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Zwischen Göttern, Liebe und Tabu: Neues Buch einer Alumna

23.03.2026

Rocío Da Riva, heute Professorin in Spanien, erschließt ein außergewöhnliches Kapitel der mesopotamischen Literatur neu.

Rocío Da Riva und Bürohund Manni (Bild: Michaela Thiel)

Mit ihrem neuen Buch widmet sich unsere Alumna Rocío Da Riva einem bislang wenig erschlossenen Textkorpus der altorientalischen Literatur: den sogenannten „Divine Love Lyrics“. Die rund 50 keilschriftlichen Texte aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. eröffnen überraschende Einblicke in religiöse Vorstellungen, Emotionen und sprachliche Ausdrucksformen im alten Mesopotamien.


Die als “Divine Love Lyrics” („Göttliche Liebeslyrik“) bekannten Kompositionen bilden eine Gruppe von etwa 50 Keilschrifttexten in akkadischer Sprache aus dem ersten Jahrtausend v. Chr., die aus Assyrien (der Bibliothek von König Ashurbanipal in Ninive und den privaten Archiven der Stadt Assur) und Babylonien (der Bibliothek der Ebabbar-Tempel in Sippar und Esagil in der Stadt Babylon) stammen.

Diese Texte beziehen sich auf religiöse Feierlichkeiten, die in der Stadt Babylon zu Ehren der Hauptgottheiten des babylonischen Pantheons gefeiert wurden. In den „Divine Love Lyrics“ werden wir Zeugen der außerehelichen Beziehung zwischen Marduk und Ishtar von Babylon und sehen, wie die Gefühle der betrogenen Zarpanitu (Marduks offizielle Frau) durch obszöne und beleidigende Sprache ausgedrückt werden, wobei sexuelle Handlungen auf bisher nie dagewesene Weise beschrieben werden. Tatsächlich ist die Sprache der Texte außergewöhnlich: Sie ist direkt, eindringlich, aber gleichzeitig metaphorisch und poetisch. Diese Texte zeigen eine neue Dimension der Religion im alten Mesopotamien und sind eher mit Volkskulten vergleichbar.

Die „Divine Love Lyrics“ gelten seit langem als bedeutendes Korpus der Assyriologie, insbesondere dank der Pionierarbeit von W. G. Lambert, und dienen häufig als Referenz in Studien zu Liebe, Sexualität und Religion in der mesopotamischen Kultur.  Trotz ihrer Bedeutung gab es bisher keine umfassende Ausgabe oder detaillierte Untersuchung dieser hochkomplexen und rätselhaften Texte. Dieses Buch soll diese Lücke schließen. Durch die Erweiterung des bekannten Korpus, die Klärung seiner Struktur und Themen sowie die sorgfältige Edition und Übersetzung jeder Tafel bietet es eine umfassende philologische Grundlage für zukünftige Forschungen. Die Studie vertieft unser Verständnis dieses faszinierenden, aber anspruchsvollen Textkorpus und wirft ein neues Licht auf seine literarische, religiöse und kulturelle Bedeutung im alten Mesopotamien.

Englisch:

The compositions known as ‘Divine Love Lyrics’ form a group of about 50 cuneiform texts in the Akkadian language from the first millennium BCE, originating from Assyria (the library of King Ashurbanipal in Nineveh and the private archives of the city of Assur) and Babylonia (the library of the Ebabbar temples in Sippar and Esagil in the city of Babylon).

These texts refer to religious celebrations held in the city of Babylon in honour of the main deities of the Babylonian pantheon. In the ‘Divine Love Lyrics,’ we witness the extramarital relationship between Marduk and Ishtar of Babylon and see how the feelings of the betrayed Zarpanitu (Marduk's official wife) are expressed through obscene and offensive language, describing sexual acts in a way never seen before. In fact, the language of the texts is extraordinary: it is direct, forceful, but at the same time metaphorical and poetic. These texts reveal a new dimension of religion in ancient Mesopotamia and are more comparable to folk cults.

The Divine Love Lyrics have long been regarded as an important corpus in Assyriology, particularly thanks to the pioneering work of W. G. Lambert, and are often used as a reference in studies on love, sexuality and religion in Mesopotamian culture. Despite their importance, there has been no comprehensive edition or detailed study of these highly complex and enigmatic texts to date. This book aims to fill that gap. By expanding the known corpus, clarifying its structure and themes, and carefully editing and translating each tablet, it provides a comprehensive philological basis for future research. The study deepens our understanding of this fascinating but challenging body of texts and sheds new light on its literary, religious and cultural significance in ancient Mesopotamia.


Rocío Da Riva i Nanthan Wasserman, 2025. Gods in Love: A Critical Edition and Analysis of the 'Divine Love Lyrics'. Cuneiform Monographs 57. Leiden: Brill (https://doi.org/10.1163/9789004741591)

https://brill.com/display/title/72985

 

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