Montierte Realitäten: Authentizität, Archivarbeit und Narration im dokumentarischen Film
| Datum: | 20.10.2026, 14:15 - 26.01.2027, 15:45 Uhr |
| Kategorie: | Kulturen & deren Begegnung, Zusatzqualifikation Interkulturelle Kompetenz, B, D, Seminar |
| Ort: | Hubland Süd, Geb. Z3 (Mensa), 01.004 |
| Veranstalter: | Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft |
| Vortragende: | Luise Stark |
"Dokumentarfilm ist per se ein Umgang mit dem Vergangenen: Was die Kamera festhält, ist zum Zeitpunkt der Projektion bereits Geschichte. Ob es sich um historisches Archivmaterial, zeitgenössische Beobachtung oder digitale Re-Inszenierung handelt – das „dokumentarische Material“ bleibt formbar. Das Spektrum dokumentarischer Praxis ist dabei so breit wie disparat: Es reicht von Hitler-Dokus, die auf N24 in Dauerschleife laufen, bis hin zur Netflix-Doku über den Rapper Haftbefehl, der seine tragische Kindheit und seinen andauernden Drogenkonsum thematisiert. Dazwischen finden sich historische Reenactments, Naturfilme, Aufarbeitungen von Bankenkrisen, Alltagsbilder aus der DDR oder Reportagen über den letzten Imbisswagen in einem kleinen Dorf in Brandenburg.
Dabei beobachten wir eine neue Dynamik: Archivbestände werden als Content in digitalen Formaten (z. B. Reaction-Streams) rekontextualisiert, während Langzeitbeobachtungen wie die Spiegel-Serie zur „Familie Ritter“ über drei Jahrzehnte hinweg feststehende Stereotype und gesellschaftliche Diskurse verstetigen. Hybride Genres wie Doku-Soaps und Infotainment lassen die Grenzen zwischen inszenierter Realität und „reiner“ Unterhaltung weiter verschwimmen.
Im Zentrum dieses Seminars steht die Montage von Wirklichkeiten. Wir analysieren, wie Erzählmuster, Interviews und Archivmaterial durch den Schnitt erst ihre Glaubwürdigkeit und emotionale Wirkung entfalten – und vergleichen Dokumentarfilmkonzepte aus dem letzten Jahrhundert bis heute. Über die filmische Analyse hinaus betrachten wir die Plattformlogiken und Infrastrukturen, die entscheiden, welche „Dokumentarismen“ sichtbar werden und wie sie rezipiert werden. Die Studierenden erlernen eine kritische medienanthropologische Perspektive auf die Wechselwirkungen zwischen Technik, Narrativ und sozialer Praxis, die unsere heutige Vorstellung vom „Echten“ definieren."
Mehr Infos und Anmeldung über WueStudy.
Anrechenbar für GSiK für die Zusatzqualifikation "Interkulturelle Kompetenz" in den Bereichen B und D.
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