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Graduiertenprogramm RNAmed

Zwei RNAmed-Gruppenleiter erhalten ERC Starting Grants

07.09.2026

Karl Petri und Julian Grünewald entwickeln neue Wege, Zellen im Körper gezielt umzuprogrammieren – mit möglichen Perspektiven für Krebs- und Herzerkrankungen

Prof. Dr. Julian Grünewald (Technische Universität München) links, Dr. med. Karl Petri (Universitätsklinikum Würzburg) rechts (Bild: AI generated)

Zwei assoziierte Gruppenleiter des Graduiertenprogramms RNAmed werden mit dem prestigeträchtigen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet: Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg und Prof. Dr. Julian Grünewald von der Technischen Universität München. Beide Projekte verbinden innovative Ansätze der Gen- und Zelltherapie mit neuen Methoden, Wirkstoffe direkt in bestimmte Zellen des Körpers zu bringen.

Der European Research Council (ERC) vergibt die äußerst kompetitiven Starting Grants an Forschende am Beginn ihrer unabhängigen wissenschaftlichen Laufbahn. Die Förderung unterstützt besonders überzeugende und ambitionierte Forschungsvorhaben und gibt den Forschenden die Möglichkeit, eigene Ideen und Teams aufzubauen. Ein Starting Grant ist nicht nur eine wichtige finanzielle Unterstützung – er ist auch eine bedeutende Anerkennung der wissenschaftlichen Qualität und des Potenzials eines Projekts. Die Förderung beträgt bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre.

Karl Petri: CAR-T-Zellen direkt im Körper herstellen

T-Zellen sind wichtige Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems. Bei einer CAR-T-Zelltherapie erhalten sie eine genetische Bauanleitung für einen künstlichen Rezeptor – den chimären Antigenrezeptor (CAR). Mit dieser Anleitung können die T-Zellen bestimmte Krebszellen erkennen und eliminieren. Derzeit werden T-Zellen aus dem Blut der Patienten und Patientinnen entnommen, genetisch im Labor verändert und anschließend als CAR-T-Zellen zurück in den Körper übertragen. Die Herstellung ist aufwendig, teuer und nicht immer erfolgreich.

Karl Petri möchte diesen Prozess künftig vereinfachen, indem CAR-T-Zellen direkt im Körper entstehen. Dafür untersucht sein Team winzige Fettpartikel – sogenannte Lipid-Nanopartikel – als Transportmittel für genetische Werkzeuge. Diese auf Lipid-Nanopartikeln basierende in-vivo-CAR-T-Zelltherapie soll gezielt T-Zellen ansteuern und andere Körperzelltypen verschonen. In den T-Zellen angekommen, sollen die Werkzeuge die CAR-Bauanleitung an einer vorab definierten Stelle im Erbgut effizient, dauerhaft und sicher verankern. Besonders der Sicherheitsaspekt steht im Fokus: Das Team überprüft jeden Schritt mit eigenentwickelten Analyseverfahren und untersucht sorgfältig die Verteilung der Nanopartikel im Körper sowie die Integrationsorte im Erbgut. Das Projekt verbindet somit Grundlagen- und Sicherheitsforschung.

Mit der ERC-Förderung erweitert Petri seine Arbeitsgruppe ab Anfang 2027 um zwei Doktorandinnen und/oder Doktoranden sowie einen Postdoc.

Julian Grünewald: Geneditierung für viele statt nur für einzelne Mutationen

2025 wurde weltweit erstmals eine maßgeschneiderte CRISPR-Therapie bei einem Patienten angewendet, um einen lebensbedrohlichen Gendefekt der Leber zu behandeln. Dieser Fall zeigt das Potenzial, offenbart aber auch die aktuelle Limitation: Gentherapien sind derzeit noch stark personalisiert, da hunderte verschiedener Mutationen in einem Gen zum gleichen Krankheitsbild führen können. Das bedeutet, dass jeder Erkrankte eine andere Mutation haben kann. Jede Mutation erfordert theoretisch ein spezifisches Bearbeitungswerkzeug – eine standardisierte Therapie ist daher bislang nicht möglich.

Julian Grünewald beschäftigt sich mit genetischen Erkrankungen des Herzmuskels. Eine zentrale Herausforderung der Geneditierung am Herzen besteht darin, die molekularen Werkzeuge gezielt in Herzmuskelzellen zu transportieren, ohne andere Organe zu beeinträchtigen. Gleichzeitig sollten die Werkzeuge in der Herzmuskelzelle nicht nur eine einzelne, sondern mehrere Mutationsvarianten korrigieren können. Mit seinem Projekt ONE2MANY adressiert Grünewald beide Herausforderungen: Sein Team will Geneditierung skalierbarer machen. Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, neue Werkzeuge zu entwickeln, die mehrere krankheitsauslösende Varianten eines Gens mit einem Ansatz korrigieren oder das betroffene Gen vollständig ersetzen können. Zunächst konzentriert sich das Team auf das Gen LMNA, dessen Veränderungen bestimmte erbliche Herzmuskelerkrankungen verursachen. Für den gezielten Transport der Werkzeuge ins Herz entwickelt das Team ebenfalls Ansätze auf Basis von Lipid-Nanopartikeln. So wollen sie zentrale Hürden auf dem Weg zu breit anwendbaren Gentherapien überwinden.

Auch eine Bereicherung für RNAmed

Beide Projekte verbinden RNA-Forschung, Genomeditierung und translationale Forschung – den Weg von wissenschaftlichen Erkenntnissen hin zu möglichen medizinischen Anwendungen. Die ERC-Förderungen geben den beiden Forschenden den notwendigen Spielraum, diese anspruchsvollen Ideen systematisch zu verfolgen.

Für die Promovierenden von RNAmed ergibt sich daraus eine besondere Gelegenheit zum Austausch: Petri und Grünewald können Einblicke in ihre Forschung gewähren, ihre Erfahrungen bei der Entwicklung und Beantragung großer Projekte teilen und unterschiedliche Karrierewege in der Wissenschaft aufzeigen.

 

Weiterführende Informationen: Universitätsklinikum Würzburg: CAR-T-Zellen direkt im Körper herstellen und Zehn ERC Starting Grants für Forschende der TUM - TUM School of Natural Sciences

- Christian Fröschel, RNAmed Programmkoordinator