Drei Monate, zwei Länder und viele neue Perspektiven
07/21/2026Zwei Studierende der Uni Würzburg waren jeweils drei Monate in Sri Lanka und Indonesien. Unterstützt vom DAAD und der Professional School of Education haben die angehenden Lehrkräfte dort für ihre Zulassungsarbeiten geforscht.
Mathias Pietsch und Hannah Fork studieren an der Universität Würzburg für das Lehramt; bis vor Kurzem waren sie drei Monate lang in Sri Lanka beziehungsweise Indoniesen unterwegs. Um Erholung ging es dabei allerdings nicht. Stattdessen haben die beiden für ihre Zulassungsarbeiten Forschungsprojekte durchgeführt.
Unterstützt wurden sie dabei im Rahmen eines DAAD-Stipendiums über das Projekt „Global Teacher Education plus“ der Professional School of Education (PSE). Dieses Stipendium ist dafür gedacht, Einblicke in andere Bildungssysteme zu gewinnen und vor Ort kleinere Forschungsprojekte in Angriff zu nehmen.
Maike Madera, Projektkoordination GoTEd+ und Erasmus an der PSE, hat die beiden nach ihrer Rückkehr interviewt.
Hannah, wo bist Du gewesen?
Hannah: Ich habe drei Monate an der Universitas Negeri Semarang (UNNES) auf der Insel Java in Indonesien studiert und hatte dort die Chance, eine andere Kultur kennenzulernen und gleichzeitig meine wissenschaftliche Arbeit voranzubringen.
Worum geht es in Deiner wissenschaftlichen Arbeit?
Im Mittelpunkt meiner Zulassungsarbeit steht ein internationaler Vergleich zwischen Indonesien und Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung im Mathematikunterricht der Grundschule. Der Aufenthalt bot mir jedoch weit mehr als die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten: Ich konnte das indonesische Bildungssystem aus nächster Nähe kennenlernen und wertvolle Erfahrungen für meinen späteren Beruf als Lehrerin sammeln.
Wie lief das konkret ab?
Ich konnte beispielsweise während meines Aufenthalts an verschiedenen Lehrveranstaltungen der Fakultät teilnehmen und den Universitätsalltag in Indonesien unmittelbar erleben. Darüber hinaus durfte ich mehrere Schulen besuchen und Interviews mit Lehrkräften führen. Die Gespräche lieferten mir wertvolle Einblicke in den Unterrichtsalltag und bereicherten meine wissenschaftliche Arbeit. Ergänzt wurde mein Aufenthalt durch zwei Programme, eines für internationale Studierende und eines der Fakultät für Mathematik, die mir sowohl fachlich als auch persönlich zahlreiche neue Erfahrungen ermöglichten. Insgesamt also eine tolle Verbindung von Theorie und Praxis.
Und bei Dir, Mathias: Wie lief dein Auslandsaufenthalt ab?
Mathias: Ich bin für drei Monate nach Sri Lanka gegangen, um so die Internationalisierung im Lehramt nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktisch mitzugestalten. Ich habe die Zeit dort intensiv für die Feldforschung zu meiner Abschlussarbeit im Fach Geografie genutzt. Mein Thema lautet: „Lernen im Ausland: Planung einer geographiedidaktischen Großen Exkursion nach Sri Lanka“. Der Reiz des Auslandsaufenthaltes bestand für mich darin, die theoretische Planung direkt vor Ort zu überprüfen, geographische und soziokulturelle Besonderheiten live zu erleben und das Ganze praxisnah für die spätere Lehre aufzubereiten.
Wie weit bist Du mit der Planung dieser Exkursion gekommen?
Als zentrales Ergebnis der Recherche ist ein rundes Konzept für eine 14-tägige Exkursion entstanden, das zukünftigen Studierenden die starken Gegensätze des Landes aufzeigen soll. Beim Besuch von Puttalam, Nuwara Eliya und Weligama geht es zum Beispiel um Land- und Ressourcennutzung: Hier stehen Salzpfannen, Tee- und Zimtplantagen im direkten Kontrast zu ökologischem Anbau und man sieht einen Strukturwandel beim Vergleich von moderner, exportorientierter Garnelenzuchten und traditioneller Subsistenzfischerei. In Ratnapura werfen wir einen Blick auf den berühmten Edelsteinreichtum und tauchen in die Methoden der Förderung und Verarbeitung vor Ort ein. Kultur, Geschichte und Religion kommen durch Tempelbesichtigungen in Anuradhapura und die Analyse des kolonialen Erbes samt aktueller Gentrifizierung in der Küstenstadt Galle nicht zu kurz. Abgerundet wird das Ganze durch einen Besuch an der Universität Peradeniya bei Kandy, um den wissenschaftlichen Austausch mit lokalen Studierenden und Dozierenden anzukurbeln.
Wo hast Du gewohnt, Hannah?
Hannah: Ich war im International Dormitory untergebracht, einem Wohnheim für internationale Studierende. Dort leben Austauschstudierende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Studierende, die ihr gesamtes Studium an der UNNES absolvieren. Das Campusleben kennenzulernen war für mich mindestens so prägend, wie die Einblicke in das Studium. Der tägliche Austausch mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern eröffnete immer wieder neue Perspektiven und machte den Aufenthalt auch außerhalb der Universität zu einer bereichernden Erfahrung.
Und wie hast Du Deine Freizeit verbracht?
Der weitläufige Campus der UNNES bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Freizeit aktiv zu gestalten. Sportplätze für Tennis, Fußball oder Baseball sowie ein Schwimmbad befinden sich direkt auf dem Gelände. Besonders praktisch ist ein Shuttlebus, der Studierende über den Campus transportiert, was bei den hohen Temperaturen eine willkommene Erleichterung darstellt. Eine besondere Erfahrung war für mich außerdem die Teilnahme an einem Sportkurs mit traditionellen indonesischen Tänzen, durch den ich die Kultur des Landes auf eine ganz neue Weise kennenlernen durfte.
Sicherlich gab es auch einige herausfordernde Situationen?
Mathias: Der Weg zu diesem Konzept lief in der Tat nicht ganz ohne Stolpersteine. Schon der Start des Projekts war extrem nervenaufreibend: Wegen der zugespitzten geopolitischen Lage und des Kriegs im Nahen Osten geriet die Planung durcheinander, sodass ich den gesamten Aufenthalt sehr kurzfristig zunächst auf unbestimmte Zeit, letztendlich aber nur um eine Woche nach hinten verschieben musste. Als ich dann vor Ort war, stand ich vor der nächsten Hürde. Trotz der geringen Größe des Landes war es anfangs schwer, die geplanten Orte sinnvoll einzugrenzen und Kontakte zu knüpfen, die über das typische Touri-Programm hinausgehen und tiefere, wissenschaftliche Einblicke bieten. Und ganz ehrlich: Auch das tropische Klima mit der permanenten Hitze und Schwüle, kombiniert mit meinem schweren Gepäck, war an manchen Tagen eine echte Zerreißprobe.
Hannah: Ich fand anfangs vor allem die tropischen Temperaturen und die Umstellung auf eine völlig andere Esskultur gewöhnungsbedürftig. Obwohl ich die indonesische Küche schnell zu schätzen gelernt habe, brauchte ich etwas Zeit, um mich an die neuen Essgewohnheiten und an das Klima zu gewöhnen. Mit der Zeit wurde jedoch vieles selbstverständlich, sodass ich die Vielfalt des Landes immer mehr genießen konnte.
Was ist Euch besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben?
Hannah: Neben all den neuen Eindrücken werden mir vor allem die Menschen in Indonesien in Erinnerung bleiben. Ich habe selten so viel Offenheit und Herzlichkeit erlebt. Viele Menschen begegnen einem mit einem Lächeln, sind neugierig, interessieren sich für andere Kulturen und kommen schnell ins Gespräch. Diese Gastfreundschaft hat meinen Aufenthalt in besonderer Weise geprägt und dafür gesorgt, dass ich mich schon nach kurzer Zeit sehr willkommen gefühlt habe.
Mathias: Am Ende überwogen trotz einiger Hürden definitiv die positiven Erfahrungen. Der Alltag war eine komplette Umstellung. Die überwältigende Gastfreundschaft der Menschen hat auch mich positiv überrascht; sprachliche Barrieren waren nur selten ein Problem und man konnte einen echten, ungeschönten Einblick in verschiedenste Lebensrealitäten bekommen. Für mich als angehende Lehrkraft war diese Reise unglaublich wertvoll: Durch das Netzwerk, das ich mir aufgebaut habe, ist das Exkursionskonzept jetzt kein trockenes Papier mehr, sondern eine lebendige und einsatzbereite Möglichkeit für den internationalen Austausch im Studium.
Und was nimmst Du als Fazit mit, Hannah?
Hannah: Mit all diesen Erfahrungen im Gepäck bin ich fachlich und persönlich bereichert nach Deutschland zurückgekommen. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der Lehrkräfte, die ihren Beruf trotz oftmals anderer Rahmenbedingungen mit großer Leidenschaft ausüben. Die Freude am Unterrichten und die Motivation, ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern, waren in vielen Gesprächen und Unterrichtsbesuchen deutlich spürbar. Diese Begeisterung erinnert mich daran, wie wichtig nicht nur gute Voraussetzungen, sondern vor allem Hingabe, Offenheit und Freude am gemeinsamen Lernen sind. Genau diese Erfahrungen werden mich auf meinem weiteren Weg als angehende Lehrerin begleiten.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die PSE vergibt auch im Akademischen Jahr 2026/27 wieder DAAD-Stipendien über das GoTEd+ Projekt. Aktuelle Informationen dazu gibt es ab Oktober hier.
Kontakt
Maike Madera, Projektkoordination GoTEd+ an der Professional School of Education
T +49 931 31-83533, maike.madera@uni-wuerzburg.de
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