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    Connected Teacher Education (CoTeach)

    AP4: Medienkompetenzen in inklusiven Grundschulklassen im Bereich Digital Storytelling

    Aus der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche und dem damit verbundenen Transformationsprozess resultiert die Frage, in welcher Form digitale Bildung bereits in der inklusiven Grundschule mit Schülerinnen und Schülern des Förderschwerpunkts geistige Entwicklung erfolgen kann. Damit ist gleichzeitig ein weiterer Innovationsprozess in der Schul- und Unterrichtsentwicklung angesprochen: Inklusion. Steht digitale Bildung in inklusiven Settings im Fokus, kann das Schlüsselwort „Diklusion“ (Digitale Medien und Inklusion) verwendet werden (Schulz & Beckermann 2020).

    Einem engen Inklusionsverständnis folgend wird darunter der gemeinsame Schulbesuch und das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in digitalen Lehr- und Lernsettings verstanden. Aus dem grundschul- und sonderpädagogischen Selbstverständnis heraus kann die Gestaltung von Lehr- Lernsituationen als zentral gelten, welche die Teilhabe und aktive Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler ermöglicht (Heimlich 2018).

    Der Anspruch an digitale Bildung im diklusiven Anfangsunterricht ist mit der Zielsetzung verbunden, Kinder so individuell zu unterstützen, dass sie in einer von Medien geprägten Welt sachgerecht, selbstbestimmt, kreativ und verantwortlich handeln können (Herzig 2007; Tulodziecki 2019). Dabei kommt Lehrkräften eine oder auch die zentrale Rolle zu, da sie nicht nur über eigene medienbezogene Kompetenzen, sondern auch über didaktische Konzepte zur Vermittlung von Medienkompetenz verfügen müssen. Ziel ist es, digitale Medien pädagogisch sinnvoll im diklusiven Unterricht einzubinden und so auf die mit der Mediensozialisation verbundenen Bildungs- und Erziehungsaufgaben aller Kinder, unabhängig von ihrem Unterstützungsbedarf, zu reagieren.

    Die Forschungsziele des lehrstuhlübergreifend angelegten AP4 bestehen in der medienpädagogischen Professionalisierung der Studierenden im Rahmen der Lehrkräftebildung sowie auf der Prozessebene des Unterrichts in der Identifikation von Qualitätsmerkmalen einer lernförderlichen Mediennutzung im diklusiven Unterricht. Im Fokus steht die theoriebasierte Entwicklung, Erprobung, Reflexion und Weiterentwicklung diklusiven Anfangsunterrichts am Beispiel des Digital Storytelling (Digitalen Geschichtenerzählens). Beim Digital Storytelling wird von einer wechselseitigen multimedialen Produktion und Rezeption ausgegangen, die in digitalen Bilderbüchern mit visuellen, akustischen und animierten Elementen umgesetzt werden (Schiefele 2018).

    In AP4 kooperiert der Lehrstuhl Grundschulpädagogik und -didaktik mit dem Lehrstuhl für Pädagogik bei Geistiger Behinderung. Aufbauend auf den drei Säulen der Deutschdidaktik (Medien-, Literatur- und Sprachdidaktik) wird einerseits die Lehrkräftebildung für Diklusion (Fokus 1) und andererseits der diklusive Unterricht (Fokus 2) in den Blick genommen. Die Anlage des Projekts AP4 wird in der nachfolgenden Abbildung veranschaulicht.

    Abb. 1: Zielsetzungen und inhaltliche Schwerpunkte im Forschungsprojekt AP4

    Die Potenziale des Digital Storytelling anhand digitaler Bilderbücher für die differenzierte Förderung der Schülerinnen und Schüler im diklusiven Anfangsunterricht wurden bislang nicht ausreichend empirisch untersucht und systematisch überprüft. Dies gilt auch für die Gelingens- und Rahmenbedingungen einer universitären Lehrkräftebildung, die die Förderung medienpädagogischer Kompetenz angehender Primarschullehrkräfte zum Ziel hat.

    Für die Arbeit im AP4 sind die folgenden, übergeordneten Fragestellungen leitend:

    Fokus 1: Lehrkräftebildung für Diklusion

    • Über welche medienpädagogischen Vorerfahrungen (z.B. aus Praktika) verfügen Studierende des Lehramts an Grundschulen und der Sonderpädagogik und wie bewerten sie diese?
    • Welche medienpädagogischen Überzeugungen, medienbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen und Motivation zur Auseinandersetzung mit digitalen Medien als Facetten medienpädagogischer Kompetenz haben Studierende des Lehramts an Grundschulen und der Sonderpädagogik?
    • Welche Bedeutung hat der Besuch eines interdisziplinären Seminares zur Förderung medienpädagogischer Kompetenzen für eben diese Facetten?
    • Wie erleben und bewerten die Studierenden das interdisziplinäre, medienpädagogische Seminarangebot?

    Fokus 2: Diklusiver Unterricht

    Im dem Fokus 2 lassen sich die beiden Promotionsvorhaben von Henrik Frisch und Julia Warmdt verorten. Auf der Basis der gemeinsamen Entwicklung des diklusiven Unterrichtskonzepts wird zwei verschiedenen Fragestellungen in zwei Teilstudien nachgegangen. 

    • Wie kann diklusiver Unterricht zum Digital Storytelling mit einem hohen Potenzial zur kognitiven Aktivierung geplant und durchgeführt werden? (Julia Warmdt)
    • Wie partizipieren Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung im diklusiven Unterricht zum Digital Storytelling? (Henrik Frisch)

    Seit September 2020 sind die wissenschaftlichen Mitarbeitenden des AP4 in dem Forschungsprojekt tätig. Im Folgenden wird das Vorgehen im Rahmen der Lehrkräftebildung für Diklusion und im Bereich des diklusiven Unterrichts erläutert. 

    Fokus 1: Lehrkräftebildung für Diklusion

    Im Rahmen der universitären Lehrkräftebildung erstellen Studierende des Lehramts an Grundschulen sowie der Sonderpädagogik in interdisziplinären Kleingruppen digitale Bilderbücher für den diklusiven Anfangsunterricht. Die lehrstuhlübergreifend angelegten Lehrveranstaltungen werden durch Lerntagebücher sowie einem Fragebogen im Pre-Post-Design wissenschaftlich begleitet. Über einen digitalen Bücherschrank stehen interessierten Lehrkräften die im Rahmen des Seminars entstandenen digitalen Bilderbücher für die Unterrichtspraxis zur Verfügung.

    Fokus 2: Diklusiver Unterricht

    Mithilfe der Unterstützung von Studierenden aus den Lehrveranstaltungen wird ein Digitales-Bilderbuch-Team gebildet, in dem eine diklusive Sequenz zum Digital Storytelling geplant, durchgeführt und beobachtet wird. Auf der Grundlage der gemeinsamen Planung, Durchführung und videografierten Beobachtung des diklusiven Unterrichts wird zwei verschiedenen Fragestellungen in zwei Teilstudien nachgegangen. Einerseits wird die Partizipation von Schülerinnen und Schülern mit einer geistigen Behinderung untersucht (Henrik Frisch). Andererseits steht das Potenzial zur kognitiven Aktivierung der Grundschülerinnen und -schülern mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Vordergrund (Julia Warmdt).

    Die digitalen Bilderbücher in der Lehrkräftebildung für Diklusion sowie das Lehr- und Lernmaterial für den diklusiven Unterricht werden mithilfe der App BookCreator und der App SketchBook am iPad erstellt.

    Durch die beiden Handlungsfelder der Lehrkräftebildung für Diklusion und des diklusiven Unterrichts wird das Ziel verfolgt, theoretische und praktische Aspekte digitalen Lernens stärker zu verzahnen. Studierende entwickeln in Lehrveranstaltungen digitale Bilderbücher, die Lehrkräften online zum Download zur Verfügung stehen. Lehrkräfte, die dieses Angebot nutzen, geben anhand eines kurzen Fragebogens eine Rückmeldung zu dem unterrichtlichen Einsatz der digitalen Bilderbücher. Diese Rückmeldung sowie die Ergebnisse der Planung, Durchführung und videografierten Beobachtung des diklusiven Unterrichts finden wiederum einen Einklang in der Gestaltung der universitären Lehrveranstaltungen.