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SI Stipendium - Malung 2022

Erfahrungsbericht von Leopold Diener, Sommer 2022 in Malung:

SI-Sommerkurs in Malung

Ich werde oft von Freunden gefragt, warum ich eigentlich Schwedisch lerne. Die beste Antwort darauf ist, dass eine Sprache immer neue Möglichkeiten und Türen eröffnet. So konnte ich mich im vergangenen Sommer über das ZFS der Universität Würzburg für einen Sommerkurs in Schweden bewerben. Die Sommerkurse werden vom Svenska Institutet (das schwedische Äquivalent des Goethe-Instituts) organisiert und Plätze werden im Rahmen eines Stipendiums an Schwedischstudenten an Partneruniversitäten auf der ganzen Welt vergeben. Diesmal wurden vier verschiedene Kurse auf unterschiedlichen Sprachniveaus angeboten, die in Volkshochschulen über ganz Schweden verteilt stattfanden. Ich entschied mich für einen Literatur- und Schreibkurs, der im kleinen verschlafenen Örtchen Malung in Dalarna durchgeführt wurde. Dort lernte ich 40 andere Studenten aus den verschiedensten europäischen Ländern sowie den USA kennen. Einige von ihnen beschäftigen sich im Rahmen eines Skandinavistikstudiums mit der schwedischen Sprache, andere waren so wie ich ganz einfach Schwedenliebhaber.

In Malung konnten wir für drei ganze Wochen in die schwedische Sprache und Kultur eintauchen und einen sehr unbeschwerten schwedischen Sommer erleben. Schon am ersten Tag mussten wir Schüler schwören, nur Schwedisch miteinander zu reden. Und nach einem etwas holprigem Anfang haben wir das alle erstaunlich gut umgesetzt. Untergebracht waren wir in gemütlichen Zweibettzimmern alle zusammen in einem Internat. So lernte man seinen Zimmerkumpanen und auch alle anderen Stipendiaten wirklich gut kennen. Alle Mahlzeiten und Fikapausen wurden in der Schulküche für uns zubereitet, sodass wir uns aber auch um gar nichts kümmern mussten. Ein richtiger Luxus! Die Volkshochschule selbst hatte sehr viel zu bieten. Man konnte nach Lust und Laune in der großen hauseigenen Bibliothek schmökern, auf den grünen Wiesen lesen oder Kubb spielen oder in die Sauna gehen. Wir schwammen außerdem fast täglich im nahen Västerdalälv, der trotz der Jahreszeit eisig kalt war. Weiterhin gab es einen Fitnessraum, eine Sporthalle, eine Schmiede und eine Feuerstelle.

Morgens hatten wir immer kurzweilige und unkonventionelle Unterrichtsstunden. In ihnen wurden wir kreativ sehr gefordert und gefördert. Neben dem Verfassen eigener Gedichte und einer Novelle sollten wir auch andere Medien ausprobieren und literarische Inhalte beispielsweise als Theater vorstellen. Mit einer Lehrerin übten wir traditionelle Volksweisen aus Dalarna ein, die wir am letzten gemeinsamen Abend vorsangen. Außerdem kamen verschiedene Gastautoren an die Schule und lasen für uns aus ihren Werken vor. Besonders spannend war es, als die Augustpriset-Trägerin Marit Kapla ihr neues Buch „Osebol“ vorstelle, das eine Art literarisches Dorfportrait ist. Da das beschriebene Dorf nur 30 km von der Schule entfernt war, konnten wir dort gleich mit dem Bus hinfahren und uns selbst ein Bild machen.

Auch in der Freizeit war sehr viel geboten. So sind wir ins Wohnhaus von Selma Lagerlöf in Mårbacka gefahren und paddelten Kanu auf einem nahen See. Über die Schule konnten wir außerdem VW-Busse mieten und sind zum Wandern in den Fulufjället-Nationalpark mit Schwedens höchstem Wasserfall gefahren und besuchten den Zorngården in Mora. Mit den schuleigenen Fahrrädern konnten wir außerdem die Umgebung erkunden.

Insgesamt hatte ich eine unvergessliche Zeit in Schweden und ich bin dankbar, so viele Schwedischinteressierte aus der ganzen Welt kennengelernt zu haben. Uns alle hat die Liebe zur Sprache verbunden und wir haben uns unglaublich gut verstanden. Am letzten Abend fand ein Abschiedsfest statt und einige Tränen sind geflossen mit den Versprechen, sich gegenseitig zu besuchen. Ich danke Jenny Koch, meiner Schwedischlehrerin, die mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat und mich im Bewerbungsprozess unterstützt hat sowie dem Svenska Institutet für die Vergabe des Stipendiums. Mehr Bilder der Sommerkurse sind auch auf dem Instagramkonto des Svenska Institutets zu sehen (svenskanivarlden), auf dem außerdem wöchentlich Schwedischstudenten Einblick in ihren Unialltag geben.

Leopold Diener