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Euro, Verantwortung, Zukunft – Ein Gespräch mit Otmar Issing

20.04.2026

Einblicke in Karriere, Geldpolitik und Europas Zukunft: Professor Issing über seinen Weg zur EZB und die Herausforderungen für den Euro.

Professor Otmar Issing (Bild: Otmar Issing)

Unser Alumnivereinsmitglied Alumnus Professor Otmar Issing war Inhaber des Lehrstuhls Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg. Er war unter anderem danach als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank und dortiges Direktoriumsmitglied tätig.

Herr Professor Issing, wie haben Sie Ihr Jubiläum gefeiert?

Mit einer schönen Feier im Rahmen der Großfamilie

Sie hatten Ihre akademische Karriere zunächst mit der klassischen Philologie begonnen – wie kam es zu Ihrem Wechsel zur Volkswirtschaft?

Ich hatte das Studium aus Begeisterung für Latein und Griechisch aufgenommen. In meinen Erwartungen an das Studium wurde ich sehr enttäuscht. Dagegen hat mich das Studium der Volkswirtschafslehre, auch Nationaökonomie genannt, von Anfang an fasziniert.

Sie haben die Geldpolitik Europas maßgeblich mitgestaltet. Wie schwierig war es, die unterschiedlichen Auffassungen unter einen Hut zu bringen?

Oberstes Entscheidungsgremium für die Geldpolitik ist der EZB Rat. Diesem gehören der Präsident/Präsidentin der EZB, die vier weiteren Mitglieder des Direktoriums sowie die Präsidenten der nationalen Notenbanken an, die dem Euroraum angehören. Deren Zahl betrug am Anfang 11 und hat sich durch den Beitritt weiterer Länder zum Euroraum inzwischen auf 20 erhöht. Voraussetzung für einen Konsens ist die Überzeugung, die Entscheidungen zu treffen, die für den Euro, also den Euroraum insgesamt angemessen sind. Da die wirtschaftliche Lage in den einzelnen Mitgliedsländern unterschiedlich sein kann, ist es eine alles andere als einfache Aufgabe, einen sachgerechten Konsens zu finden. In meiner Rolle als erster Chefökonom sah ich es als meine wichtigste Aufgabe an, die Mitglieder des Rats von meinen Vorschlägen zu überzeugen.

In meiner Autobiographie „Von der D-Mark zum Euro“ habe ich (unter anderem) diesen Prozess erläutert.

Dürfen wir Sie fragen, ob Sie eine Entscheidung/Bewertung aus der Rückschau anders getätigt hätten und falls ja, welche das war?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Sie ist meines Erachtens müßig. Maßgeblich ist doch nicht, ob eine Entscheidung nachträglich, ex post, als richtig angesehen wird, sondern unter den damaligen Umständen, den damals verfügbaren Informationen als angemessen gelten kann. Während meiner acht Jahre als Chefvolkswirt (1998-2006) war der Euro eine stabile Währung mit niedriger Inflationsrate. Wir müssen alles in allem die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung der näheren Zukunft für die Europäische Währungsunion?

Die Welt ist als Folge zahlreicher Schocks, wie die Ökonomen das ausdrücken, zuletzt durch den Krieg im Nahen Osten, und nicht zu vergessen wegen der erratischen Politik des amerikanischen Präsidenten, man denke nur an die Zollpolitik, aus den Fugen geraten. Das Ausmaß der Staatsschulden in der Welt hat längst den nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erreichten Höchststand überschritten. Nicht zuletzt als Folge der Kriegskosten und der stark erhöhten Rüstungsausgaben rollt eine neue Welle höherer Schulden auf uns zu. Die EZB steht vor der schwierigen Aufgabe, den aufkommenden Inflationsanstieg in Grenzen zu halten und das Vertrauen in den Euro zu bewahren.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Zukunft der EU und der Währungsunion wünschen?

Die Europäische Integration hat den Menschen Freiheit, Frieden und Wohlstand gebracht. Es wäre mehr als töricht, diesen Prozess durch engstirnige Partikularinteressen zu gefährden.

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