Gefährliche Pilze setzen auf neue Überlebensstrategie
22.09.2026Ein Forschungsteam unter Würzburger Leitung zeigt: Resistente Stämme des Pilzes Candida parapsilosis bauen ihren Schutzfilm ab, entgehen so dem Immunsystem und breiten sich leichter aus.
Candida parapsilosis ist ein Hefepilz, der häufig auf der menschlichen Haut lebt. Für Gesunde ist er in der Regel unproblematisch. Gefährlich wird er vor allem für Personen, deren Immunabwehr geschwächt ist oder deren natürliche Schutzbarrieren durch medizinische Eingriffe beeinträchtigt sind.
Gelangt der Pilz beispielsweise über einen Katheter oder eine Hautverletzung in die Blutbahn, kann er schwere Infektionen verursachen. Darüber hinaus kann er von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. In den vergangenen Jahren kam es weltweit immer wieder zu Ausbrüchen in Krankenhäusern. Dabei breiteten sich Stämme des Pilzes aus, die gegen das häufig eingesetzte Antipilzmittel Fluconazol resistent sind.
Kehrtwende: Weniger Biofilm, weniger Angriffsfläche
Bislang galt eine ausgeprägte Biofilmbildung als wichtiger Faktor für die Widerstandsfähigkeit solcher Erreger: Pilze und Bakterien können einen zementartigen Schutzschild um sich herum aufbauen. Er hilft ihnen, sich in der Umwelt zu behaupten und Angriffen durch Antibiotika, Antipilzmittel oder die weißen Blutkörperchen des Immunsystems standzuhalten.
Dr. Amir Arastehfar berichtet jetzt von einer überraschenden Wendung: „Anstatt noch stärkere Festungen zu errichten, gehen die Ausbrüche verursachenden Stämme ein riskantes Wagnis ein, sie reduzieren ihren schützenden Biofilm. Im Gegenzug gewinnen sie zwei enorme Vorteile: Menschliche Immunzellen können sie nicht erkennen und sie können sich unter extremem Stress viel schneller vermehren.“
Diese neuen Erkenntnisse über Fluconazol-resistente Stämme von Candida parapsilosis hat der Junior-Forschungsgruppenleiter mit einem internationalen Forschungsteam erarbeitet und im Fachjournal PLoS Biology veröffentlicht. Amir Arastehfar ist Teil der Arbeitsgruppe „Invasive Pilzinfektionen“ von Professor Jürgen Löffler am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Anpassung als Schlüssel zum Erfolg
Durch die Analyse genomischer Daten aus Krankenhäusern in mehreren Ländern haben die Forschenden festgestellt, dass dieser Wandel der Biofilm-Strategie weltweit unabhängig voneinander stattfindet. „Die häufige Übertragung von einem Wirt auf den anderen trainiert den Pilz gewissermaßen dazu, ein uraltes Überlebensmerkmal gegen ein modernes einzutauschen. Dadurch kann er unserem Immunsystem entgehen und in Gesundheitsrichtungen fortbestehen“, sagt Amir Arastehfar.
Die Ergebnisse verändern somit die Sichtweise darauf, warum sich resistente Candida parapsilosis-Stämme in Krankenhäusern langfristig halten können.
Weltweites Gesamtgenom des Pilzes analysieren
Entscheidend sein könnten nicht allein die Widerstandsfähigkeit gegenüber Medikamenten oder die Fähigkeit, in der Krankenhausumgebung zu überleben. Auch die Anpassung an die menschliche Immunabwehr spielt offenbar eine wichtige Rolle.
Amir Arastehfar: „Wir wollen deshalb das weltweite Gesamtgenom von Candida parapsilosis sorgfältig analysieren, um herauszufinden, welche genetischen Merkmale dem Pilz die Fähigkeit verleihen, sich vor Immunzellen zu verstecken und dauerhaft im Krankenhaus zu verbleiben.“
An der Studie waren von der Universität Würzburg Forschende des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie um Professor Oliver Kurzai sowie die Promovierenden Tobias Köhler und Gabriel Braune beteiligt. Das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung hat Amir Arastehfars Forschung im WüConnect-Programm finanziell unterstützt.
Publikation
Outbreaks of fluconazole-resistant Candida parapsilosis are driven by low-biofilm-producing isolates that emerge under host selection. PLoS Biology, 1. September 2026, Open Access: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3003973

