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    Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz

    GSiK-Tag 2021: Wissen in der Krise?

    Virtuelle Studentische Tagung vom 13. November 2021 zur Bedeutung des Wissen im Kontext von Wissenschaft und Gesellschaft

    Wissen, Wahrheit, Fakten – gemein ist diesen Begriffen, dass ihnen der Schein der Unumstößlichkeit anhaftet. Aber gerade die Wissenschaft lebt davon, dass Wissen in Frage gestellt wird, Theorien aufgestellt und verworfen werden, sicher Geglaubtes falsifiziert wird – selbst wenn es sich zuvor Jahrhunderte halten konnte. Es braucht die Bereitschaft, den Blick zu wenden, Neues zu wagen, sich von Beständigem zu lösen und unser Wissen nicht nur in seiner zeitlichen, sondern auch in seiner kulturellen Ordnung zu begreifen.

    Wissen ist nicht neutral oder allgemeingültig, sondern beeinflusst von der Perspektive, aus welcher wir die Dinge betrachten und von der Position, aus welcher wir sprechen. Es gibt tote Winkel, blinde Flecken, Verzerrungen und manchmal auch ein Nicht-sehen-Wollen. Daraus folgt beinahe zwingend die Frage danach, wer Wissen generieren darf und wessen Wissen als valide gilt. Wessen Stimmen werden im gesellschaftlichen Diskurs vernommen und wessen verhallen ungehört? Und vor allem: wie gehen wir mit widerstreitendem Wissen um? Wie lernen wir, einander zuzuhören?

    Unsere globalisierte Welt birgt die Chance, in ein gemeinsames Gespräch der vielfältigen Perspektiven einzutreten. Sie konfrontiert uns aber auch mit einem Rausch an Informationen, den es zu bewältigen, einzuordnen und zu sortieren gilt. Wäre das allein nicht schon schwierig genug, mischen sich darunter Falschspieler*innen, Faktenverdreher*innen, Diskurssprenger*innen. Sie verzerren unser Potpourri an Wissen mit ihren Narrativen und vernebeln die Grenze zwischen Realität und Fiktion.

    Am Ende ist da keine rote oder blaue Pille, die wir schlucken müssen. Aber auch wir können uns entscheiden: Haben wir den Mut sowohl zu denken als auch zuzuhören – und uns mitunter durch beides zu verändern?

    In unserem Kursraum auf WueCampus findest Du die Workshopmaterialien und ggf. weitere Materialien, die von den Dozierenden zur Verfügung gestellt wurden.

    WueCampus-Kursraum des GSiK-Tags.

    Der Ablauf


    Der virtuelle GSiK-Tag 2021 wird durch einen Vortrag von Dr. Lino Camprubí (Universidad de Sevilla) eröffnet. Der Vortrag findet auf Englisch statt. 

     

    In der Workshop-phase wird ein spezifischer Fokus auf das Thema in Kleingruppen gelegt und thematisch vertieft. Es kann ein Workshop aus fünf verschiedenen ausgewählt werden. 


    Die Abschlussdiskussion am Ende der Tagung findet in Gruppen und im Plenum statt. Sie bringt alle Perspektiven zusammen und gibt schließlich den Raum, über den Tag entstandene Fragen gemeinsam zu diskutieren.

     

    Insgesamt können am GSiK-Tag 3 Punkte für eines der GSiK-Zertifikate erworben werden. Achte in der Workshopbeschreibung darauf, für welches Zertifikat der Punkt anrechenbar ist. 

    Das Programm

    Impulsvortrag: What makes an expert? Knowledge and political action in past and present crises.


    Dr. Lino Camprubí, Universidad de Sevilla

    Lino Camprubí is a Ramón y Cajal researcher in history and philosophy of science at the University of Sevilla and the PI of the ERC-CoG DEEPMED. He has conducted research at Cornell University, University of California (Los Angeles), UABarcelona, the Max Planck Institute for the History of Science (Berlin), Chicago University, and IMèRA (Marseille). He is the author or editor of, among others, Engineers and the Making of the Francoist Regime (MIT Press, 2014), Technology and Globalization: Locating Experts in World History (Palgrave Economic History, 2018), and Sociedad entre Pandemias (Fundación Gaspar Casal, 2020).

    What makes an expert? Knowledge and political action in past and present crises.
    During the COVID-19 pandemic, governments across the world announced harsh measures that disrupted both the daily lives of citizens and important economic sectors. To justify their actions, politicians claimed to be following the advice of health experts. And yet, how to decide who counts as a relevant expert? Who makes that decision in a time of crisis? Under what circumstances does scientific and technical knowledge lead to political action? The talk will approach these questions through historical and present examples from various contexts.

    Für den Vortrag ist keine Anmeldung erforderlich.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Vortrag erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche A oder B oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Workshops

    Assoz.-Prof. Mag. Dr. Claudia Brunner / Universität Klagenfurt 

    Wem nützt epistemische Gewalt? Wie sucht und findet man die koloniale Unterseite der Moderne? Warum und wer darf im Namen der Zivilisation getötet werden? Was hat der globale Kapitalismus mit Christopher Columbus zu tun? Warum ist Okzidentalismus nicht das Gegenteil von Orientalismus? Und wie ist sind die Wissenschaften in all diese Probleme verwickelt?

    Diesen Fragen geht der Workshop mit Claudia Brunner nach, in dem Grundbegriffe einer feministischen, post- und dekolonialen Wissenschaftstheorie und -kritik entlang der Frage nach dem Zusammenhang  von Wissens- und Gewaltverhältnissen erörtert werden. Ausgehend von miteinander verschränkten und ausdrücklich 'weiten', also nicht nur auf direkte körperliche Gewalt fokussierten, Begriffen von Gewalt steht dabei die 500 Jahre lange Geschichte von Kolonialismus und Kapitalismus im Zentrum - und auf welche Weise sich die Folgen dieser Geschichte in unserem Alltag, innerhalb und außerhalb der Universität entfalten. Ausgehend von den fachlichen Erfahrungen und Hintergründen der Teilnehmenden wird darüber hinaus versucht, Anschlussstellen der Thematik für unterschiedliche Disziplinen zu benennen und Wege zu deren weiterer Bearbeitung zu identifizieren.

    Interessierte können im bei transcript frei zugänglichen Buch "Epistemische Gewalt. Wissen und Herrschaft in der kolonialen Moderne" (Brunner 2020) schmökern, das einige Inhalte des Workshops detaillierter umfasst. Weitere Informationen und Texte sind auf der Homepage 'Epistemic Violence' zu finden.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Workshop erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche A oder B  oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Konstantin Mack Universität Würzburg, 

    Der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019, das Verbrennen israelischer Flaggen im Mai 2021, fortwährende Verharmlosung der Shoa auf sogenannten "Querdenken"-Demonstrationen oder die jüngsten Vorwürfe des Musiker Gil Ofarim gegen ein Lepiziger Hotel – dass Antisemitismus in Deutschland auch nach 1945 nie weg war, wird mittlerweile kaum noch angezweifelt.

    In diesem Workshop wollen wir uns mit historischen und zeitgenössischen Ausprägungen des Antisemitismus beschäftigen und uns u.a. der Frage widmen, weshalb Verschwörungsmythen so oft zugleich antisemitische Ressentiments beinhalten. Davon ausgehend wollen wir die Möglichkeit nutzen, eigene Beispiele oder Erfahrungen zu besprechen und Strategien überlegen, um Antisemitismus in Gesellschaft,  privatem Umfeld oder der Universität zu begegnen.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Workshop erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche B oder D oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Prof. Dr. Dino Capovilla Universität Würzburg

    Im Workshop sollen alternative Zugangsmöglichkeiten zu Informationen und mögliche Behinderungen bei der Nutzung digitaler Netzwerke thematisiert werden. Dies geschieht anhand konkreter medialer Beispiele die überraschen und vielleicht sogar begeistern, die Bekanntes neu beleuchten und hoffentlich das Weiterdenken anregen.

    Im zweiten Teil des Workshops steht der wohl vertraute Umgang mit Texten und die Textverarbeitung im Fokus. Wie funktioniert das eigentlich ohne Maus, wenn ich diese nicht nutzen kann? Und was hat das eigentlich mit Hexenmeistern zu tun?
    Anmerkung: Für den zweiten Teil ist ein Windows Rechner erforderlich, das sonst die Tastenkombinationen nicht funktionieren.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Workshop erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche B, C oder D oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Kerstin Küter / Wissenschaft im Dialog 

    Dieser Workshop fällt leider aus. 

    Die Wissenschaftskommunikation steht nicht nur vor dem Hintergrund der SARS-COV-2-Pandemie seit geraumer Zeit im Mittelpunkt des Interesses. Die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation ist für die Schaffung einer wissenschaftlich informierten Öffentlichkeit unabdingbar geworden.

    Doch wo kann der*die einzelne Forscher*in ansetzen? Wie wähle ich Formate oder Social-Media-Kanäle und ihre jeweiligen Zielgruppen aus? Wie erreiche ich diese? In diesem interaktiven Workshop laden wir die Teilnehmenden ein, sich über Formate der Wissenschaftskommunikation, über diverse Zielgruppen und über die entsprechende Kommunikationsstrategien zu informieren, auszutauschen und zu diskutieren.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Workshop erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche B oder D oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Dr. phil. Yalız Akbaba und Jun.- Prof. Dr. Constantin Wagner / Universität Mainz

    Eurozentrismus in Wissenschaft und Lehre betrifft auch erziehungswissenschaftliche Felder wie Schulpädagogik und Soziale Arbeit. So wird etwa Migration weitgehend als Problem gerahmt, statt die Migrationsgesellschaft als soziale und historische Grundstruktur und damit als Normalität zu begreifen.

    Im Workshop wollen wir ‚mehrheits’gesellschaftliche Perspektiven der Erziehungswissenschaft und die Mechanismen ihrer Wissensproduktion hinterfragen. Ein Input und eine Übung sollen dazu inspirieren, mit dem Blick weg von einer vermeintlichen Mehrheit hin zu marginalisierten Räumen, die Möglichkeiten einer dekolonisierenden Wissensproduktion auszuloten.

     

    Fachbereich: fächerübergreifend

    Für den Workshop erhältst Du für die Zertifikate "Interkulturelle Kompetenz" einen Punkt für die Bereiche A, B oder C oder kannst einen Punkt für das Zertifikat "Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung" anrechnen lassen.

    Abschlussdiskussion in Kleingruppen und im Plenum:
    Eure Erkenntnisse, Perspektiven und Fragen stehen im Vordergrund


    Die Abschlussdiskussion wird in zwei Phasen laufen: einmal in Kleingruppen und einmal im Plenum gemeinsam.

    In den Kleingruppen wird die Vernetzung der Workshops untereinander
    ermöglicht und es kann sich über die Workshopinhalte ausgetauscht werden.
    Hierfür dienen folgende Leitfragen zur Orientierung:

    • Was hast Du aus Deinem Workshop mitgenommen, das Dir Hoffnung macht?
      Welche Chancen leitest Du aus Deinem Workshop ab, die genutzt werden könnten?
    • Was hast Du aus Deinem Workshop mitgenommen, das Dir Sorgen bereitet?
      Welchen Handlungsbedarf leitest Du aus Deinem Workshop ab?
    • Welche Fragen hast Du an die Teilnehmenden der anderen Workshops?

    Kommt miteinander ins Gespräch über die Workshopinhalte und diskutiert diese.
     

    Das Abschlussplenum soll in einer gemeinsamen Diskussion zum Weiterdenken anregen und den Transfer der Erkenntnisse in Eure Lebenswirklichkeit ermöglichen.

    Organisatorische Hinweise

    Die Anmeldung zu den Workshops erfolgt über WueStudy. Wie gewohnt kannst Du Prioritäten entsprechend Deiner Themeninteressen angeben. Vortrag und die Abschlussdiskussionen in Gruppen und im Plenum benötigen keiner gesonderten Anmeldung.

    Technischer Check-in: Bitte registriere Dich vor der Veranstaltungseröffnung ab 9:00 Uhr über den von uns veröffentlichten Zoomlink. Bitte wähle Dich nicht zu knapp vor Veranstaltungsbeginn online in unseren Vortragsraum ein, um sicher zu gehen, dass Du genug Vorlauf hast, um Audio und Kamera optimal und störungsfrei für Dich einzustellen.  In der halben Stunde bis zur Eröffnung kannst Du Dich  dann an deinem Übertragungsort einrichten und Dich z.B. noch mit einem Kaffee stärken.

    Die Zoom Links für alle Programmpunkte, GSiK-Teilnahmelisten (weitere Informationen dazu während der Zoom-Meetings) und Workshopmaterialien findest Du im WueCampus-Kursraum des GSiK-Tags.

    Für Kurzentschlossene: Wenn Du Dich nicht für den GSiK-Tag angemeldet hast, den Einstiegsvortrag aber nicht verpassen möchtest, ist das kein Problem. Den Zoomlink veröffentlichen wir hier. 

    • Wenn Du Dir die Teilnahme am Vortrag für ein GSiK-Zertifikat anrechnen lassen möchtest kannst du dich selbst im WueCampus-Kursraum einschreiben. Alle weiteren Informationen zur Teilnahmeregistrierung gibt es dann im Zoom-Meeting.
    • Wenn Du spontan noch an einem Workshop teilnehmen möchtest, wende Dich bitte an den Technischen Support.

     

    Technischer Support: Hier gibt es Informationen zu möglichen freien Workshop-Plätzen, den jeweiligen Zugangsdaten und Hilfe bei technischen Problemen.
    Der technische Support ist am Samstag von 09.00 bis 16.00 Uhr erreichbar über die Telefonnummer: +49 931 31-86867.