Gewalt gegen Frauen
Zahlen und Fakten
Gewalt gegen Frauen stellt in Deutschland ein weiterhin gravierendes gesellschaftliches Problem dar. Das Bundeskriminalamt dokumentiert in seinem Bundeslagebild 2024 einen deutlichen Anstieg geschlechtsspezifischer Gewalt um 73% zum Vorjahr, insbesondere im Bereich der Partnerschaftsgewalt. Das Lagebild zum Download finden Sie hier. Laut UN Women Deutschland wird in Deutschland alle zwei bis drei Tage eine Frau von ihrem Partner oder Ex‑Partner getötet, und nahezu täglich kommt es zu einem Tötungsversuch. Die Dunkelziffer ist erheblich: Bei vielen Gewaltformen liegt die Anzeigequote unter 10% (UN Women Deutschland). Gewalt gegen Frauen ist damit Ausdruck struktureller Ungleichheit und gesellschaftlicher Machtverhältnisse, die tief in sozialen Normen verankert sind.
Besonders betroffen sind trans Frauen, nichtbinäre und Mitglieder der LGBTQIA+ Community, die zusätzlich zu patriarchalen Strukturen auch queerfeindliche Gewalt erleben. Trans Frauen tragen ein besonders hohes Risiko für körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt (Transgender Europe). Diskriminierung, Stigmatisierung und mangelnde rechtliche Anerkennung verstärken diese Gefährdungslage, auch in Deutschland (Bundesverband Trans*). Gewaltprävention muss daher intersektional gedacht werden: Schutzkonzepte müssen geschlechtliche Vielfalt berücksichtigen und queere Menschen explizit einbeziehen. Eine detailreiche Auffächerung des Themas Queerfeindlicher Gewalt finden Sie auf der Seite des LSVD.
Definitionen und Lösungsansätze
Häusliche Gewalt umfasst weit mehr als körperliche Übergriffe und zeigt sich in vielfältigen Formen, die oft schleichend beginnen und sich im Laufe der Zeit verstärken. Neben körperlicher Gewalt gehören dazu psychische Gewalt wie Demütigungen, Einschüchterungen, Beschimpfungen oder soziale Isolation, ebenso wie sexuelle Gewalt innerhalb von Partnerschaften. Auch ökonomische bzw. finanzielle Gewalt ist eine häufige, aber weniger sichtbare Form: Betroffene werden systematisch von finanziellen Ressourcen abgeschnitten, kontrolliert oder in Abhängigkeit gehalten. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt häusliche Gewalt als ein Spektrum, das von subtilen Kontrollmechanismen über emotionale Manipulation bis hin zu massiver körperlicher oder sexueller Gewalt reicht und sowohl in gemeinsamen Haushalten als auch in getrennt lebenden Partnerschaften auftreten kann.
Ein zentraler Bestandteil der Lösung liegt in der aktiven Rolle von Männern. Gewaltprävention beginnt bei der Auseinandersetzung mit eigenen Einstellungen, Privilegien und Verhaltensmustern. Männer können Verantwortung übernehmen, indem sie sexistische Sprache und abwertende Darstellungen nicht tolerieren, Betroffene unterstützen und in ihrem Umfeld klare Grenzen gegen Gewalt setzen. Ebenso wichtig ist es, toxische Männlichkeitsnormen zu hinterfragen und andere Männer auf problematisches Verhalten aufmerksam zu machen. Prävention bedeutet auch, frühzeitig Hilfe zu suchen, wenn man selbst zu aggressivem Verhalten neigt oder Konflikte nicht gewaltfrei lösen kann. Gewalt gegen Frauen ist kein „Frauenthema“ – sie kann nur beendet werden, wenn Männer aktiv an der Veränderung mitwirken (Deutschlandfunk Kultur). Als besonders chancenreich und vor allem wissenschaftlich evaluiert, um geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt zu unterbinden, werden Programme eingestuft, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Bewusstsein für das Thema stärken. In diesen Programmen sollen außerdem die Grundlagen geboten werden, womöglich ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen als auch als aktive Bystander zu agieren (Kavemann et al. 8; 24). Das bedeutet, dass sie nicht nur passive Zeug*innen sein können, sondern sich ermächtigt fühlen, einzugreifen und so die Grenzen akzeptablen Handelns verschieben können. Das Universitätsklinikum Ulm stellt für Fachkräfte und alle, die an Intervention, Schutz und Hilfe vor häuslicher Gewalt beteiligt und interessiert sind, einen interdisziplinären Onlinekurs zur Verfügung.
Hilfsangebote
Für Betroffene gibt es in Würzburg und Umgebung ein breites Netz an Hilfsangeboten. Diese Strukturen sind essenziell, um Betroffenen Schutz, Stabilität und Perspektiven zu ermöglichen.
- Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist durchgehend unter der Nummer 116016 erreichbar. Weiter Informationen finden Sie hier.
- Das Hilfetelefon Gewalt gegen Männer ist von Montag bis Donnerstag zwischen 8 Uhr und 20 Uhr und freitags zwischen 8 Uhr und 15 Uhr unter der Nummer 0800 1239900 erreichbar. Weitere Informationen finden Sie hier.
- In Fällen sexueller Belästigung und in Fällen von Gewalt unabhängig von Geschlecht im Universitätskontext berät die Kontaktstelle Sexuelle Belästigung.
- Das Frauenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen bietet Schutzräume für Frauen und ihre Kinder, die akute oder drohende Gewalt erleben.
- Auch das Frauenhaus der AWO Unterfranken stellt einen sicheren Ort bereit, an dem Betroffene Abstand gewinnen und Unterstützung erhalten können.
- Beratungsstellen wie Wildwasser Würzburg e.V. unterstützen Frauen, die sexuelle, körperliche oder psychische Gewalt erlebt haben, mit kostenlosen und auf Wunsch anonymen Beratungen. Hier finden Sie auch eine Liste mit weiteren Ansprechpersonen.
- Weitere Anlaufstellen wie pro familia, der Sozialdienst katholischer Frauen, die AWO‑Beratungsangebote oder spezialisierte Einrichtungen für Familien‑ und Erziehungsberatung ergänzen das Hilfenetzwerk der Bayerischen Polizei.
- Männer, die häusliche Gewalt erfahren, können sich an die Beratungsstelle Häusliche Gewalt gegen Männer Unterfranken richten.
- Männer, die Gewalt als Lösung ansehen, berät das Netzwerk „Männer contra Gewalt“ und bietet Anti-Gewalt- sowie Anti-Aggressionstrainings an.
Bibliographie
Bayerische Polizei. „Anlaufstellen- und Beratungsstellen bei Gewalt gegen Frauen und Kinder – Würzburg, Region Mainfranken.” Polizeipräsidium Unterfranken, https://www.polizei.bayern.de/mam/pp-unterfranken/sonstige/210914_ppufr_beratungsstellen_region_mainfranken.pdf, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
Bundeskriminalamt. „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Gewalt: Bundeslagebild 2024.” BKA, https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/StraftatenGegenFrauen/StraftatengegenFrauenBLB2024.html?nn=237578, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
Bundesverband Trans*. „Das Gewalthilfegesetz kommt – aber schützt explizit nur Frauen.” https://www.bundesverband-trans.de/gewalthilfegesetz-kommt/, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
Deutschlandfunk Kultur. „Was Männer für die Sicherheit von Frauen tun können.” Dlf, https://www.deutschlandfunkkultur.de/sexuelle-belaestigung-gewalt-frauen-schutz-102.html, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
Kavemann, Barbara, et al. „Bedarfsanalyse zur Prävention geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt.“ Frauenhauskoordinierung e.V., 2025, https://www.frauenhauskoordinierung.de/fileadmin/redakteure/images/Aktuelles/BMBFSFJ_Kurzfassung_Bedarfsanalyse_PraevGHG.pdf, zuletzt geöffnet am 1. Juni 2026.
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Häusliche Gewalt.” ProPK, https://www.polizei-beratung.de/infos-fuer-betroffene/haeusliche-gewalt/, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
Transgender Europe. „Trans Murder Monitoring: Documenting Global Violence, Discrimination and Harassment Against Trans People.” TGEU, https://transmurdermonitoring.tgeu.org/, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
UN Women Deutschland. Gewalt gegen Frauen in Deutschland: Zahlen und Fakten.
https://unwomen.de/gewalt-gegen-frauen-in-deutschland/, zuletzt geöffnet am 23. März 2026.
