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Hoher Besuch an der Juristischen Fakultät Würzburg

08.01.2026

„Ohne mein Erasmussemester in Würzburg wäre ich heute nicht in Berlin“ - Piet Heirbaut, Belgischer Botschafter

Von Cathalina Rolfsmeyer und Alexa Stergiou, Stud. Hilfskräfte im Erasmusbüro von Prof. Dr. Anja Amend-Traut

Am Montag, den 10. November 2025 hatten wir die Ehre, den belgischen Botschafter auf seiner Durchreise von Berlin nach Baden-Württemberg in Würzburg begrüßen zu dürfen. Piet Heirbaut, der seit Dezember 2024 in dieser Funktion im Amt ist, verbrachte als Student der Rechtswissenschaften im akademischen Jahr 1993/94 sein Auslandssemester an der Juristischen Fakultät der Julius-Maximilians Universität Würzburg und freute sich nun riesig über die Gelegenheit, hierher zurückzukehren, sich auszutauschen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Nachdem Piet Heirbaut bereits mittags an der neuen Universität vom Universitätspräsidenten Prof. Dr. Paul Pauli in Empfang genommen worden war, traf er gemeinsam mit dem Botschaftsrat Karel van Hecke, der Prodekanin der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg, Prof. Dr. Stefanie Schmahl, sowie Michaela Thiel, der Alumni-Beauftragten der Universität, an der Juristischen Fakultät ein. Dort wurden sie von Prof. Dr. Anja Amend-Traut in ihrer Funktion als Erasmuskoordinatorin und stellvertretend für die Fakultät begrüßt. Da Heirbauts Erasmusaufenthalt bereits 32 Jahre zurück lag, nahmen wir dies zum Anlass, ihn durch die Fakultät zu führen und starteten mit der Besichtigung der prachtvollen Neubaukirche, bevor es in den neu restaurierten Max-Stern Keller sowie in die lehrstuhleigene Bibliothek ging.

Prof. Amend-Traut, die an unserer Fakultät den Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht innehat, wusste historisch einiges beizutragen. Auch wir, die nun schon einige Jahre hier studieren, konnten noch das ein oder andere dazu lernen, zum Beispiel, dass unsere Neubaukirche Bezug zu Belgien hat! Im Turm der Neubaukirche befindet sich das Carillon, ein konzertantes Glockenspiel, das im 17. Jahrhundert in Belgien und den Niederlanden entwickelt wurde. Die Glocken konnten damals erstmals so gestimmt werden, dass sie spielbar waren. Im Jahr 2005 wurde das Carillon mit insgesamt 51 Glocken in den Turm der Neubaukirche eingebaut. Nur an wenigen europäischen Universitäten findet sich ein Carillon. Die Universität Würzburg ist die einzige deutsche Universität, welche über ein solches verfügt, was wir einer Vielzahl von Spendern zu verdanken haben. Unser Carillon-Spieler hat sein Diplom an der Königlichen Carillonschule in Mechelen (Belgien) gemacht. Damit sind wir direkt mit der belgischen Carillon-Tradition verbunden.

Anschließend besichtigten wir den altehrwürdigen Max-Stern Keller und Piet Heirbaut war sehr beeindruckt von dessen Geschichte. Wo sich heute tagsüber Studierende aufhalten können, abends regelmäßig die Würzburger Kellergespräche stattfinden und bald unsere neue c.i.c.-Cafeteria eröffnet wird, befand sich früher der Weinkeller des jüdischen Weingroßhändlers Max Stern. Er trug maßgeblich dazu bei, dass der Frankenwein europaweit bekannt wurde. In den Kellergewölben lagerte er bis zu seiner Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahre 1938 eine Million Liter Wein in 500 Holzfässern. Erst vor einigen Jahren wurden dank eines Zufallsfundes und nach der von den Juristen-Alumni finanzierten Restaurierung die Glasbilder des „guten“ und „schlechten“ Ehemannes an den Wänden des Max-Stern-Kellers wieder installiert.

Der Abschluss stellte noch einmal ein Highlight dar: Im Fakultätssitzungszimmer ließen wir den Nachmittag gemütlich mit Kaffee, Kuchen und kalten Getränken ausklingen. Piet Heirbaut schwelgte in Erinnerungen und nahm uns gedanklich auf eine kleine Reise in die Vergangenheit mit. Nicht nur hat er Apfelsaftschorle für sich wiederentdeckt. Er erzählte uns auch Anekdoten seiner Freizeitgestaltung und gab uns einen kleinen Einblick in seinen damaligen Studentenalltag. Auch die Sanderstraße ist ihm in guter Erinnerung geblieben – ein Ort, der heute noch aufgrund seiner Gastronomie und Kneipen auch als „Kneipenmeile“ bezeichnet wird und zu Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften zur Fanmeile avanciert und zahlreiche Menschen zusammenbringt.

Doch nicht nur Heirbaut selbst, sondern auch dessen Begleiter, der Botschaftsrat Karel van Hecke, hatte im Rahmen seines Studiums die Möglichkeit mit dem Erasmusprogramm ein Semester im Ausland zu verbringen, lobte es in den höchsten Tönen und drückte seine Dankbarkeit aus, von Erasmus profitiert haben zu dürfen. Auch wir, die jeweils im Wintersemester 2023/24 für ein Semester an unseren Gastuniversitäten in Umeå und Thessaloniki studieren durften, teilen diese Euphorie und Dankbarkeit, wenn wir an unsere Zeit im Ausland zurückdenken. Erfahrungen, Erlebnisse und Freundschaften, von denen wir vor dem Besuch des Botschafters bereits überzeugt waren, dass sie einen großen Einfluss auf die eigene persönliche Entwicklung haben und von denen wir nun wissen, dass sich dieser Einfluss auch im Hinblick auf den beruflichen Werdegang positiv auswirken kann.

Piet Heirbaut ist sich sicher, dass es das Erasmus-Programm war, das ihm die Welt geöffnet hat. In Deutschland hatte er die Möglichkeit sein Deutsch, das er bereits in der Schule gelernt hatte, nicht nur anzuwenden, sondern auch zu perfektionieren sowie das Leben in Deutschland und die Kultur zu erleben. Er betonte: „Ohne Erasmus wäre ich heute nicht in Berlin“ und nicht in der Funktion, die er heute innehat. Sein Erasmussemester in Würzburg habe ihm so gut gefallen, dass er auch seinen Töchtern empfehlen würde, für ein Auslandssemester nach Würzburg zu kommen.

Zum Abschluss seines Besuchs überreichte Prof. Amend-Traut noch von den Juristen-Alumni bereitgestellte Geschenke mit Andenken an Würzburg: neben unserem Fakultätspullover und den passenden Socken zählte auch ein Bocksbeutel Silvaner unseres Universitätsweins dazu, auf dessen Etikett sich die Neubaukirche befindet. Mit dem Versprechen, den Juristen-Alumni beitreten zu wollen und der Hoffnung, bald wieder Würzburg besuchen zu können, verabschiedete sich die Delegation schließlich.

Der Besuch des Belgischen Botschafters war ein besonderer und hoffentlich nicht einmaliger Austausch, der uns beeindruckt hat und deutlich macht, welchen Einfluss internationale Kontakte und insbesondere das Erasmusprogramm haben kann. Uns als Mitarbeiterinnen des Erasmusbüros hat dabei besonders begeistert, dass wir im Gegensatz zu unserer alltäglichen Arbeit, in der wir die Planung und den Aufenthalt der Jurastudierenden im Ausland begleiten, nun erfahren konnten, wie stark auch noch nach 32 Jahren diese Erfahrung tatsächlich nachwirkt und wie sehr sie den weiteren Berufsweg beeinflussen kann.

Über diese individuelle Ebene hinaus leistet das studentische Austauschprogramm als langfristig verbindendes und grenzüberwindendes Projekt der Europäischen Länder einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Einigung Europas.

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