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    Corona: Per App der Wissenschaft helfen

    07/24/2020

    Gibt es durch Corona eine Welle an psychischen oder anderen körperlichen Belastungen? Das wollen Forscherinnen und Forscher der Uni Würzburg mit CORONA HEALTH herausfinden – und brauchen dafür die Hilfe der Bevölkerung.

    Die App CORONA HEALTH soll anonymisiert Befragungen speichen. Damit wollen die Forschungsteams herausfinden, welche gesundheitlichen Folgen die aktuelle Pandemie oder Lockdowns erzeugen, um diese in Zukunft zu minimieren.
    Die App CORONA HEALTH soll anonymisiert Befragungen speichen. Damit wollen die Forschungsteams herausfinden, welche gesundheitlichen Folgen die aktuelle Pandemie oder Lockdowns erzeugen, um diese in Zukunft zu minimieren. (Image: CORONA HEALTH)

    Was lernen wir aus der Corona-Pandemie? Das wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg herausfinden. Sie haben – in Kooperation mit der Fachgruppe Psychische Gesundheit des Robert Koch-Instituts und den Universitäten Ulm und Regensburg – die CORONA HEALTH-App entwickelt, mit der die Folgen und der Umgang mit der Covid-19-Pandemie international untersucht werden sollen. Das Forschungsteam möchte unter anderem herausfinden, welche langfristigen Effekte Kontaktbeschränkungen und andere Covid-19-Maßnahmen auf die psychische und körperliche Gesundheit sowie auf die Lebensqualität haben und welche Hinweise für ähnliche Situationen in der Zukunft abgeleitet werden können. Dafür benötigen die Forscherinnen und Forscher Hilfe aus der Bevölkerung – nämlich durch die Nutzung der App. Diese ist ab sofort als kostenfreier Download verfügbar.

    Die App erhebt durch drei frei wählbare Studien Daten (1) zu psychischer Gesundheit von Erwachsenen, (2) zu psychischer Gesundheit Jugendlicher im Alter von zwölf bis 17 Jahren und (3) zu körperlicher Gesundheit in Zeiten der Covid-19-Pandemie. Durch wöchentlich wiederholte Kurzbefragungen kann abgebildet werden, wie Lockdowns die Stimmungslage und Lebensqualität beeinflussen. Für Android-Geräte besteht zudem die Möglichkeit der anonymisierten Erfassung von GPS (Radius von elf Kilometern zum Zeitpunkt der Bearbeitung des Fragebogens) und ausgewählten App-Kommunikationsdaten (zum Beispiel die Häufigkeit der Nutzung von Telefonie, Messenger, usw.) der vergangenen sieben Tage. Die Fragebögen sind zunächst auf Deutsch und Englisch verfügbar, das Angebot wird noch um sechs weitere Sprachen ergänzt.

    Umfragen für die psychologische und medizinische Forschung

    Ziel des Forschungsteams ist das engmaschige Monitoring der psychischen und körperlichen Gesundheit während und nach der Covid-19-Pandemie. Zahlreiche internationale Studien weisen beispielsweise auf einen Anstieg psychischer Belastungen hin, teilweise gibt es aber auch auf positive Aspekte als Folgen pandemiebedingter Restriktionen. „Angst vor Ansteckung, Kurzarbeit, Werksschließungen, Home Office und Home Schooling sind nur einige Punkte auf einer Liste potentieller Belastungsfaktoren“, erklärt Rüdiger Pryss, Professor für Medizininformatik an der JMU. Er war federführend bei der Entwicklung der App. „Die Auswirkungen gegenwärtiger Lockerungen in Kombination mit dem anhaltenden Risiko einer zweiten Welle auf die psychische Gesundheit bleibt aber weiterhin unklar.“

    Mit den Daten der CORONA HEALTH-App möchten die Forscherinnen und Forscher einer möglichen Covid-19 begleitenden „zweiten Pandemie von Symptomen psychischer Störungen“ für Deutschland und im Ausland nachgehen, Risikofaktoren identifizieren und verbreitete Bewältigungsstrategien erheben. Gleiches gilt für mögliche körperliche Beschwerden. Die Ergebnisse, so das Ziel des Forschungsteams, sollen die Bewertung der psychischen Folgen von Restriktionen im Alltag und kontaktreduzierenden Maßnahmen ermöglichen und somit Hinweise für den Umgang mit solchen oder ähnlichen Situationen ermöglichen.

    „Für aussagekräftige Ergebnisse ist daher eine große Anzahl von Teilnehmenden mit einer vielfältigen gesellschaftlichen Streuung von großer Bedeutung“, erklärt Pryss. Das Erfassen der vergröberten und anonymisierten GPS Daten ermöglich es zudem, einen Zusammenhang zwischen regionalen Covid-19- Fallzahlen und psychosozialen Belastungen herzustellen. Der Einbezug der Nutzung von einer Auswahl an Kommunikations-Apps soll als Schätzer für soziale Interaktion in Zeiten des erschwerten face-to-face Kontakts herangezogen werden und Hinweise auf das Kommunikationsverhalten geben.

    App ist ab sofort verfügbar

    Die inhaltliche Konzeption sowie die technische Umsetzung der App begannen Ende März. Nach positivem Bescheid des Datenschützers sowie der Ethikkommission der JMU und einer Medizinproduktekonformität ist die App ab dem 23. Juli 2020 im Google Play Store kostenfrei erhältlich. Die Veröffentlichung im Apple Appstore folgt in Kürze. Die Speicherung der Daten erfolgt dabei vollständig anonym auf sicheren Servern des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).

    Das JMU-Team um Pryss vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie entwickelte die CORONA HEALTH-App mit inhaltlicher Unterstützung des Robert Koch-Instituts, den Universitäten Ulm und Regensburg sowie des UKW. Das Service-Zentrum Medizininformatik des UKW hat die hierfür nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Die LA2 GmbH wurde als externer Partner zur Erfüllung der Medizinproduktekonformität hinzugezogen.

    Weitere Informationen zum Forschungsprojekt gibt es hier.

    Kontakt

    Prof. Dr. Rüdiger Pryss, Professor für Medizininformatik am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Universität Würzburg, T +49 931 – 201 46471, ruediger.pryss@uni-wuerzburg.de

    By Kristian Lozina

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