„Aber ich habe doch gar nichts gemacht?!“: Strukturelle Beherrschung in Akademia (Ringvorlesung Machtmissbrauch, FAU)
| Datum: | 10.06.2026, 18:15 - 19:45 Uhr |
| Ort: | ZOOM oder im großen Hörsaal in der Bismarckstraße 1a, Erlangen |
| Veranstalter: | FAU |
| Vortragende: | Prof. Dr. Christine Bratu |
Wenn wir „Machtmissbrauch“ im Kontext der Akademia hören, denken viele an offensichtlich übergriffige Handlungen oder Verhaltensweisen: Der Professor, der sich die Ideen seiner Mitarbeiter*innen aneignet und als seine eigenen ausgibt; die Laborleiterin, die der befristeten wissenschaftlichen Mitarbeiterin mehr Aufgaben aufbürdet, als diese plausiblerweise im Rahmen einer 40-Stunden Woche erledigen kann; die Forschungsgruppe, deren Mitglieder bei der Weihnachtsfeier rassistische Witze machen und dann Druck auf die eine Kollegin ausüben, die sich darüber bei der Personalbeauftragten beschweren wollte. Fälle wie diese gibt es in Akademia nach wie vor, weil Universitäten zwar Demokratie-erhaltende Institutionen, selbst aber wenig demokratisch, sondern vielmehr stark hierarchisch organisiert sind.
Christine Bratu wird in Ihrem Vortrag eine weitere Dimension eröffnen. Sie fokussiert Machtausübung oder sogar Beherrschung, die entsteht, obwohl die Beteiligten keinerlei Normen brechen oder anders moralisch auffällig werden. Genauer geht es um moralisch problematische Beherrschung, die auch dann erfolgt, wenn die beherrschenden Akteur*innen mit Fug und Recht behaupten können, dass sie doch eigentlich nichts gemacht hätten.
Christine Bratus Argumentation zielt darauf ab, zu zeigen, dass in Institutionen wie Universitäten, in denen viele vom guten Willen weniger abhängig sind, Personen systematisch in Positionen der Verwundbarkeit gedrängt werden und dann rationalerweise ihr Verhalten an diese prekären Verhältnisse und insbesondere an die vermuteten Wünsche ihrer Vorgesetzten oder der fachlichen Community anpassen – egal, ob diese aktiv hierauf hingewirkt haben oder nicht. So kommt es, selbst wenn dies niemand aktiv beabsichtigt hat, zu moralisch problematischer Beherrschung. Diese Einsicht ist insofern zentral, weil sie Aufschlüsse darüber gibt, wie Universitäten durch die Akteur*innen verändert werden müssen, wenn sie wirklich zu dem werden sollen, was sie ihrem Selbstverständnis nach schon immer waren, nämlich herrschaftsfreie Räume, in denen das bessere Argument zählt.
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Zoomlink:
https://fau.zoom-x.de/j/64799143155?pwd=aoT9V851pi1eLWQvtiuqUqylePZwRo.1
