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Universitäts-Archiv

Gründungen, Reformen und Umbrüche

Die Umstände der ersten Universitätsgründung in Würzburg sind äußerst bemerkenswert. Würzburg befand sich durch die Schlacht zwischen Bürgern und den Soldaten des Fürstbischofs bei Bergtheim am 11. Januar 1400 in einer wirtschaftlich prekären Lage. Dennoch versuchte Fürstbischof Johann von Egloffstein, das Domkapitel für die Gründung einer Hochschule zu gewinnen. Eine Bewertung der Hochschulgründung aus rein wirtschaftlicher Sicht ist bei Weitem nicht ausreichend. Als einer der ersten Fürstbischöfe hatte Egloffstein selbst eine universitäre Bildung genossen und trug diese Errungenschaften und seinen Erfahrungsschatz nun in die Stadt Würzburg, um als erster geistlicher Landesherr die erste Universität im heutigen Bayern zu gründen. Auf diesen Pioniergeist konnte der Zweitgründer, Julius Echter von Mespelbrunn, zurückgreifen und aus den Unzulänglichkeiten der Erstgründung lernen. Nach umfassenden Planungen, genauesten Überlegungen und vielen Auseinandersetzungen legte er den Grundstein für eine lange Blütezeit der Alma Julia.

Der Hof zum Katzenwicker befand sich in der heutigen Maxstraße. (Mainfränkisches Museum)
Der Hof zum Katzenwicker befand sich in der heutigen Maxstraße.(Mainfränkisches Museum)

1402: Die Erstgründung der Universität durch Johann von Egloffstein

Schon seit etlichen Jahren litt das Hochstift Würzburg nicht nur unter einer chronischen Verschuldung, sondern auch unter erheblichen Spannungen zwischen den nach dem Status einer freien Reichsstadt für Würzburg strebenden Bürgern und den Machtansprüchen des Würzburger Fürstbischofs. Dieser konnte sich letztendlich durchsetzen. Nach seiner Weihe zum Bischof 1401 hatte Johann von Egloffstein deshalb nicht nur mit finanziellen Engpässen zu kämpfen, sondern auch mit den widerspenstigen Domherren, die gegen jede Steuererhebung aufbegehrten und gegen das missgünstige Bürgertum, das nach wie vor auf eine Befreiung der Stadt Würzburg hoffte.

Obwohl sowohl König Ruprecht von Wittelsbach, als auch der Papst hinter ihm standen, hatte er somit erhebliche Widerstände zu überwinden. Trotzdem gründete der Fürstbischof bereits 1402 eine Hochschule in Würzburg. Er erwarb mit dem Hof zum Katzenwicker und dem Großen Löwenhof die entsprechenden Räumlichkeiten und am 10. Dezember 1402 stellte Papst Bonifaz IX. das Gründungsprivileg aus. Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel und des Desinteresses von Stadt und Hochstift sollte der neuen Bildungsstätte jedoch kein Glück beschieden sein. Nach dem Tod des Gründers und einzigen Förderers 1411 dauerte es nicht lange, bis die Verwahrlosung in einen allmählichen Verfall überging. Der Abt des Würzburger Schottenklosters Johannes Trithemius fasste seine Eindrücke zum Niedergang der Universität in folgende Verse:  Balnea, census, amor, lis, alea, crapula, clamor, Impediunt multum Herbipoli studium, was etwa so viel bedeutet wie „Badespaß. Geld und Liebe, Würfelspiel, Suff und Geplärr, setzten gar bald ein Ende, Würzburgs hoher Schul.“ Trotzdem kann man nicht umhin, dieser ersten Gründung große Bedeutung beizumessen, da dies nicht nur die erste Hochschule in Bayern war, sondern auch die erste, die von einem geistlichen Landesherren gegründet wurde. Ihr verdankte Würzburg durch den Zustrom hochrangiger Professoren und zahlender Studenten eine kurze Blütezeit, die beweisen konnte, dass Würzburg als Studienort bestens geeignet war.

1582: Die Wiederbegründung der Universität unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn.

Julius Echter von Mespelbrunn – 1573 zum Fürstbischof gewählt – gründete 1582 nach vielen Kämpfen gegen das Domkapitel und die jesuitische Vormachtstellung im Bildungssektor die Universität Würzburg neu. Unerbittlich setze der umfassend theologisch, humanistisch und juristisch gebildete Fürstbischof seinen Willen gegen das Domkapitel und den evangelischen Adel durch, um seine landesherrliche Vorrangstellung auch in der Hochschulpolitik zu betonen und zu festigen. Die Domherren hielten ihm vor, er wolle „alles nach irer fürstl. gnaden kopf machen“, doch der Fürstbischof drohte, seine Ziele notfalls auch mit Hilfe päpstlicher und kaiserlicher Unterstützung durchführen zu wollen.

Am 11. Mai 1575 erhielt Würzburg das Privileg der kaiserlichen Kanzlei und am 28. März 1576 erging an Echter auch das Privileg von Papst Gregor XIII., welcher der neuen Hochschule nach den Vorbildern der Hochschulen in Bologna und Paris alle Rechte einer „universitas studii generalis“ verlieh. Der Papst bezog sich dabei explizit auf die erste Universitätsgründung unter Johann I. von Egloffstein, wobei er allerdings, im Gegensatz zu dem damals erfolgten Privileg, von allen Professoren und Promovenden den Eid auf das Tridentinische Glaubensbekenntnis forderte. Die Universität verstand sich als „academia catholica“, als konfessionell geprägte Hochschule mit vier Fakultäten für Philosophie, katholische Theologie, Jura und Medizin. Um Stabilität und eine sichere Zukunft zu gewährleisten, hatte der Fürstbischof seine Universität mit weitreichenden Besitztümern und Ländereien ausgestattet. Dank dieser zuverlässigen finanziellen Basis waren lange Zeit weder einschneidende Veränderungen, noch Maßnahmen zur Neuorganisation nötig. Die Universität konnte sich positiv entwickeln und zu erster Blüte gelangen.

Nach dem Tode Julius Echters 1617 wurde sein Herz als eine besondere Auszeichnung der Universität in der Universitätskirche beigesetzt, wo es auch, nach einigen Unterbrechungen durch Kriegswirren und den Wiederaufbau des 20. Jahrhunderts, bis heute ruht.

Abschrift des Kaiserlichen Privilegs vom 11. Mai 1575 zur Wiederbegründung der Universität Würzburg. (StAW)
Abschrift des Kaiserlichen Privilegs vom 11. Mai 1575 zur Wiederbegründung der Universität Würzburg. (StAW)

1802-14: Reformen unter Maximilian I. Joseph von Bayern

Mit der Zugehörigkeit zu Bayern erfuhr die Würzburger Universität erstmals seit ihrer Gründung umfassende und tiefgreifende Reformen (erste bayerische Reform), die beinahe einer Neugründung gleichkamen. Bislang betrafen Änderungen der Studienordnung hauptsächlich den laufenden Lehrbetrieb, wie etwa die Einführung der deutschen Sprache als Unterrichtssprache in den Mathematikvorlesungen durch Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn 1731, oder die Öffnung der Universität für Studierende nichtkatholischer Konfessionen.

Max I. Joseph, Moritz Kellerhoven, Öl auf Leinwand, 1806. in: Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat. Hubert Glaser (Hg.), München 1980, S. 193.
Max I. Joseph, Moritz Kellerhoven, Öl auf Leinwand, 1806. in: Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat. Hubert Glaser (Hg.), München 1980, S. 193.

Im Zuge der Säkularisation wurde nun das Prinzip der Katholizität aufgehoben und ein staatlicher Kurator übernahm an Rektors Stelle statt die Leitung der Universität. Damit war die Existenz der Alma Julio-Fridericana als katholische Hochschule und hochstiftische Universität beendet. Auch bemühte man sich um eine Modernisierung des Lehrkörpers, die jedoch bei Weitem die finanziellen Möglichkeiten des Universitätshaushaltes überstieg. Die mutige Umstrukturierung des Lehrangebots verlieh der Hochschule ein gänzlich neues Gesicht. Das Ziel war, mit den berühmten norddeutschen Universitäten in Kontakt und Konkurrenz zu treten und diese zu überflügeln; dadurch sah sich der bayerische Landesherr durchaus als „zweyter Stifter“ der Julio-Maximilianea.

Nach einer ersten Scheinblüte blieben jedoch die Studenten aus. Viele Professoren wanderten ab und man musste feststellen, dass sich das neue Lehrpersonal nicht problemlos integrieren ließ. Durch die Eingliederung in das Großherzogtum Toskana im Februar 1806 und den Beitritt zum Rheinbund im September desselben Jahres erhoffte man sich zwar neue Selbständigkeit entgegen der autoritären bayerischen Politik während der vergangenen Jahre unter weiß-blauer Königsherrschaft, musste jedoch ernüchtert neuen finanziellen und militärischen Verpflichtungen gegenüber Frankreich entgegentreten, wodurch die wiedergewonnene Selbständigkeit ihres Reizes beraubt wurde. Die Organisationsakte der großherzoglichen Regierung für die Universität Würzburg vom 7. September 1809 machte alle Hoffnungen auf den Wiedergewinn verlorener Rechte zunichte. Es folgte eine umfassende Rekatholisierung und eine endgültige Entrechtung der Universität und ihrer Organe. Der Lehrkörper wurde ausgedünnt und das Lehrangebot deutlich vermindert. Der Niedergang der einst blühenden Universität schlug sich auch in den schwindenden Studentenzahlen nieder.

Als Minister Montgelas 1814 Franken bereiste, stellte er fest, dass die einst gerühmte Würzburger Hochschule in der Tat „sehr herabgekommen" war. Mit etwas abgeschwächtem Eifer, der stärker an den finanziellen Möglichkeiten orientiert war, wurden die bayerischen Reformen wiederhergestellt. Zu neuem Glanz gelangte die Universität jedoch erst wieder, nachdem auch die staatliche Bevormundung beseitigt worden war.

Rektor Reinmöller, mit Rektorkette und Uniform eines SA-Standartenführers, auf der Treppe zur Neuen Universität bei der Schließung der katholischen Fakultät 1935. (Diözesanarchiv Würzburg)
Rektor Reinmöller, mit Rektorkette und Uniform eines SA-Standartenführers, auf der Treppe zur Neuen Universität bei der Schließung der katholischen Fakultät 1935. (Diözesanarchiv Würzburg)

1933-45 Die Universität Würzburg im Dritten Reich

Im Dritten Reich verlor die Universität erstmals nicht nur alle Rechte auf Selbstbestimmung und Verwaltung, sondern auch ihre Würde und ihre akademische Freiheit. Durch die Wiedereinführung des Berufsbeamtentums im April 1933 und das Gesetz „über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlass des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesens" vom Januar 1935 konnte die Führungsebene flächendeckend mit systemkonformen Parteimitgliedern besetzt und politisch unbequeme Dozenten eliminiert werden. Die deutschen Hochschulen wurden zu einem wirksamen Machtinstrument der nationalsozialistischen Weltanschauung umstrukturiert, indem auch die Lehrpläne massiv im Sinne des nationalsozialistischen Gedankengutes umgestaltet wurden.

Unter weiten Teilen der Studentenschaft breitete sich das nationalsozialistische Gedankengut rasch aus, so dass die Würzburger Universität bis auf wenige Ausnahmen bald als verlässliche Stütze des Systems gesehen werden konnte. Die Naturwissenschaften wurden instrumentalisiert, wobei sich unrühmliche Höhepunkte in der Gründung eines „Instituts für Vererbungswissenschaften und Rassenforschung" im „Welzhaus" in der Klinikstraße zeigten, dessen Vorstand Professor Ludwig Schmidt diverse Schriften zur nationalsozialistischen Rassenideologie publizierte. Ab 1938 führte schließlich der überzeugte Nationalsozialist und SA-Obersturmbannarzt Ernst Seifert die Universität bis in den Untergang des Dritten Reiches 1945.

Ab 1945 Wiederauferstanden aus Ruinen

Der Krieg hatte zum Niedergang der Universitäten geführt, da viele Dozenten Kriegsdienst leisten mussten und die Studierenden zu Kriegs-, Arbeits- und Hilfsdiensten zwangsverpflichtet wurden. Mit dem verheerenden Luftangriff am 16. März 1945 wurde ein Großteil der Universitätsgebäude mitsamt Inventar zerstört, was auch vier Fünftel des Bibliotheksbestandes der Alten Universität und große Teile des Universitätsarchivs betraf.

Rektor Josef Martin (UaWü)
Rektor Josef Martin (UaWü)

Doch nicht nur der akute Gebäudemangel, sondern auch die Folgen des Nationalsozialismus machten der Universität nach Ende des Krieges schwer zu schaffen. Die meisten Angehörigen des Lehrkörpers konnten als vorbelastet gelten und durch das Entnazifizierungsgesetz hatten die Fakultäten und ihr Personalbestand fast aufgehört zu existieren. Um einen akademischen Neubeginn zu ermöglichen, musste zunächst dem Mangel an allen lebensnotwendigen Dingen begegnet werden.

Dank Julius Echters Weitsicht konnte die Universität auf ausgedehnte Waldbestände zurückgreifen, so dass durch Tauschgeschäfte und Erfinderreichtum bereits 1952 etwa 82 Prozent der Universitätsgebäude wiederhergestellt waren. Mit vereinten Kräften konnten die Fakultäten, allen voran die theologische, unter dem ersten nach Kriegsende frei gewählten Rektor Josef Martin bis 1947 den Lehrbetrieb in verschiedenen unzerstörten Räumen in ganz Würzburg wieder aufnehmen. Über die Jahre hinweg organisierte sich die Universität nach Gewohnheitsrecht und erhielt schließlich 1968 eine neue Satzung.

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