Ein Auszug aus dem Gleichstellungsmonitoring 2024 (UFB, Uni Würzburg)

Das Professorinnenprogramm 2030 auf einen Blick

Das Professorinnenprogramm 2030 (PP 2030) ist ein Förderprogramm des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen. Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg nimmt an diesem Programm mit einem eigens entwickelten Gleichstellungskonzept für Parität teil, das auf der langjährigen Gleichstellungsarbeit der Universität aufbaut und diese strategisch weiterentwickelt.

Koordiniert wird das Programm an der JMU vom Büro der Universitätsfrauenbeauftragten in enger Abstimmung mit dem Vizepräsidium für Chancengleichheit, Karriereplanung und Nachhaltigkeit. Die inhaltliche Umsetzung erfolgt entlang von drei thematischen Förderlinien – MINT, VEBA und International –, die sich aus den im Gleichstellungskonzept definierten Handlungsfeldern ableiten.

Der Anteil von Frauen in der Wissenschaft ist an deutschen Hochschulen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Dennoch zeigt die Analyse des wissenschaftlichen Qualifikationsverlaufs ein konsistentes Muster: Mit jeder weiteren Karrierestufe sinkt der Frauenanteil. Dieses Phänomen wird in der Gleichstellungsforschung als „Leaky Pipeline" bezeichnet.

An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg stellt sich die Situation im Jahr 2024 wie folgt dar: Während Frauen unter den Studierenden mit rund 62 % und unter den Promovierenden mit rund 54 % die Mehrheit stellen, sinkt ihr Anteil beim promovierten wissenschaftlichen Personal auf Zeit auf rund 40 %. Bei den Professuren der Kategorien W2/C3/C2 liegt er bei 30 %, bei Lehrstuhlinhaber:innen bei 26 %. Der stärkste Rückgang vollzieht sich damit nach der Promotionsphase – an dem Übergang, an dem wissenschaftliche Karrierewege maßgeblich entschieden werden.

Besonders ausgeprägt ist dieses Ungleichgewicht in den MINT-Fächern: In der Fakultät für Mathematik und Informatik sowie in der Fakultät für Physik und Astronomie liegt der Studentinnenanteil bei 25 % bzw. 24 % – und setzt sich auf den Qualifikationsstufen entsprechend fort.

Das PP 2030 setzt an diesen Strukturen an und versteht Förderung nicht als Kompensation individueller Defizite, sondern als Beitrag zur Veränderung der institutionellen Rahmenbedingungen.

Datengrundlage: Gleichstellungsmonitoring 2024 (noch nicht veröffentlicht)

Auf der Grundlage einer Stärken-Schwächen-Analyse der Repräsentanz von Frauen in universitären Gremien, auf Professuren und im wissenschaftlichen Nachwuchs hat die JMU drei übergeordnete Gleichstellungsziele für das PP 2030 formuliert:

Ziel 1 – Kultur der Parität durch Gender Mainstreaming unterstützen. Gleichstellungsmaßnahmen, die bislang überwiegend zentral koordiniert wurden, sollen zunehmend auch auf Fakultäts-, Instituts- und Lehrstuhlebene wirksam werden. Die JMU strebt an, Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsthema in allen universitären Arbeitsbereichen selbstverständlich zu verankern und damit die Voraussetzungen für ein strukturell geschlechtergerechtes Arbeits- und Forschungsumfeld zu schaffen. Eine jährliche Steigerungsrate von 0,8 Prozentpunkten beim Professorinnenanteil wurde als quantitative Zielmarke definiert.

Ziel 2 – Potenziale entwickeln: Nachwuchswissenschaftlerinnen aktiv und früh fördern. Bisherige Förderangebote setzten häufig erst in der Promotions- oder Postdoktorandenphase an. Die JMU leitet daraus das Ziel ab, weibliche Karrieren in der Wissenschaft ab dem Studium und – in Fächern mit geringem Studentinnenanteil – bereits ab der Schulzeit zu fördern. Bestehende Maßnahmen sollen fortgeführt, an veränderte Rahmenbedingungen angepasst und durch öffentlichkeitswirksame Formate ergänzt werden, die Wissenschaftlerinnen der JMU nationale und internationale Sichtbarkeit verschaffen.

Ziel 3 – Attraktivität des Wissenschaftsstandorts und der Arbeitgeberin JMU für (internationale) Frauen erhöhen.Exzellente Wissenschaftlerinnen absolvieren ihre Qualifizierungsphase häufig an mehreren Standorten im In- und Ausland. Die Standortwahl wird dabei nicht allein durch fachliche Kriterien, sondern auch durch persönliche Bedarfe – insbesondere Familienfreundlichkeit und Dual-Career-Möglichkeiten – beeinflusst. Die JMU verfolgt daher das Ziel, Vereinbarkeitsangebote auszubauen, Dual-Career-Optionen zu verbessern und ihre Sichtbarkeit als chancengerechte Universität im internationalen Wissenschaftsmarkt zu stärken.

Die drei Förderlinien des PP 2030 an der JMU bündeln jeweils mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die an spezifischen strukturellen Hürden auf dem Weg zur Professur ansetzen.

MINT adressiert die Situation von Frauen in den Fächergruppen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, in denen die Unterrepräsentanz bereits im Studium einsetzt und sich auf allen weiteren Qualifikationsstufen fortsetzt. Geplante Maßnahmen umfassen u.a. die strukturierte Analyse von Studienabbruchquoten, den Aufbau fakultätsspezifischer Mentoringformate, die Einbindung von Schülerinnen über Kontakthalteprogramme und Kurzpraktika im Anschluss an bestehende Schulkooperationen sowie die Förderung gendersensibler Lehre und Fachdidaktik. Zur Koordination der dezentralen MINT-Maßnahmen wird eine eigene Koordinationsstelle eingerichtet.

VEBA – Vereinbarkeit baut auf dem bestehenden, aus Eigenmitteln finanzierten Pilotprogramm WÜkit auf und weitet Vereinbarkeitsmaßnahmen gezielt auf internationale Wissenschaftlerinnen und Forschende aus. Geplante Angebote umfassen u.a. eine mehrsprachige Online-Informationsplattform für neu ankommende Wissenschaftsfamilien, Get-together-Veranstaltungen, ein internationales Mentor-/Paten-Familien-Programm sowie Welcome Assistants, die bei behördlichen und administrativen Schritten unterstützen. Darüber hinaus soll das Programm WueCare Postdoktorand:innen und Juniorprofessor:innen mit Familienaufgaben durch die Finanzierung von Lehrvertretungen und Hilfskräften entlasten; ein Wiedereinstiegsstipendium soll Wissenschaftlerinnen nach einer Familienpause beim Wiedereinstieg unterstützen.

International nutzt die gewachsenen Kooperationen der JMU im Rahmen der COIMBRA-Gruppe und der CHARM-EU-Allianz, um karrierewirksame, niedrigschwellige Angebote für Nachwuchswissenschaftlerinnen im internationalen Kontext zu schaffen. Zentrales Format ist ein jährlicher International Career Day, der Wissenschaftlerinnen der JMU und internationale Forscherinnen zu Netzwerken, Keynotes und Karriere-Workshops zusammenbringt. Parallel dazu sollen dezentrale Netzwerke von Wissenschaftlerinnen – wie das Grete Hermann Network für Physikerinnen, Women@WiWi oder der HCI Mentoring Circle – gestärkt und mit internationalen Partnernetzwerken verknüpft werden. Sondierungsgespräche mit der Universitat de Barcelona, dem Trinity College Dublin und der Universiteit Utrecht haben bereits Grundlagen für ein gemeinsames europäisches Karriereentwicklungsprogramm gelegt.

Das Professorinnenprogramm 2030 ist ein Programm des Bundes und der Länder, das an deutschen Hochschulen auf der Grundlage eines positiv begutachteten Gleichstellungskonzepts gefördert wird. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wird es vom Büro der Universitätsfrauenbeauftragten koordiniert.

Die strategische Einbettung erfolgt über das Vizepräsidium für Chancengleichheit, Karriereplanung und Nachhaltigkeit, das in Zusammenarbeit mit zentralen und dezentralen Akteur:innen die übergeordnete Gleichstellungsstrategie der Universität entwickelt. 

Die drei Förderlinien des PP 2030 werden von jeweils eigenen Teams betreut, die eng mit den beteiligten Fakultäten und zentralen Einrichtungen der Universität zusammenarbeiten. Die Ansprechpersonen der einzelnen Förderlinien werden auf den jeweiligen Unterseiten aufgeführt.

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