Lebendiger Campus – eine Initiative zur Erfassung und Förderung der Biodiversität am Hubland Campus


Wir haben die Initiative „Lebendiger Campus“ ins Leben gerufen, um die Vielfalt von Tieren und Pflanzen (inklusive Pilzen) am Campus systematisch zu erfassen, diese Vielfalt zu fördern und um zu bestimmen, welche Flächen am Campus dafür besonders wichtig sind.

UND DU kannst dabei mitmachen!

Wir brauchen motivierte Leute aller Fachrichtungen, die uns bei folgenden Dingen behilflich sein möchten: Erstellung der Webseite (TYPO3), Kartierung von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, Wissenschaftskommunikation und konkreten Aktionen am Campus.

Du kannst sogar Deine Bachelor- oder Masterarbeit im Projekt machen! Aber Freiwillige sind auch erwünscht!

Im Moment suchen wir dringend

  • Einen BSc- oder MSc-Studierenden der Biologie, der Interesse an Naturschutz, Öffentlichkeitsarbeit und Projektkoordination hat, und sich gerne im Rahmen einer HiWi Stelle (> 3 Monate) etwas dazuverdienen möchte.
  • Studierende aller Fachrichtungen, die uns bei der Erstellung von Schautafeln am Campus helfen möchten.
  • Studierende die uns beim Monitoring von Wildbienen und Laufkäfern helfen möchten.

Sehr gerne stellen wir Referenzschreiben für Eure Mithilfe aus.

Für Bewerbungen und falls Du mehr wissen möchtest, erreichst Du uns:

living_campus@lists.uni-wuerzburg.de


Unsere Projekte

Wir sind Studierende und WissenschaftlerInnen mehrerer Lehrstühle in der Biologie und der Philosophie sowie VertreterInnen des studentischen Referats Ökologie. In Partnerschaft mit der Universität wird die Initiative die bestehende Biodiversität systematisch erfassen sowie sich für eine nachhaltige (Neu-) Gestaltung der Grünlandbereiche am Campus Hubland einsetzen. Ziel ist es, den Campus so zu gestalten, dass die Bedürfnisse von seltenen Tier- und Pflanzenarten berücksichtigt werden.

Auf diese Weise möchten wir den Schutz der noch vorhandenen Reliktarten sowie der einzigartigen Biotope sicherstellen. Zudem sind Kommunikationsmaßnahmen geplant, um den Menschen, die am Campus arbeiten und studieren, die besondere Bedeutung der Lebensräume und ihrer Bewohner am Campus aufzuzeigen und die Maßnahmen zu erläutern, mit denen diese geschützt werden. Dabei möchten wir auch eine Brücke schlagen zur globalen Biodiversitätskrise, die trotz ihres dramatischen Ausmaßes noch kaum im Bewusstsein der allgemeinen Bevölkerung angekommen ist.

Für 2019 hat die Initiative folgende Projekte geplant:

Monitoring

Die systematische und wissenschaftlich fundierte Erfassung der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten (je nach Art entweder auf dem gesamten Campus, auf ausgewählten Flächen oder entlang von Transekten).

Ansprechpartner: Peter Biedermann

peter.biedermann@uni-wuerzburg.de

Aktion

Die Förderung der vorhandenen Diversität durch die Etablierung von 10 Kleinbiotopen. Dabei handelt es sich um Flächen mit etwa 10 m2 Größe, die über den Campus verteilt sind, nur einmal im Jahr gemäht werden und mit verschiedenen Strukturelementen (z.B. Nisthilfen für Insekten, freie Erdfläche, Steinhaufen und Totholz) angereichert werden.

Ansprechpartner: Sara Leonhardt

sara.leonhardt@uni-wuerzburg.de

Öffentlichkeitsarbeit und „Citizen Science“

Anbringung von Informationstafeln an den Kleinbiotopen oder bei besonderen Biotoptypen, die am Campus arbeitende und studierende Menschen auf den Wert von Biodiversität, die gegenwärtige Biodiversitätskrise und Maßnahmen am Hubland Campus aufklären sollen. Außerdem soll die Öffentlichkeit dazu angeregt werden, selbst Tiere und Pflanzen am Campus zu beobachten und uns zu melden.

Ansprechpartner: Fabrice Requier

fabrice.requier@uni-wuerzburg.de


Hintergrund

Viele Tier- und Pflanzenarten finden in urbanen Räumen geeignete Lebensbedingungen, v.a. wenn diese einen größeren Anteil an Grünflächen aufweisen (Gaston et al., 2005a; Gaston et al., 2005b; Paker et al., 2014). Die Vielfalt an Vögeln, Säugetieren und Insekten kann sogar die der umgebenden Landschaft übersteigen, v.a. wenn letztere agrarisch intensiv genutzt wird (Ahrne et al., 2009). Dadurch gewinnen natürlich gestaltete Stadtteile zunehmend an Bedeutung als Rückzugsräume und für den Schutz vieler Tier- und Pflanzenarten, welche mit fortschreitendem Klimawandel noch zunimmt.

Aktuell ist die Gestaltung der Städte jedoch nicht darauf ausgerichtet, systematisch das Vorkommen von Tieren zu ermöglichen. Ganz im Gegenteil führt der „Bauboom“ zu immer weniger ungenutzten Flächen. Um Tieren und Pflanzen in der Stadt einen Rückzugsraum und ein Überleben zu gewähren, wird es zukünftig nicht mehr ausreichen, nur darauf zu hoffen, dass diese in Grünanlagen vorkommen, welche ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse dieser Tiere geplant wurden und betrieben werden. Ziel einer neuen Gestaltungsidee, des „Animal-Aided Design“, ist es daher, die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen, welche aktuell im Stadtgebiet vorkommen, in die Gestaltungen von Grünanlagen miteinzubeziehen (Weisser and Hauck, 2017).

Diversität am Hubland Campus

Mitte der 1960er Jahre übernahm der Freistaat Bayern etwa 111 Hektar extensiv genutztes Agrarland mit größeren Streuobstflächen am Hubland und stellte es der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zum Bau des sogenannten „Hubland Campus“ zur Verfügung. Obwohl diese Flächen ab dem Jahr 1965 immer stärker bebaut wurde, hat sich zum Teil noch eine Vegetation und Tierwelt erhalten, die heute aus dem umliegenden Agrarland verschwunden ist. Durch die hohe Strukturvielfalt mit großen Magerwiesen, welche locker mit unterschiedlichen Baumarten bepflanzt sind, alten Streuobstbeständen und stellenweise dichten Hecken, stellt der Hubland Campus auch im Jahr 2018 noch ein wertvolles Biotop dar. So beherbergt der Campus eine der größten Saatkrähen Kolonien Bayerns, eine Feldhasen Population, einzelne Brutpaare von Nachtigall, Dorngrasmücke, Sumpfrohrsänger und Gartenrotschwanz, sowie Zauneidechsen und Schlingnattern (eigene Beobachtung, pers. Mitt. D. Mahsberg). Brutverdacht besteht auch bei stark gefährdeten Vogelarten, wie dem Wiedehopf und dem Wendehals (pers. Mitt. D. Mahsberg). Darüber wurden Vertreter mehrerer seltener Falterarten (Glaucopsyche alexis, Iphiclides podalirius und Satyrium acaciae, pers. Mitt. R. Hock), ein sehr seltener Mondflecklaufkäfer, eine seltene Sklavenhalterameisenart (Polyergus rufescens), der Europäische Bienenwolf und verschiedene Wildbienenarten gefunden.