Forschung auf Augenhöhe: Konzeption einer großen Exkursion nach Sri Lanka
16.06.2026Der Lehramtsstudent Mathias Pietsch berichtet von seiner Feldforschung in Sri Lanka. Erfahren Sie, wie trotz einiger Hürden ein 14-tägiges Lehrkonzept entstand und wie angehende Lehrkräfte von internationalen Netzwerken profitieren.
Um die Internationalisierung im Lehramt nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktisch mitzugestalten, ging es für mich drei Monate nach Sri Lanka. Gefördert durch das DAAD-Stipendium „Lehramt.International“ im Rahmen des GoTEd+-Projekts, habe ich die Zeit dort intensiv für die Feldforschung zu meiner Abschlussarbeit genutzt. Mein Thema lautet: „Lernen im Ausland: Planung einer geographiedidaktischen Großen Exkursion nach Sri Lanka“.
Der absolute Mehrwert der Förderung bestand für mich darin, die theoretische Planung direkt vor Ort zu überprüfen, geographische und soziokulturelle Besonderheiten live zu erleben und das Ganze praxisnah für die spätere Lehre aufzubereiten.
Als zentrales Ergebnis der Recherche ist ein rundes Konzept für eine 14-tägige Exkursion entstanden, das zukünftigen Studierenden die starken Gegensätze des Landes aufzeigen soll. Bei Puttalam, Nuwara Eliya und Weligama geht es zum Beispiel um Land- und Ressourcennutzung: Hier stehen Salzpfannen, Tee- und Zimtplantagen im direkten Kontrast zu ökologischem Anbau und man sieht einen Strukturwandel beim Vergleich von moderner, exportorientierter Garnelenzuchten und traditioneller Subsistenzfischerei. In Ratnapura werfen wir einen Blick auf den berühmten Edelsteinreichtum und tauchen in die Methoden der Förderung und Verarbeitung vor Ort ein. Kultur, Geschichte und Religion kommen durch Tempelbesichtigungen in Anuradhapura und die Analyse des kolonialen Erbes samt aktueller Gentrifizierung in der Küstenstadt Galle nicht zu kurz. Abgerundet wird das Ganze durch einen Besuch an der Universität Peradeniya bei Kandy, um den wissenschaftlichen Austausch mit lokalen Studierenden und Dozierenden anzukurbeln.
Der Weg zu diesem Konzept lief allerdings nicht ganz ohne Stolpersteine. Schon der Start des Projekts war extrem nervenaufreibend: Wegen der zugespitzten geopolitischen Lage und des Kriegs im Nahen Osten geriet die Planung durcheinander, sodass ich den gesamten Aufenthalt sehr kurzfristig zunächst auf unbestimmte Zeit, letztendlich aber nur um eine Woche nach hinten verschieben musste. Als ich dann vor Ort war, stand ich vor der nächsten Hürde. Trotz der kleinen Größe des Landes war es anfangs schwer, die geplanten Orte sinnvoll einzugrenzen und Kontakte zu knüpfen, die über das typische Touri-Programm hinausgehen und wirklich tiefere, wissenschaftliche Einblicke bieten. Und ganz ehrlich: Auch das tropische Klima mit der permanenten Hitze und Schwüle war vor Ort an manchen Tagen mit schwerem Gepäck eine echte Zerreißprobe.
Am Ende überwogen aber definitiv die unglaublichen Erfahrungen. Der Alltag war eine komplette Umstellung. Die überwältigende Gastfreundschaft der Menschen hat mich positiv überrascht; sprachliche Barrieren waren nur selten ein Problem und man konnte einen echten, ungeschönten Einblick in verschiedenste Lebensrealitäten bekommen. Für mich als angehende Lehrkraft war diese Reise unglaublich wertvoll: Durch das Netzwerk, das ich mir aufgebaut habe, ist das Exkursionskonzept jetzt kein trockenes Papier mehr, sondern eine lebendige und einsatzbereite Möglichkeit für den internationalen Austausch im Studium.
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