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    Experteninterview mit Alexander Aescht M.A.

    15.10.2021

    Alexander Aescht M.A. Senior Consultant - Market Intelligence Siemens AG Erlangen

    Was für ein Studium / was für eine Ausbildung haben Sie durchlaufen?
    Ich habe mein relativ exotisches Magisterstudium (M.A.) mit den Fächern Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Neueste Geschichte und Kulturgeographie an den Universitäten Erlangen und Würzburg absolviert und nebenbei noch diverse berufsbegleitende Zusatzqualifikationen in IT- und Wirtschaftswissenschaften erworben.

    Welche Erkenntnisse waren in Ihrem Studium / Ihrer Ausbildung prägend für Ihre heutige Tätigkeit?
    Ich denke das Geschichts- und Geographiestudium haben mir am meisten dabei geholfen, räumliche Zusammenhänge und zeitliche Entwicklungen aus einer gesunden Flughöhe unabhängig bewerten zu können. Diese Fähigkeiten kann man in der Wirtschaft immer wieder bei strategischen Markt- und Wettbewerberanalysen anwenden.

    Mein Geographiestudium kommt mir nun zudem auch bei den immer mehr geförderten und geforderten Nachhaltigkeitsprojekten sehr zu Gute.

    Das Geschichtsstudium vermittelt einem - neben dem großen Allgemeinwissen - aber natürlich auch die Fähigkeit, Vorträge zielgruppenspezifisch aufbereiten zu können und mit dem immer benötigten historischen Hintergründen zu verknüpfen.

    Was war Ihr außergewöhnlichster Nebenjob?
    Während meines Studiums war ich auch eine Zeit lang selbständiger Archäologe und habe bei diversen spannenden Ausgrabungsprojekten mitgewirkt. Von steinzeitlichen Pfeilspitzen über karolingische Kriegergräber bis hin zu Fliegerbomben aus dem 2. Weltkrieg habe ich im Auftrag von Denkmalschutzbehörden schon sehr viele spannende Funde und Befunde freigelegt und dokumentiert.

    Welche Kompetenzen sollte man – aus Ihrer Sicht – bereits vor dem Berufseinstieg trainieren?
    Ich denke, dass es am wichtigsten ist, sich in den Bereichen Konflikt- und Stressmanagement frühzeitig abzuhärten, um dann nach dem Studium keinen Realitätsschock zu bekommen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und neben diesem sollte man natürlich auch souverän diverse Präsentationstechniken beherrschen. Durch ehrenamtliche oder private Tätigkeiten kann man zudem auch vor dem Berufseinstieg wichtige und prägende Erfahrungen im Projekt- & Zeitmanagement erwerben.

    Was würden Sie rückblickend in Ihrem Studium / Ihrer Ausbildung besser planen, wenn Sie dieses noch einmal beeinflussen könnten?
    Ich würde die langfristigen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten schon vor dem Studium gründlicher prüfen, um geeignete Nischen und interessante Tätigkeitsgebiete noch frühzeitiger entdecken zu können.

    Wie alt waren Sie, als Sie ins aktive Berufsleben eingestiegen sind?
    Seit dem 25. Lebensjahr hatte ich dauerhaft Teilzeitjobs parallel zum Studium. Unter anderem als Webdesigner, Archäologe, freier Mitarbeiter und natürlich auch als studentische Hilfskraft an der Universität bei verschiedenen archäologischen Instituten und Behörden.

    Wie kann und sollte die Work-Life-Balance in die Karriereplanung einbezogen werden?
    Ich denke das hängt immer stark von dem persönlichen Engagement und Antrieb ab, sowie von den persönlichen Zielen und auch den familiären Umständen ab. Natürlich sollte man sich nie ausnutzen lassen und seinen Marktwert stets selbstbewusst abschätzen.

    Jeder muss das selbst für sich ausbalancieren und entscheiden, wann Extrameilen in die Karriere investiert werden sollen und wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Familienplanung oder andere ehrenamtliche Aktivitäten priorisiert voranzutreiben.

    Was war das prägendste Erlebnis / ein Schlüsselereignis Ihrer bisherigen Karriere?
    Selbstbewusstsein und Fleiß zahlen sich im Berufsleben meist aus. Man kann auch als Geisteswissenschaftler durchaus eine sehr erfolgreiche Karriere in der Industrie oder Wirtschaft machen, wenn man es schafft rechtzeitig die passenden Nischen anzusteuern und sich stets neuen Herausforderungen stellt.

    Quereinsteiger bereichern durchaus auch die oft vorherrschende Betriebsblindheit in vielen Abteilungen und Konzernen und Wissens- und Methodendiversität kann eigentlich immer nur positiv für jede Organisation sein.

    Wenn Sie noch einmal ein Praktikum machen könnten, was würden Sie gerne ausprobieren?
    Ich würde natürlich noch viel mehr Branchen intensiver kennenlernen wollen: Gastronomie, Tourismus, Bergbau, Baudenkmalpflege und noch viele mehr.... :) Aber dazu hat man ggf. als Rentner oder auch im späteren Berufsleben noch genug Zeit.

    Welche Herausforderungen sehen Sie auf Ihre Branche in den nächsten 20 Jahren zukommen?
    An erster Stelle natürlich die Digitalisierung, denn hier gibt es immer mehr technologische Innovationen und Trends, die sich auch in der strategischen Marktforschung immer mehr etablieren und konventionelle Prozesse wegrationalisiert werden.

    Daraus resultiert natürlich auch eine Zunahme der künstlichen Intelligenz in allen Lebensbereichen sowie "Big Data" Auswertungen, da Daten mittlerweile ja das neue Gold sind.

    Große Datensammlungen und IT-gestützte Analysemethoden werden daher immer umfangreicher und vernetzter, so dass man Entscheidungen immer mehr auf Basis von Echtzeitdaten und auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz treffen wird.

    Was geben Sie Ihren Praktikanten*innen für deren Zukunft mit auf den Weg?
    Besonders wichtig ist es, sich frühzeitig bewusst zu machen, was man im Leben erreichen möchte und was einen dauerhaft glücklich macht im Berufsleben. Daher sollte man frühzeitig mit dem Sammeln von interessanten, praktischen Erfahrungen beginnen, um nach dem Studium keinen "Realitätsschock" zu bekommen. Durch eine sinnvolle Kombination von persönlichen Interessen und zukunftsfähigen Schlüsselkompetenzen (z.B. Archäologie und IT) kann man auch mit "brotloser Kunst" durchaus viel Geld verdienen oder als Quereinsteiger in anderen Berufsfeldern erfolgreich sein, wenn man hier die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkennt und neue berufliche Nischen frühzeitig entdeckt.

     

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