Pressemitteilung in Gedenken an die Studentische Bücherverbrennung vom 10.05.1933
10.05.2026Der 10. Mai ist ein dunkler Tag in der Geschichte der Universität Würzburg. Im April und Anfang Mai 1933 sammelten Mitglieder der damaligen Würzburger Studentenschaft (sic!) zahlreiche literarische Schriften aus diversen Bibliotheken. Darunter befanden sich vor allem Werke jüdischer Autor:innen und solcher, die als regimekritisch eingestuft wurden. Dieses Vorgehen war Teil der reichsweiten „Aktion wider den undeutschen Geist" – der gezielten Unterdrückung sämtlicher Gegner:innen des Nationalsozialismus durch die Zensur ihrer literarischen, kulturellen und wissenschaftlichen Werke.
Die gesammelten Bücher wurden schließlich am 10. Mai 1933 nach einer Propagandarede auf dem Residenzplatz verbrannt. Zu den betroffenen Schriftsteller:innen zählen Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Alfred Döblin, Kasimir Edschmid, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Sigmund Freud, Karl Marx, Klaus Mann, Nelly Sachs, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Arnold Zweig und Stefan Zweig. Für viele von ihnen war dieser Akt der Vernichtung ihrer Werke zugleich der Beginn ihrer persönlichen Verfolgung. Während einige sich zur Flucht ins Ausland gezwungen sahen, wurden andere inhaftiert und umgebracht. So wurde der in Würzburg aufgewachsene Sozialdemokrat und Journalist Felix Fechenbach bereits im März 1933 festgenommen und später auf dem Transport ins Konzentrationslager Dachau ermordet.
Die Bücherverbrennung wurde von Studierenden unserer Universität verübt – von Mitgliedern jener Institution, deren Nachfolge wir heute sind. Die historische Verantwortung für diese Ereignisse nehmen wir als Studierendenvertretung bewusst an. Wir verurteilen die Bücherverbrennung von 1933 und alles, wofür sie stand: Rassismus, Antisemitismus und die Unterdrückung freien Denkens. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät, und verpflichten uns, durch Gedenkveranstaltungen, politische Bildungsarbeit und das konsequente Eintreten gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit dafür zu sorgen, dass sich Vergleichbares nicht wiederholt.
Die Studierendenvertretung der Universität Würzburg setzt sich deshalb bewusst für jene Werte ein, die unter dem Nationalsozialismus unterdrückt wurden: für Wissenschafts- und Meinungsfreiheit, für Religionsfreiheit und Gleichstellung, für den Schutz von Minderheiten und für ein pluralistisches, offenes Miteinander an unserer Hochschule. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, diese Grundsätze im universitären Alltag konkret zu vertreten – durch das Engagement gegen Diskriminierung, durch die Förderung vielfältiger Perspektiven und durch das Eintreten für einen freien wissenschaftlichen Diskurs.
