Ringvorlesung im SoSe '26: Under Pressure. Über Demokratie, Vertrauen und Öffentlichkeit.
Über die Ringvorlesung
Demokratische Gesellschaften stehen gegenwärtig unter vielfältigem Druck: Politische Polarisierung, globale Machtverschiebungen und digitale Öffentlichkeiten verändern die Bedingungen, unter denen demokratische Prozesse funktionieren. Zugleich gerät das Vertrauen in Institutionen, Medien und politische Akteure zunehmend ins Wanken.
Die Ringvorlesung nimmt diese Entwicklungen in den Blick und fragt nach der Stabilität und Zukunftsfähigkeit demokratischer Ordnungen. In vier Vorträgen beleuchten ausgewiesene Expert*innen unterschiedliche Perspektiven – von grundlegenden Fragen politischer Praxis über internationale Entwicklungen bis hin zu Dynamiken digitaler Radikalisierung.
Die Reihe lädt dazu ein, zentrale Herausforderungen unserer Zeit wissenschaftlich fundiert zu analysieren und gemeinsam zu diskutieren: Wie verändert sich Öffentlichkeit? Wovon lebt Vertrauen in der Demokratie? Und wie lassen sich demokratische Strukturen unter veränderten Bedingungen sichern und weiterentwickeln?
Alle Vorträge finden um 18:30 Uhr im Audimax, Sanderring 2 statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.
Das vollständige Programm und weitere Informationen werden demnächst veröffentlicht.
Termine
29. April
Prof. Dr. Frank Decker (Universität Bonn)
"Die Zukunft der Demokratie als praktische Aufgabe"
Einführung: Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus
07. Mai
Sina Laubenstein (ISD Germany, Berlin)
"Digitale Demokratiegefahren: Radikalisierung im Netz am Beispiel der Mannosphäre"
Einführung: Prof. Dr. Andrea Kübler
21. Mai
Annika Brockschmidt (Freie Journalistin)
"Glaube, Macht und digitale Räume: Politische Trends aus den USA und deren Einfluss auf die deutsche Demokratie"
Einführung: Prof. Dr. Ilona Nord
09. Juni
Prof. Daniel Ziblatt, Ph.D. (Harvard University, WZB Berlin)
"Tyranny of the Minority: Why American Democracy
Reached the Breaking Point" (lecture in english)
Introduction: Prof. Dr. Sonja Grimm
Die Termine im Einzelnen
Die Zukunft der Demokratie als praktische Aufgabe
Vortrag von Prof. Dr. Frank Decker
(Politikwissenschaftler an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)
am 29. April 2026
mit einer Einführung durch Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus
Anrechenbar für GSiK für die Zusatzqualifikation "Interkulturelle Kompetenz" in den Bereichen B und C.
Darum geht's
Demokratie ist sowohl eine Staats- und Regierungsform als auch eine gesellschaftliche Lebensform. In beiden Bereichen gerät sie heute zunehmend unter Druck. Der Demokratiediskurs konzentriert sich deshalb vorrangig darauf, wie die Demokratie gegen ihre Feinde geschützt, wie sie "resilienter" gemacht werden kann. Daneben sollte es aber auch darum gehen, sie zu erweitern und zu verbessern. Dabei geht es zum einen um die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger und zum anderen um effektive Problemösungen.
Frank Decker ist seit 2001 Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er von 2004 bis 2008 als geschäftsführender Direktor des Instituts fungierte. Seit 2011 ist er außerdem wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP). Zuvor war er als Wissenschaftlicher Assistent an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg tätig, wo er 1993 promovierte und 1999 habilitierte. Frank Decker forscht vor allem zu den Themen Rechtspopulismus, Parteiensysteme, Regierungsinstitutionen und Demokratiereform. Zu diesen Themen publizierte er zahlreiche Bücher sowie Aufsätze in führenden politikwissenschaftlichen Fachzeitschriften und Sammelbänden. Er ist regelmäßig als Experte in Medien und öffentlichen Debatten präsent. 2023 wurde er mit dem Otto-Kirchheimer-Preis für seine herausragenden Verdienste in der Parteien- und Demokratieforschung ausgezeichnet.
Digitale Demokratiegefahren: Radikalisierung im Netz am Beispiel der Mannosphäre
Vortrag von Sina Laubenstein (Politikwissenschaftlerin am Institute for Strategic Dialogue, Berlin)
am 07. Mai 2026
mit einer Einführung durch Prof. Dr. Andrea Kübler
Anrechenbar für GSiK für die Zusatzqualifikation "Interkulturelle Kompetenz" in den Bereichen B und C.
Darum geht's
Der Vortrag setzt sich mit Online-Radikalisierung, Desinformation und digitaler Gewalt als zentralen Herausforderungen für demokratische Gesellschaften auseinander. Am Beispiel der Mannosphäre wird gezeigt, wie sich radikale und frauenfeindliche Ideologien in digitalen Netzwerken verbreiten, welche Rolle Plattformen und Plattformstrukturen dabei spielen und wie diese Dynamiken den demokratischen Alltag beeinflussen – von öffentlichen Debatten über politische Partizipation bis hin zur Sicherheit von Betroffenen digitaler Gewalt. Abschließend werden zentrale Fragen zu Prävention, Regulierung und zivilgesellschaftlichen Gegenstrategien diskutiert.
Sina Laubenstein ist als Programmdirektorin des Institute for Strategic Dialogue (ISD) Germany verantwortlich für die Gestaltung und Umsetzung der regionalen Strategie in Deutschland. Darüber hinaus leitet sie ein Projekt zum Monitoring von geschlechtsbasierter digitaler Gewalt rund um die Europawahl 2024 und hat die Co-Leitung der Coalition to Counter Online-Antisemitism (CCOA) inne. In den letzten Jahren hat Sina Laubenstein die Entwicklung eines Gesetzes gegen digitale Gewalt beraten, u.a. im Austausch mit Mitgliedern des Bundestags und Bundesministerien. Bis 2021 leitete sie außerdem ein internationales Projekt zur Bekämpfung von Hassrede online und ist anerkannte Expertin auf diesem Gebiet. Sie war zudem an der Lehrplan-Entwicklung des Business Council for Democracy (BC4D) beteiligt. Laubenstein studierte Politikwissenschaft an der Universität Mannheim (B.A.) sowie Global Studies and Societal Change an der Malmö University (M.A.). Als freie Referentin, Speakerin und Autorin beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit den Themen Digitale Zivilcourage, Hass und Extremismus im Netz sowie digitale Gewalt. Sie steht in engem Austausch mit Akteur*innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft und berät diese national wie international in ihren Strategien zum Umgang mit Hass im Netz.
Glaube, Macht und digitale Räume: Politische Trends aus den USA und deren Einfluss auf die deutsche Demokratie
Vortrag von Annika Brockschmidt (Historikerin, Freie Journalistin & Autorin)
am 21. Mai 2026
mit einer Einführung durch Prof. Dr. Ilona Nord
Anrechenbar für GSiK für die Zusatzqualifikation "Interkulturelle Kompetenz" in den Bereichen B und D.
Darum geht's
Beschreibung folgt.
Annika Brockschmidt studierte Geschichte, Germanistik und War and Conflict Studies in Heidelberg, Durham und Potsdam. Sie ist freie Journalistin und Autorin, hat in der Vergangenheit für das ZDF Hauptstadtstudio gearbeitet, den «HistoPod» für die Bundeszentrale für politische Bildung produziert und ist aktuell Co-Host der Podcasts "Feminist Shelf Control" und "Kreuz und Flagge". 2022 erhielt sie ein "Transatlantic Media Fellowship" der Heinrich Böll Stiftung. Ihre Artikel sind Zeit Online, der Frankfurter Rundschau und dem Tagesspiegel erschienen. Brockschmidt schreibt außerdem als Senior Correspondent für das US-Magazin Religion Dispatches, das zum renommierten ThinkTank Political Research Associates gehört, der sich seit über dreißig Jahren der Erforschung von Rechtsextremismus widmet. Zuletzt erschien von ihr "Die Brandstifter. Wie Extremisten die Republikanische Partei übernahmen" (Rowohlt 2024).
Tyranny of the Minority: Why American Democracy Reached the Breaking Point
Vortrag von Prof. Daniel Ziblatt, Ph.D. (Harvard University sowie WZB Berlin)
am 09. Juni 2026
This lecture is in english
Introduction: Prof. Dr. Sonja Grimm
Anrechenbar für GSiK für die Zusatzqualifikation "Interkulturelle Kompetenz" in den Bereichen B & C.
What it's all about
Description will follow.
Daniel Ziblatt ist Eaton-Professor für Regierungswissenschaften an der Harvard Universität und seit Oktober 2020 Direktor der Abteilung Transformationen der Demokratie. Sein gemeinsam mit Steven Levitsky verfasstes Buch, der New-York-Times-Bestseller „How Democracies Die“ (Crown, 2018; „Wie Demokratien sterben“, DVA, 2018), wurde in über dreißig Sprachen übersetzt. Und sein Buch „Conservative Parties and the Birth of Democracy“ (Cambridge University Press, 2017), eine Darstellung der historischen Demokratisierung Europas, wurde mit dem Woodrow Wilson Prize 2018 der American Political Science Association für das beste Buch über Regierungen und internationale Beziehungen sowie mit drei weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Barrington Moore Award 2018 der American Sociological Association für das beste Buch in Vergleichender Historischer Soziologie. Sein Buch „Tyranny of the Minority" erschien im Herbst 2023. Er wurde mit dem Berlin-Preis 2019 der American Academy in Berlin ausgezeichnet und war Karl W. Deutsch-Gastprofessor am WZB. 2023 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.
