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    Gleichstellungsbüro

    Ein neues Instrument zur Arbeitsbewertung – Vorbild ABAKABA

    Das von den Wissenschaftlerinnen eingesetzte Analyseinstrument orientierte sich am von den schweizerischen Arbeitswissenschaftlern Katz und Baitsch entwickelten neuen Arbeitsbewertungssystem ABAKABA (= Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach Katz und Baitsch). Bei der Entscheidung für ABAKABA waren folgende Gesichtspunkte von Bedeutung:

    • Es handelt sich um ein methodisch und praktisch erprobtes Verfahren, das in der Schweiz bereits seit einigen Jahren erfolgreich angewendet wird.
    • Es erfüllt folgende für eine diskriminierungsfreie Arbeitsbewertung zentrale Bedinungen:
      • Es handelt sich um ein einheitliches Verfahren, d.h. es ist für die Bewertung von ArbeiterInnen- wie Angestelltenstellen geeignet.
      • Es trägt dem besonderen Charakter von Arbeit in Dienstleistungsbereichen Rechnung.
      • Es ist ein analytisches Verfahren, d.h. jede Aufgabe wird anhand der Anforderungskriterien differenziert analysiert.
    • ABAKABA entspricht dem EU-Recht; es handelt sich also um ein rechtskonformes Arbeitsbewertungsinstrument.

    Weitere Informationen zu ABAKABA finden Sie auf den Internetseiten des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Dort kann kostenlos die Publikation „Lohngleichheit für die Praxis - Zwei Instrumente zur geschlechtsunabhängigen Arbeitsbewertung“, in der ABAKABA genauer beschrieben wird, heruntergeladen werden.

    Von zentraler Bedeutung sind bei jeder Form der Arbeitsbewertung zwei Aspekte: die Auswahl der Anforderungskriterien und die Gewichtung dieser Kriterien.

    Die im Projekt entwickelten Anforderungs- und Beeinträchtigungskriterien umfassen - wie in ABAKABA - die Bereiche "geistige Anforderungen", "Verantwortung", "psycho-soziale Anforderungen" und "physische Anforderungen" bzw. "Beeinträchtigungen" (ausführliche dazu die nachfolgende Übersicht).

    Die Gewichtung der Kriterien, also die Frage, wie die Anforderungen in der Vergütung bewertet werden, ist dagegen wissenschaftlich nicht bestimmbar. Dies ist Verhandlungsgegenstand der Tarifvertragsparteien. Im Projekt wurden daher exemplarisch zwei Gewichtungsvarianten berechnet, um die politische Bedeutung der Gewichtung zu verdeutlichen.

    Übersicht über Anforderungsbereiche und Beeinträchtigungen

    Anforderungsbereiche
    Anforderungsmerkmale
    Beeinträchtigungen

    Geistige Anforderungen

    (Gewichtungsvariante 1: 40%
    Gewichtungsvariante 2: 45%)

    Fach- und Sachwissen
    Planen und Organisieren
    Problemlösungskompetenz

    Arbeitsunterbrechungen
    Beeinträchtigungen des Handlungs- und
    Entscheidungsspielraums

    Verantwortung für
    (Gewichtungsvariante 1: 20%
    Gewichtungsvariante 2: 25%)

    Arbeitsergebnisse anderer Personen
    Organisation von Lehre und Forschung
    Gelingen sozialer Prozesse
    Sach- und Geldwerte
    Umwelt und Gesundheit

     

    Psycho-Soziale Anforderungen
    (Gewichtungsvariante 1: 30%
    Gewichtungsvariante 2: 15%)

    Mündliche Kommunikationsfähigkeit
    Schriftliche Kommunikationsfähigkeit
    Kooperation
    Einfühlungsvermögen

    Beeinträchtigende psycho-soziale
    Bedingungen

    Physische Anforderungen
    (Gewichtungsvariante 1: 10%
    Gewichtungsvariante 2: 15%)

    Muskelarbeit
    Nerven und Sinne
    Bewegungspräzision
    Körperhaltung

    Beeinträchtigende Umgebungseinflüsse

    Projekterfahrungen und -ergebnisse in Kürze

    Mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die freiwillig an diesem Projekt mitgearbeitet haben, wurden in den Hochschulen zunächst berufsgruppenspezifische Workshops durchgeführt. Im Rahmen dieser eintägigen Workshops erstellten die TeilnehmerInnen unter Anleitung durch die Wissenschaftlerinnen ein Aufgabenprofil ihres jeweiligen Tätigkeitsbereichs. Jede einzelne Aufgabe wurde dann anhand eines Analysebogens hinsichtlich der Anforderungen und ihrer Ausprägung durch die TeilnehmerInnen selbst analysiert.

    Die Workshops haben deutlich gemacht, dass es sich bei den Tätigkeiten im Hochschulsekretariat um ein hoch komplexes Aufgabengebiet handelt. Typisch für diesen Arbeitsplatz sind heutzutage nicht nur die eigentlichen Sekretariatsarbeiten mit Büro-, Material- und Terminorganisation und -koordination, sondern auch ein erheblicher Umfang an qualifizierter Sachbearbeitung (von der Haushalts- und Budgetplanung bzw. -kontrolle, über Mittelakquisition und -verwaltung bis hin zur Vorbereitung von Personalangelegenheiten) . Hinzu kommen noch Beratungs- und Betreuungsaufgaben sowie Aufgaben des Organisationsmanagements. In den Hochschulsekretariaten sind also sozial kompetente, mit differenziertem Spezialwissen ausgestattete, fremdsprachlich gut ausgebildete "all round" Kräfte tätig, die allerdings nicht selten lediglich als "Schreibkräfte" nach BAT VII oder VIb bezahlt werden. Bei den männlich dominierten Tätigkeiten konnte keine vergleichbare Aufgabenvielfalt festgestellt werden.

    Hier überwiegen eher Spezialistenaufgaben, die z.T. in sehr komplexen technischen Systemen oder Anlagen durchgeführt werden. Insbesondere bei den Gruppen, die stark in den Lehrbetrieb eingebunden sind, erhalten allerdings auch hier die sogenannten "weichen" Kompetenzfaktoren eine zunehmende Bedeutung. Anforderungen an das Einfühlungsvermögen, Verantwortung für das Gelingen sozialer Prozesse, Verantwortung für die Organisation von Lehre und Forschung haben mittlerweile einen hohen Stellenwert und werden ebenso wenig durch die tarifvertraglichen Regelungen erfasst wie im Sekretariatsbereich.

    Die Auswertung dieser Tätigkeitsbeschreibungen zeigt:

    Im Sekretariatsbereich der Hochschulen werden besonders hohe Anforderungen gestellt in den Bereichen:

    • Planen und Organisieren
    • Problemlösungskompetenz
    • Verantwortung für die Arbeitsergebnisse anderer Personen
    • Mündliche und schriftliche Kommunikationsfähigkeit
    • Kooperation
    • Nerven und Sinne sowie Körperhaltung.

    Wesentliche Beeinträchtigungen stellen die häufigen Arbeitsunterbrechungen dar, die charakteristisch für die Sekretariatsarbeit sind. Ferner belasten Umgebungseinflüsse wie Raumklima, Blendung oder auch Lärm diesen Tätigkeitsbereich.

    Durch die exemplarische Punktberechnung auf Grundlage von zwei Gewichtungsvarianten konnte ermittelt werden, dass in mehr als drei Viertel der Fälle die Tätigkeiten im Hochschulsekretariatsbereich höhere Punktwerte erzielten als in den männlich dominierten Vergleichstätigkeiten. Dieses Ergebnis ergab sich unabhängig von der gewählten Gewichtungsvariante; allerdings fallen die Punktwertunterschiede bei der Gewichtungsvariante 1 (psycho-soziale Anforderungen = 30 %) noch deutlich höher aus.

    Damit wird sichtbar, dass die Anwendung einer diskriminierungsfreieren Arbeitsbewertung auf jeden Fall zu einer deutlichen Aufwertung der Sekretariatstätigkeiten führt. Die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis in tarifpolitische Regelungen obliegt den Tarifvertragsparteien des öffentlichen Dienstes. Ihre Aufgabe besteht darin, ein entsprechend der EU-Rechtsprechung diskriminierungsfreieres Regelwerk zu schaffen. Ein brauchbares Instrument, so konnte das Projekt zeigen, liegt mit ABAKABA vor.

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