie neue durch gezielte Förderung aufzubauen. Wir wollen die von der vorherigen Universitätsleitung identifizierten sechs Profilbereiche unserer Universität durch Exzellenzbereiche erweitern.

    Zum einen durch Areas of Excellence, also größere Forschungsverbünde, mit denen wir uns auf die Exzellencluster-Ausschreibung vorbereiten. Hier haben unsere Gespräche im letzten Jahr Klarheit gebracht, mittlerweile wissen wir relativ genau, mit welchen Areas of Excellence wir uns aufstellen wollen. Das ist natürlich die Quantenphysik mit unserem schon geförderten Exzellenzcluster, das sind die anfänglich genannten durch EVUK geförderten Forschungsschwerpunkte „Biofabrikation“ (Jürgen Groll), „Immunocluster“ (Hermann Einsele) und „EcoGlobe“ (Ingolf Steffan-Dewenter).

    Und wir arbeiten intensiv daran, noch einen Exzellenzclusterantrag zum Thema RNA in Kooperation mit dem Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung, dem HIRI, auf den Weg zu bringen.

    Ich möchte hier betonen, dass unsere Universität natürlich mehr Exzellenz zu bieten hat als mögliche Clusteranträge abbilden. Diese Forschungsbereiche wollen wir auch für die Profilbildung unserer Universität herausstellen und fördern. Diese Leuchttürme – sogenannte Beacons of Excellence – sind beispielsweise durch unsere Leibniz- und ERC-Preisträger oder unsere Akademieprojekte charakterisiert.

    Und unser Forschungsprofil muss dynamisch bleiben, daher wollen wir den Aufbau neuer Forschungsgebiete mit Strahlkraft als sogenannte Initiatives for Excellence fördern.

    Unter Federführung von Vizepräsidentin Caroline Kisker sind wir bereits in einem intensiven Austauschprozess mit den Fakultäten und Instituten, um vielversprechende und zukunftsträchtige Forschungsthemen zu identifizieren und frühzeitig zu klären, was sie für eine bestmögliche Entwicklung brauchen – so dass wir dann für die entsprechenden Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote sorgen können.

    Vielen Dank an Vizepräsidentin Kisker und alle Beteiligten, dass sie mit viel Einsatz an der Weichenstellung für unser Forschungsprofil arbeiten. Ich möchte hierbei aber nochmals betonen, dass dies keine statische und von oben gesteuerte Festschreibung für die Zukunft sein soll, sondern viel mehr ein dynamischer Prozess ist, der auf dem Austausch und dem Dialog mit den Fakultäten und ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern basiert.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Fakultäten und Instituten sind Grundlage und Herzstück dieser strategischen Planungen. Darum war es uns auch von Anfang an ein besonderes Anliegen, die Kommunikation und den Austausch mit den Fakultäten aktiv zu suchen, um so eine Universitätskultur von Vertrauen und Transparenz zu stärken. Leider hat sich das durch Corona verzögert, aber mittlerweile haben wir als Universitätsleitung den aktiven Austausch mit den meisten Fakultäten begonnen – und das wollen wir weiterführen.

    Sehr geehrte Damen und Herren, nach diesen Einblicken in die letzten 12 Monate möchte ich mit meiner Ansprache zum Ende kommen. Es war für uns als neue Universitätsleitung ein spannendes, erfolgreiches und positives erstes Jahr und dafür möchte ich Ihnen im Namen des gesamten Präsidiums sehr herzlich danken! Ich freue mich auf die weitere konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen, um auch die anstehenden Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.“

    Von Präsidialbüro der Universität

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