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Universitäts-Archiv

Jubiläen repräsentieren Geschichtsbewusstsein

Was zunächst in einem kleinen Kreis ausgewählter Gäste als Honoratiorenveranstaltung begann, mit Ehrengottesdienst, Festvorträgen und Promotionen, wurde alsbald zu einem großen Repräsentationsakt der Universität mit Vorführungen der neuesten naturwissenschaftlichen Errungenschaften und gipfelte schließlich in einer breit angelegten Imagepflege für die Universität als Bildungsinstitution mit großen Besuchermassen und Volksfestcharakter. Die letzte Säkularfeier zu Ehren Julius Echters fand gar über ein ganzes Jahr mit kleineren Veranstaltungen und einem größeren Festakt im Mai statt. Die Universität strebte nun mit aller Kraft nach einer Vergrößerung der Nähe zwischen Würzburger Bürgerschaft und Universität, man wollte sich öffnen und der Öffentlichkeit eine zugängliche und aufgeschlossene Universität präsentieren. Dabei verlor man jedoch mehr und mehr den Anschluss an die Studierendenschaft, so dass sich diese gerade vor dem Hintergrund der Konflikte in den 68ern und der großen Hochschulreform der siebziger Jahre zunehmend übergangen und unterrepräsentiert fühlten, was nicht selten einerseits zu Unmut, andererseits aber auch zu Desinteresse seitens der Studenten führte. Nur noch wenige Studenten kennen heute die Umstände der Universitätsgründungen oder deren geschichtliche Hintergründe, der Geist der Massenbildung und Entpersonalisierung hat seine Spuren hinterlassen.

1682: Die höchsten Schichten der Gesitlichkeit und Bürgertums gedenken an Julius Echter

Bereits die erste Säkularfeier wurde mit erheblichem Aufwand betrieben. Trotz erschwerter Umstände durch verbliebene Schäden der Schwedeneinfälle und des Dreißigjährigen Krieges beging man unter Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach in neuntägigen Feierlichkeiten die Ehrung des Stifters. Wie bei der Gründungsfeier beschränkte sich der Kreis geladener Gäste auf die höheren und höchsten Schichten der Geistlichkeit und des Bürgertums, neben Adeligen und Gelehrten, die gemeinsam Vorträgen und Disputationen lauschten, den Ehrungen und Gottesdiensten beiwohnten und bei geselligen Festessen des Gründers gedachten. Zum Anfang wie zum Abschluss der Säkularfeierlichkeiten donnerten die Geschütze von der Festung auf dem Marienberg herab und bildeten den Rahmen der Veranstaltungen.

Medaille der ersten Säkularfeier (Alma Julia. Illustrierte Chronik ihrer dritten dritten Säkularfeier)
Medaille der ersten Säkularfeier (Alma Julia. Illustrierte Chronik ihrer dritten dritten Säkularfeier)
Medaille der zweiten Säkularfeier 1782. (Alma Julia. Illustrierte Chronik ihrer dritten Säkularfeier)
Medaille der zweiten Säkularfeier 1782. (Alma Julia. Illustrierte Chronik ihrer dritten Säkularfeier)

1782: Gedenken mit Vertretern protestantischer Hochschulen

Senatsprotokoll über die Notwendigkeit einer Säkularfeier, 1781, Papier im Folio-Format (UAWü, ARS 241)
Senatsprotokoll über die Notwendigkeit einer Säkularfeier, 1781, Papier im Folio-Format (UAWü, ARS 241)

Ein Jahrhundert später durften die Geschütze auf der Festung erneut mit lautem Donnerschlag die Ankunft der Gäste begrüßen, denn selbst der sonst sehr sparsame Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal entschloss sich zu einer mehr als würdigen Ehrung des Gründervaters. Erstmals waren auch Vertreter protestantischer Universitäten geladen und die Feierlichkeiten umfassten nicht nur Festreden und Disputationen der theologischen und philosophischen Fakultäten, sondern man präsentierte auch voller Stolz die naturwissenschaftlichen Errungenschaften in Form von Vorführungen und öffentlichen physikalischen Experimenten. Hofrat Professor Karl Kaspar Siebold veranstaltete höchstpersönlich Führungen durch das Juliusspital mit den Sammlungen neuster technischer Gerätschaften.

Das Festessen im Kaisersaal der Residenz, bei welchem 23 verschiedene Sorten fränkischen Weines gereicht wurden, blieb den 92 ausgewählten Gästen sicherlich noch lange in Erinnerung. Neben geistigen und kulinarischen Genüssen, wie zum Beispiel einer historischen Weinprobe mit Weinen aus den Jahren 1540 bis 1775 auf der Feste Marienberg, wurde das Programm nun auch um Besichtigungstouren und allerhand Darbietungen künstlerischer Art erweitert. Man veranstaltete nicht nur einen Festumzug mit studentischer Beteiligung, sondern auch einen großen Ball zum krönenden Abschluss. Reich beschenkt mit fränkischem Wein sowie goldenen und silbernen Jubiläumsmünzen entließ man die zufriedenen Gäste unter dem Donnerschlag der Festungsgeschütze.

1882: Eine Stadt im Ausnahmezustand

Festakt im Weißen Saal, 1882. (F. Stuck, München)
Festakt im Weißen Saal, 1882. (F. Stuck, München)

Das wohl prächtigste Jubelfest wurde zum dreihundertjährigen Gedenken ausgerichtet; schon sechs Jahre im Voraus begann man eifrig mit der Planung. Eine fast zweihundert Seiten starke, von Franz von Stuck illustrierte Chronik erinnert an die ausschweifenden Feierlichkeiten zu Ehren des Stifters, eine zweibändige Universitätsgeschichte würdigt  die Vergangenheit der Hochschule. Die Spendengelder flossen zu allseitiger Erleichterung reichlich, so dass diesmal neben akademischen Veranstaltungen und Gottesdiensten etliche festliche Zusammenkünfte mit kulinarischen Hochgenüssen, Tanz und Musik, Festreden, Ehrungen, Theatervorführungen und Geselligkeit stattfanden.

Trotz häufiger Regengüsse im sommerlichen Würzburg befand sich die Stadt im Ausnahmezustand und bis zu 6000 Gäste genossen die volksfestähnlichen Veranstaltungen in der Ludwigshalle und auf dem neuen Grundstück Henry Böttingers, des Besitzers des vormaligen königlichen Hofbrauhauses, in der Höchberger Straße, während dessen aus „acht oder mehr Quellen das kellerfrische Labsal allen Durstigen“ fließen sollte. 300 Ehrengäste und Deputierte labten sich an einem vierstündigen Festbankett, wobei an jedem Gedeck zehn Gläser in unterschiedlichen Formen und Einfärbungen standen, für jeden der ausgewählten Weine ein anderes. Ein historischer Festumzug mit prächtigen Wägen, phantasievollen Kostümen nach historischen Vorlagen und etlichen Musikkapellen umfasste nicht nur repräsentative Abordnungen der Universität, sondern stellte auch sämtliche Gewerbe der Stadt Würzburg mit liebevoll geschmückten Umzugswägen vor.

Nicht nur Studierende und Gelehrte, sondern die ganze Stadt feierten ihre Hochschule. Am letzten Abend setzte sich zu guter Letzt ein Fackelzug, begleitet von fünf Musikkapellen, durch die Würzburger Innenstadt in Bewegung; er wurde von der gesamten Studentenschaft zu Dank und Ehren ihres hochverdienten Rektors, Herrn Professor Johannes Wislicenus veranstaltet.

1932: Novum der Halbjahrhundertfeier

Inspiriert durch das Vorbild anderer Hochschulen entschied man sich 1932 erstmals für eine Halbjahrhundertfeier der Universität Würzburg. Diese stand jedoch unter dem Eindruck der erst kürzlich überstandenen Wirtschaftskrise und konnte daher längst nicht so prächtig ausfallen. Private Spenden flossen spärlich, staatliche blieben sogar ganz aus, doch mit vereinten Kräften stellte man eine Jubiläumsfeier mit Gottesdiensten, akademischen Feierlichkeiten, einem Konzert unter Mitwirkung des Staats-Konservatoriums und der studentischen Festaufführung von „Wallensteins Lager“ auf die Beine.

Ein bronzenes Standbild des Würzburger Künstlers Friedrich Heuler mit dem sinnigen Leitspruch „Herr, gib uns Mut und Kraft zu Einigkeit und Freiheit“ konnte in der Vorhalle der Neuen Universität enthüllt und eine fast 800 Seiten starke Festschrift präsentiert werden. Insgesamt gelang es doch, den Gästen eine recht abwechslungsreiche Unterhaltung mit Führungen, Weinproben und einem heiteren Festkommers der Studierendenschaft in der Ludwigshalle zu bieten. Gab es zwar kein Festbankett, so veranstaltete man doch ein krönendes Bootsfest am Main, um den Feierlichkeiten einen würdigen Abschluss zu geben. Prägend für dieses Jubiläum dürfte wohl in erster Linie der geschichtliche Rahmen und die damit verbundenen Einschränkungen gewesen sein; am Ende des Festberichts wünscht der Verfasser:

„Möge das nächste große Gedenken, die Vierhundertjahrfeier der Alma Julia, ein glücklicheres Geschlecht sehen, das sorgloser Feste feiern kann in einem neuerblühten und erstarkten Vaterland, möge es aber auch feststellen können, dass wir trotz allem, was unsere Tage bedrückt und belastet, nach besten Kräften bemüht waren, den Ruhm und den Glanz der Julius-Maximilians-Universität zu erhalten und zu mehren“.

1982: Feierlichkeiten unter dem Eindruck des studentischen Protests

Wie es der Verfasser des Festberichts zur 350-Jahrfeier gewünscht hatte, stand die Vierhundertjahrfeier tatsächlich unter einem gänzlich anderen Stern als das vorangegangene Jubelfest. Trotz allem kann der Rahmen nicht als unproblematisch bezeichnet werden. Die Studierendenschaft stand unter dem Eindruck der 68er Bewegung und die Politisierung hielt an. Nach wie vor fühlten sich die Studierenden nicht angemessen repräsentiert und eingebunden; so auch bei diesem Jubiläum, das sich anders als die Vorangegangenen mit einem riesigen Programm wissenschaftlicher Veranstaltungen über das ganze Jahr erstreckte. Die eigentlichen Feierlichkeiten zum Gedenken an den Gründervater beschränkten sich auf wenige offizielle Festakte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die nicht in Verbindungen organisierten Studierenden waren  bis auf wenige Repräsentanten von der Teilnahme ausgeschlossen. Zur Unterhaltung des Publikums und der geladenen Gäste dienten Konzerte, Theateraufführungen, mehrere Ausstellungen in ganz Würzburg und ein mehrtägiges Bürgerfest. Im Kern dieses Jubiläumsfestes ging es jedoch um eine Positionierung des Standortes Würzburg, um wissenschaftlichen Austausch und um die Gelegenheit, die Universität einem breitgefächerten Publikum als Wissens- und Bildungsanstalt zu präsentieren. Man hoffte auf den Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft und erklärte eine Öffnung der Universität – auch gegenüber der Würzburger Bürgerschaft – zum erwünschten Ziel. Natürlich sollte neben einer breitgefächerten Präsentation des Universitätsbetriebs durch zahllose Veranstaltungen, wie Vorlesungen, Tagungen und Symposien, auch dessen Gründer in angemessenem Rahmen gewürdigt werden. Dazu diente eine besondere Feierstunde zum 365sten Todestag Julius Echters am 13. September, die von Domkapitel und weltlichen Würdenträgern in der nun endlich vollständig aus Ruinen wieder auferstandenen Neubaukirche abgehalten wurde. In einer im Auftrag der Universität von Julian Walter geschaffenen Stele setzte der Würzburger Diözesanbischof Paul-Werner Scheel das nach der Bombennacht 1945 aus den Trümmern geborgene Herz des Stifters in der Universitätskirche bei, und entsprach so dem Wunsch Echters, sein Herz entgegen der Tradition in die Obhut der Hochschule zu geben.

2002: Erstmals Gedenken an Universitätsgründung von 1402

Ähnlich auf Außenwirkung bedacht war auch die 600-Jahrfeier, die erstmals in größerem Rahmen des Erstgründers gedachte. Neben regelmäßig stattfindenden Universitätsmessen, wie etwa die JUMAX, sollte auch die Säkularfeier dazu dienen, den Studienort Würzburg stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses zu rücken. Ein eigens für die 600-Jahrfeier produzierter Film gab Aufschluss über die wichtigsten Etappen der Universitätsgeschichte, deren berühmteste Vertreter, und Einblicke in den aktuellen Stand der Forschung, Lehre und Dienstleistungen. Mit rund 17.000 Studierenden zählte die Universität nach wie vor zu den mittelgroßen Universitäten Deutschlands und die Einführung der neuen Studienabschlüsse sollte nicht nur mehr Möglichkeiten bieten, sondern auch die willkommene Verkürzung der Studienzeit ermöglichen. Ein Jubiläumsjahr gab somit die Gelegenheit, den weltweiten „Markt“ der Studienanfänger weiter zu erschließen, die Außendarstellung auszubauen und die Schulabgänger zu umwerben. Den exzellenten Ruf der Würzburger Universität im In- und Ausland galt es zu wahren, ihren Rang zu festigen und zu erweitern. Das als „Jahr der Wissenschaft“ deklarierte Jubiläumsereignis umfasste ein weitgreifendes und äußerst reichhaltiges Programm. Würzburg feierte als „Adresse mit Zukunft“ unter dem Motto „Geistiger Aufbruch im Mittelalter“ den Initiator der Hochschullehre in Würzburg mit über hundert Veranstaltungen und vielen wissenschaftlichen und kulturellen Höhepunkten. Die akademischen Festakte für die Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zur Ehrung des Stifters spielten nur noch eine untergeordnete Rolle.

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