Absolventeninterview: Viktoria - Mitarbeiterin in der Arbeitsvermittlung
17.04.2026Mut zum Richtungswechsel! Das hat Viktoria gezeigt, als sie gemerkt hat, dass ihr Lehramtsstudium langfristig doch nicht das Richtige für sie ist. An der Uni Würzburg hat Viktoria eigentlich Lehramt an Gymnasien für die Fächerkombination Englisch und Französisch studiert. Entschied sich dann aber, durch die praktischen Einblicke in verschiedenste Tätigkeitsbereiche der Uni nicht ins Referendariat zu starten, sondern ihrem Wunsch nachzugehen, eine Tätigkeit auszuüben, welche die Bereiche Beratung und Verwaltung kombiniert – und die hat sie auch in der Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit gefunden. Hier führt sie Beratungsgespräche mit Arbeitsuchenden, identifiziert deren persönliches Potenzial und zeigt entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten auf.
Was haben Sie an der Uni Würzburg studiert?
Lehramt an Gymnasien für die Fächerkombination Englisch und Französisch.
Was ist Ihre aktuelle Tätigkeit?
Ich bin Arbeitsvermittlerin mit Beratungsaufgaben im Bereich SGB II.
Bei welchem Unternehmen/Arbeitgeber arbeiten Sie?
Bundesagentur für Arbeit.
Welche Aufgaben übernehmen Sie?
Neben Sachbearbeitung besteht meine Hauptaufgabe darin, Beratungsgespräche mit Arbeitssuchenden zu führen, Vermittlungshemmnisse und Handlungsbedarfe zu identifizieren und entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Aktuelle Kenntnisse zu gesetzlichen Grundlagen, Engpässen und Überschüssen auf dem Arbeitsmarkt sowie Berufskunde sind für meine Arbeit unabdingbar, um passende Stellenangebote bzw. Qualifizierungsmaßnahmen anbieten zu können.
Wie haben Sie sich während und nach dem Studium beruflich orientiert?
Für mich kristallisierte sich im Verlauf des Studiums heraus, dass der Lehrberuf langfristig nicht das Richtige für mich ist. Ich wollte etwas mit und für Menschen machen. Durch verschiedene Hilfskrafttätigkeiten an der Uni konnte ich Einblicke in verschiedene Bereiche bekommen. Die Kombination aus Beratung und Verwaltung gefiel mir schlussendlich besonders gut.
Haben Sie zur beruflichen Orientierung bestimmte Angebote der Uni genutzt (z.B. Career Centre, Alumnibüro, Mentoring-Programm, Gastvorträge etc.)?
Ich habe mehrere Veranstaltungen des Career Centre besucht, u.a. den Vortrag "Meetingraum statt Klassenzimmer - vom (angehenden) Lehrer zum Personaler", wo verschiedene Karrieremöglichkeiten für Studierende und Studienabsolventen bei Bosch vorgestellt wurden. Sehr interessant fand ich auch die Seminare zu Potenzialanalyse, LinkedIn und Projektmanagement für Studierende der Geisteswissenschaften.
Wie sind Sie auf die Stelle, auf die Sie sich beworben haben, aufmerksam geworden? Gibt es ein bestimmtes Portal, das Sie den Studierenden zukünftig empfehlen könnten?
Ich habe anfangs gezielt nach Stellen im öffentlichen Dienst auf "Interamt" gesucht und bin dabei auf viele interessante Stellen gestoßen, u.a. auch von der Bundesagentur für Arbeit. Daraufhin habe ich mich direkt auf der entsprechenden Karriereseite umgeschaut und auch dort beworben.
Wie hat sich Ihr Bewerbungsprozess konkret zusammengesetzt und wie war der zeitliche Ablauf von dem ersten Kontakt bis hin zur Zusage?
Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt habe, hieß es erst mal warten. Nach ca. zwei Wochen erhielt ich eine Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch, welches eine Woche später stattfand. Am Tag nach meinem Vorstellungsgespräch bekam ich bereits eine telefonische Zusage für die Stelle. Es vergingen ca. drei weitere Wochen, bis auch die Gremien meiner Einstellung formell zugestimmt haben und ich hierüber schriftlich informiert wurde.
Gab es im Vorstellungsgespräch Fragen, mit denen Sie nicht gerechnet haben? Wenn ja, welche?
Tatsächlich kann ich mich an keine Frage erinnern, die überraschend kam. Mir hat es sehr geholfen, mich intensiv mit der Stelle auseinanderzusetzen und typische Fragen für die spezifische Stelle als auch allgemeine Fragen aus Bewerbungsgesprächen online zu recherchieren.
Welche Kompetenzen aus Ihrem Studium sind für Ihre aktuelle Tätigkeit hilfreich oder unerlässlich?
Eine besonders wichtige Kompetenz aus Studium und Auslandsaufenthalt ist interkulturelle Sensibilität. Da ich es täglich mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu tun habe, ist Feingefühl und Empathie essenziell. Wie bei Schülerinnen und Schülern muss ich auch bei Arbeitssuchenden in der Lage sein, Defizite zu erkennen, Potenziale auszuschöpfen und an den richtigen Stellen zu unterstützen. Auch nicht zu vernachlässigen: Die Arbeit mit wissenschaftlichen Texten aus dem Studium erleichtert den Umgang mit dem Sozialgesetzbuch.
Wie haben Sie sich zusätzliche Kompetenzen angeeignet (z.B. Workshops und Seminare, Praktika, Nebenjob, Vereine, Ehrenamt, Trainee, Weiterbildung etc.)?
In Schulpraktika übte ich mich darin, komplexe Themen verständlich zu vermitteln und mit Störungen umzugehen. Während meiner Zeit als Hilfskraft beim Career Centre habe ich mich außerdem intensiv mit dem Thema Potenzialanalyse befasst - hierduch wurde mir nochmal bewusst, dass jeder Mensch über eine Bandbreite verschiedener Ressourcen verfügt, die nicht immer direkt offensichtlich sind.
Welche Ratschläge können Sie den Studierenden für eine gelingende Vorbereitung auf zukünftige Vorstellungsgespräche mit auf den Weg geben?
Wie bei jeder Bewerbung ist es wichtig, sich vorab inhaltlich mit dem Tätigkeitsfeld der Stelle auseinanderzusetzen. Daneben empfiehlt es sich, aktuelle, insbesondere medienwirksame Themen des Arbeitgebers zu verfolgen, denn dieser möchte wissen, ob der Bewerber weiß, worauf er sich einlässt – bei einer Stelle in der Arbeitsvermittlung kommen daher nicht selten Rollenspiele zum Einsatz. Für einen runden Abschluss des Gesprächs sollte man sich einige Fragen zurechtgelegt haben – dies zeigt Interesse und gute Vorbereitung. Grundsätzlich punktet man aber am meisten mit Authentizität.
Haben Sie noch allgemeine Tipps zur beruflichen Orientierung und Karriereplanung?
Ob man sich mit dem Thema "Nach dem Studium" frühzeitig auseinandergesetzt hat, spiegelt sich oft im Lebenslauf wider. Wer sich in Praktika und Nebenjobs ausprobiert und/oder einem Ehrenamt nachgeht, erwirbt verschiedene Kompetenzen und hat später bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Jobmessen sind eine tolle Chance, Kontakte mit Unternehmen zu knüpfen. Ansonsten gibt es zahlreiche Beratungsangebote, z. B. von der Agentur für Arbeit oder auch beim Career Centre.
Was empfehlen Sie Studierenden, die in Ihrer Branche oder in Ihrem Beruf arbeiten möchten?
Offen sein! Die Arbeitsvermittlung ist unglaublich vielseitig! Es muss einem jedoch bewusst sein, dass die Zusammenarbeit mit manchen Menschen herausfordernd sein kann und man oft viel Geduld mitbringen muss. Immer sachlich bleiben und sich nicht auf emotional oder politisch geprägte Diskussionen einlassen. Ein gesundes Maß an Einfühlsamkeit ist wichtig, man muss sich aber auch emotional abgrenzen können.
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