Langfristige Auswirkungen: Gender Pension Gap
Die Gender Pension Gap bezeichnet die prozentuale Differenz zwischen den durchschnittlichen Alterssicherungsleistungen von Männern und Frauen. Sie zeigt, wie stark Frauen im Rentenalter finanziell benachteiligt sind und gilt als Indikator lebenslanger zusammenkommender Ungleichheiten im Erwerbsverlauf. Das Statistische Bundesamt definiert die Gender Pension Gap als „geschlechtsspezifische Altersvorsorgelücke“, die sowohl aus Einkommensunterschieden als auch aus strukturellen Faktoren wie Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitphasen und ungleicher Verteilung unbezahlter Sorgearbeit entsteht („Gender Pension Gap“). Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut lag der Gender Pension Gap in Deutschland im Jahr 2023 bei 43 %, was bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt ein um fast die Hälfte geringeres Alterssicherungseinkommen beziehen als Männer. Wie auch beim Gender Pay Gap lohnt sich hier ein Blick in die unterschiedlichen Werte für Ost- und Westdeutschland. Während der Gender Pension Gap in Westdeutschland 2023 bei 47% liegt, sinkt er in Ostdeutschland auf 21%, was insbesondere auf die Anzahl der Erwerbsjahre zurückgeführt wird („Gender Pension Gap bei eigenen Alterssicherungsleistungen“).
Die Ursachen sind vielfältig. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik zeigt, dass regionale Unterschiede, Familienstand, Erwerbsbiografien und die Verteilung von Care-Arbeit zentrale Einflussfaktoren darstellen. Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger für Kinderbetreuung oder Pflege und arbeiten überproportional oft in Teilzeit, was sich langfristig negativ auf Rentenansprüche auswirkt (Flory). Hinzu kommt, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen und Positionen tätig sind, was den Gender Pay Gap verstärkt und sich später im Rentenbezug niederschlägt. Auch private und betriebliche Altersvorsorge werden von Frauen seltener oder in geringerem Umfang genutzt, was die Lücke weiter vergrößert.
Lösungsansätze setzen daher an mehreren Ebenen an. Erstens empfehlen Expertinnen und Experten eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, insbesondere durch sozialpolitische Ausgleichsmechanismen, die Sorgearbeit besser berücksichtigen. Da die Gender Pension Gap auch eine Folge der Gender Care und Gender Pay Gap ist, werden zudem ähnliche Maßnahmen, wie der Ausbau der Kinderbetreuung und eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit als empfohlen, um Erwerbsunterbrechungen und die damit verbundene Verringerung der Altersvorsorge zu reduzieren. Drittens betonen Analysen aus der Altersvorsorgeforschung, dass eine breitere Beteiligung von Frauen an betrieblicher und privater Altersvorsorge notwendig ist, etwa durch niedrigschwellige Angebote, automatische Einschreibungen oder gezielte Informationskampagnen („Mind the (Gender) Gap“).
Bibliographie
Flory, Judith. „Gender Pension Gap: Entwicklung eines Indikators für faire Einkommensperspektiven von Frauen und Männern.“ Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/93950/422daf61f3dd6d0b08b06dd44d2a7fb7/gender-pension-gap-data.pdf, zuletzt geöffnet am 23. Feb. 2026.
„Gender Pension Gap.“ Statistisches Bundesamt, https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Gleichstellungsindikatoren/gender-pension-gap-f33.html, zuletzt geöffnet am 23. Feb. 2026.
„Gender Pension Gap bei eigenen Alterssicherungsleistungen 1992–2023.“ Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, https://www.wsi.de/de/einkommen-14619-gender-pension-gap-bei-eigenen-alterssicherungsleistungen-14920.htm, zuletzt geöffnet am 23. Feb. 2026.
„Mind the (Gender) Gap – Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen im Mehrsäulensystem.“ Rentenupdate der Deutschen Rentenversicherung, 2024, https://rentenupdate.drv-bund.de/DE/1_Archiv/Archiv/2024/04_Gender_Pension_Gap.html, zuletzt geöffnet am 23. Feb. 2026.
