Machtmissbrauch in der Kunst (Ringvorlesung Machtmissbrauch, FAU)
| Datum: | 29.04.2026, 18:00 - 19:45 Uhr |
| Ort: | ZOOM oder im großen Hörsaal in der Bismarckstraße 1a, Erlangen |
| Veranstalter: | FAU |
| Vortragende: | Prof. Dr. Aida Bosch |
Seit der #MeToo-Bewegung wurde deutlich, dass Machtmissbrauch und sexuelle Ausbeutung in der Welt der Künste aufgrund besonderer Bedingungen durchaus häufig auftreten. Individuelle Abhängkeiten, starke Macht-Asymmetrien und der Kult um (meist männliche) Künstler-Genies schufen tiefverwurzelte Strukturen, die Missbrauch systematisch begünstigen. Das Überschreiten von sozialen, ästhetischen und psychologischen Grenzen wird nicht selten mit der Innovationskraft des Ausnahmetalents des Künstlers legitimiert. Der Anspruch auf ´Einzigartigkeit´ der Kunstproduktion schafft Arbeitsbedingungen, die geprägt sind von starken Hierarchien, extremen Abhängigkeiten und einer persönlich involvierenden Arbeitsumgebung – und damit einen ermöglichenden Nährboden für Übergriffe und Machtmissbrauch.
In der bildenden Kunst lässt sich anhand von einschlägigen Beispielen zeigen, wie institutionelle Machtstrukturen und das Bild des männlichen „Genies“, dem Grenzüberschreitungen zugestanden werden, Missbrauch von Modellen und jungen Künstlerinnen begünstigen. Zudem stellt sich die Frage nach Machtmissbrauch im Kunstwerk selbst, etwa wenn das Werk Gewalt oder sexuelle Ausbeutung sichtbar macht und die, möglicherweise traumatisierende, Beschädigung der Person vor Publikum (auf ewig) wiederholt. Ähnliches gilt für den Literaturbetrieb; auch dort gibt es einschlägige Beispiele einer doppelten Beschädigung der Person, zum einen durch den physischen Übergriff und zum anderen durch die symbolische Wiederholung des Übergriffs im Werk.
Die Forschung zeigt auch, dass Machtmissbrauch und sexualisierte Übergriffe an Musikhochschulen, in Konzerthäusern und im Instrumentalunterricht strukturell präsent sind. Im Vortrag zeigt Aida Bosch an einschlägigen Beispielen, wie Machtmissbrauch in der Kunst durch spezifische, oft „intime“ Arbeitskulturen, starke Machtasymmetrien und den Mythos des Künstlergenies hervorgebracht wird.
Zoomlink:
https://fau.zoom-x.de/j/64799143155?pwd=aoT9V851pi1eLWQvtiuqUqylePZwRo.1
