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    Experteninterview mit Klaus Schmidt

    08.07.2021

    Über 30 Jahre war ich als Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik an verschiedenen Schulen in NRW und Bayern tätig. Dabei gehörte es zu meinen Aufgaben als Oberstufenbetreuer Abiturientinnen und Abiturienten zu beraten. In dieser Position und in der Funktion als stellvertretender Schulleiter galt es viele herausfordernde Situation zu meistern und ich habe gemerkt, wie viel Freude mir das bereitet. Jetzt setze ich diese Begeisterung in Begleitung, Beratung und Coaching in den unterschiedlichsten Fällen ein und gebe als Referent und Lehrbeauftragter mein Wissen und meine Erfahrung weiter.

    Was für ein Studium / was für eine Ausbildung haben Sie durchlaufen?
    Lehramt Gymnasium Mathematik und Physik, berufsbegleitende Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl, Business Coach (EMCC) und wingwave - Coach.

    Welche Erkenntnisse waren in Ihrem Studium / Ihrer Ausbildung prägend für Ihre heutige Tätigkeit?
    Die analytische Arbeit in Mathematik und Physik, die pädagogische als Lehrkraft und die psychologische in meinem jetzigen Betätigungsfeld haben mir gezeigt, dass sich alle Professionen ergänzen und gewinnbringend einsetzen lassen. Dabei ist die Beschäftigung mit der eigenen Person eminent wichtig. Zudem wurde mir gerade durch das Studium deutlich, wie entscheidend es ist, sich den Herausforderungen zu stellen und Durchhaltevermögen an den Tag zu legen.

    Was war Ihr außergewöhnlichster Nebenjob?
    Während meiner Schul- und Studienzeit hatte ich viele verschiedene Nebenjobs. Von Akkordarbeit in der Metallindustrie bis zum Messgehilfen in der Straßen- und Bauvermessung - eine spannende Zeit, in der ich sehr viel unterschiedliche Erfahrungen gesammelt habe.

    Welche Kompetenzen sollte man – aus Ihrer Sicht – bereits vor dem Berufseinstieg trainieren?
    Ganz wichtig sind die Sozialkompetenzen und damit verbunden der Umgang mit den Mitmenschen, aber auch der Blick auf sich selbst. Es ist gut zu wissen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten, Stärken und Schwächen man hat. Dazu kommen Methoden- und Sprachkompetenzen, die Fähigkeit sich sicher und eloquent auszudrücken sowie eine gewisse Teamfähigkeit.

    Was würden Sie rückblickend in Ihrem Studium / Ihrer Ausbildung besser planen, wenn Sie dieses noch einmal beeinflussen könnten?
    Durch die starke Taktung des damaligen Lehramtsstudiums war eine individuelle Planung sehr schwierig. Wo Variationsmöglichkeiten entstanden sind, habe ich diese ausgenutzt und bin sehr gut damit gefahren.
    Meine Zusatzqualifikationen hätte ich früher in Angriff genommen.

    Wie alt waren Sie, als Sie ins aktive Berufsleben eingestiegen sind?
    25 Jahre

    Wie kann und sollte die Work-Life-Balance in die Karriereplanung einbezogen werden?
    Ich erlebe etliche Menschen, vor allem Männer, die sich für ihren Beruf aufgeopfert haben und entweder das Rentenalter nicht erreicht haben oder in das berüchtigte "Rentenloch" gefallen sind. Von daher kann ich es nur begrüßen, wenn die "junge" Generation darauf achtet, dass in ihrem Leben die berufliche Tätigkeit und die Freizeit in einem ausgewogenem Verhältnis stehen.

    Was war das prägendste Erlebnis / ein Schlüsselereignis Ihrer bisherigen Karriere?
    Ich habe meinen Wunschstudienplatz als Vermessungsingenieur nicht erhalten und das Lehramtsstudium und die Arbeit als Lehrer (fast) keinen Tag bereut.

    Wenn Sie noch einmal ein Praktikum machen könnten, was würden Sie gerne ausprobieren?
    Ich würde gerne Praktikum in einem Handwerksbetrieb machen. Es ist eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie eine Arbeit vorangeht und ein Endprodukt entsteht. Das ist sowohl im Lehramt als auch in der Beratung eher selten der Fall.

    Welche Herausforderungen sehen Sie auf Ihre Branche in den nächsten 20 Jahren zukommen?
    Durch die Corona-Pandemie ist es sehr deutlich geworden, dass viele Beratungsplätze fehlen. Hier wäre es nötig, dass Menschen, die nicht psychisch krank sind, eine Beratung  z.B. durch einen Logotherapeuten oder Coach bekommen und diese Beratung von der Krankenkasse bezahlt wird. Etlichen Menschen könnte dadurch kurzfristig geholfen werden. Hierfür gilt es einzustehen. Zudem sollte die Berufsbezeichnung "Coach" spezifiziert werden. Viele Menschen wollen in diesem Bereich arbeiten, haben aber nicht die dafür passende Qualifikation. Diesbezüglich steht jeder einzelne Berater und Coach vor der Herausforderung sich durch spezielle Angebote aus der Masse herauszuheben.

    Was geben Sie Ihren Praktikanten*innen für deren Zukunft mit auf den Weg?
    Man kann sich nicht früh genug mit den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Stärken und Kompetenzen beschäftigen, um passende Entscheidungen zu treffen. Und sie sollten Fehler machen (dürfen), manche nur einmal und diese so früh als möglich und letztlich daraus lernen.

     

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