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Würzburg in Vicenza

13.10.2026

In den Gallerie d’Italia wurde soeben die erste monographische Ausstellung zu Giandomenico Tiepolo eröffnet. Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg firmiert als Leihgeber – und als Partner.

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Ein Blick in die Ausstellung über Giandomenico Tiepolo in Vicenza. Auf der linken Seite sind die Würzburger Leihgaben ins rechte Licht gerückt. (Bild: Gallerie d’Italia)

Söhne berühmter Eltern hatten es nie leicht. Auf dem Grabstein von Goethes Sohn Walther steht „Goethe filius“, aber kein Vorname. Bisher stand auch Giandomenico Tiepolo im Schatten seines berühmten Vaters Giambattista.

Zwar ist Giandomenico der Kunstgeschichte bekannter als der jüngere Goethe der Literaturgeschichte. Bekanntermaßen schufen Tiepolo senior und junior zwischen 1750 und 1753 gemeinsam die Fresken der Würzburger Residenz. Doch auf die Idee, dass Giandomenico dort seine Spuren hinterlassen haben könnte, ist bislang kaum jemand gekommen.

Hier nimmt die Ausstellung „Giandomenico Tiepolo – eine neue Welt“, die seit Freitag, 9. Oktober 2026, in den Gallerie d‘Italia Vicenza zu sehen ist, eine erhebliche Neujustierung vor. Erstmals tritt Giandomenico als ein Künstler hervor, der sich schon in Würzburg – im Alter von Mitte zwanzig – vor Aufträgen kaum retten konnte und eine autonome Bildsprache entwickelte.

In der Ausstellung wird diese Umgewichtung nicht nur von Gemälde und Druckgrafik veranschaulicht, sondern auch von fünf Zeichnungen, die das Martin von Wagner Museum (MvWM) nach Vicenza ausgeliehen hat. Sie befanden sich – mit einer Fülle weiterer Arbeiten Giandomenicos auf Papier – ursprünglich in der Sammlung Martin von Wagners, der sie 1857 an die Universität Würzburg stiftete.

Damit ist das MvWM der Leihgeber mit den meisten Exponaten – ein Umstand, der bei der Eröffnung mehrfach betont wurden. Diese herausgehobene Rolle nimmt das Universitätsmuseum als einziger „Partner“ der Vicentiner Ausstellung wahr – ein Ehrentitel, der es vor anderen Leihgebern wie dem Prado oder dem Louvre hervorhebt.

In seinem Grußwort sprach Damian Dombrowski, Direktor von Gemäldegalerie und Graphischer Sammlung, von einer langen Vernachlässigung Giandomenicos auch durch das MvWM. Allerdings habe sich daran in den letzten zwei Jahrzehnten Grundlegendes geändert. Entscheidend dafür sei die Forschungsstärke des Museums gewesen.

So entwickelte eine Dissertation von 2009 über die sogenannten „Tiepolo-Skizzenbücher“ erstmals rigorose stilkritische Kriterien, um den Zeichenstil in den Würzburger Blättern Giandomenicos nicht nur von dem des Vaters, sondern auch weiterer Werkstattmitglieder zu unterscheiden. In seiner Tiepolo-Ausstellung 2020/21 hat das MvWM dieser Händescheidung erstmals Rechnung getragen und Giandomenicos Selbstständigkeit schon in den Würzburger Jahren gewürdigt.

„Pulcinella – Giambattista und Giandomenico Tiepolo zwischen Komik und Abgrund“ hieß die die temporäre Installation, die das MvWM beim Mozartfest 2025 präsentierte. Nie zuvor sei der jüngere Tiepolo in Würzburg gleichberechtigt neben seinem Vater genannt worden, unterstrich Dombrowski in seinem Grußwort zu der Vicentiner Ausstellung. Der Professor für Kunstgeschichte, der auch einen Essay für den Ausstellungskatalog beigesteuert hat, stellte zusammenfassend fest: „Seit einiger Zeit laufen in Würzburg viele Linien auf Giandomenico zusammen.“

Dombrowski versprach ferner, dass die Forschungen am MvWM zu den Würzburger Jahren dieses Künstlers noch intensiviert würden – zu seinen zahlreichen am fürstbischöflichen Hof entstandenen Staffeleigemälden, aber auch zu Giandomenicos Anteil an den Fresken, für die bisher allein der Name des Vaters bemüht wird.

Die Ausstellung „Giandomenico Tiepolo – un mondo nuovo“ ist bis 17. Januar 2027 in den Gallerie d’Italia Vicenza zu sehen. Der Ausstellungskatalog kostet 35 Euro.

Von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der JMU

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