Europäische Ethnologie/Volkskunde kann an der Universität Würzburg als Bachelor- und Master-Fach studiert werden. Des Weiteren existieren auslaufende Magister-Studiengänge (kein Studienbeginn im ersten Fachsemester mehr möglich).

Europäische Ethnologie/Volkskunde (Bachelor)

Studiengang

Abschluss

Bachelor of Arts (B.A.) in 6 Semestern

Ausprägungen

85-Punkte-Hauptfach, 60-Punkte-Nebenfach

Studienbeginn

zu einem Sommer- und Wintersemester möglich

Zulassung/Bewerbung

Zulassungsbeschränkung

zulassungsfrei

Eignungsprüfung

keine

 

Europäische Ethnologie/Volkskunde (Master)

Studiengang

Abschluss

Master of  Arts (M.A.) in 4 Semestern

Ausprägungen

120-Punkte-Einzelfach, 45-Punkte-Hauptfach

Studienbeginn

nur zu einem Wintersemester möglich (Einführung WS 12/13 geplant)

Zulassung/Bewerbung

Zulassungsbeschränkung

zulassungsfrei

Eignungsprüfung

eventuell (Zulassungsvoraussetzungen und -modalitäten werden rechtzeitig bekannt gegeben)

 

Der Lehrstuhl

Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde gehört als Abteilung dem Institut für deutsche Philologie an, das wiederum der Philosophischen Fakultät I (Neuphilologien, Geschichte, Kunstgeschichte) der Universität Würzburg zugeordnet ist.

Gegenstand des Faches

Der Begriff Volkskunde taucht erstmals Ende des 18. Jahrhunderts auf, doch kommt es erst rund einhundert Jahre später zur Ausbildung der Volkskunde als wissenschaftlicher Disziplin und 1919 zur Etablierung als Universitätsfach. Heute versteht sich die Volkskunde als historisch, empirisch und vergleichend arbeitende, soziologisch und sozialgeschichtlich orientierte Kulturwissenschaft, die sich mit Alltag, Kultur und Lebensweise breiter Bevölkerungskreise in Europa vom Mittelalter bis in die Gegenwart befaßt. Um den Menschen als kulturgeprägtes, kulturell handelndes und kulturschaffendes Wesen in Abhängigkeit von historischen, ökonomischen, gesellschaftlichen, geistigen und sozio-kulturellen Prozessen besser zu verstehen, werden mit Hilfe eines breitgefächerterten Methodeninstrumentariums Zeugnisse der materiellen Kultur wie der geistigen" Überlieferungen (Texte, Verhaltensweisen etc.) analysiert.

Ausgehend von einem breiter als in anderen Disziplinen gefaßten Verständnis von Kultur versucht die Volkskunde zu ergründen, warum Alltägliches und scheinbar Selbstverständliches sich gerade so manifestiert. Wie gestalten die Menschen unseres Lebens- und Erfahrungsraumes heute ihr Dasein und wie haben sie es in den vorausgegangenen Jahrhunderten gestaltet, Frauen und Männer, Arme und Reiche, werktags und sonntags, auf dem Lande und in den Städten, in Krisen und in guten Zeiten? Für was, wie und womit arbeiten sie und haben sie früher gearbeitet, wie ernähren und kleiden sie sich, was erzählen und singen sie, wovon leben sie, wie wohnen sie, was glauben und wissen sie, wie werden sie mit Not und Gefahren fertig, wie feiern sie und wie funktioniert ihr Zusammenleben? Das Untersuchungsfeld einer modern ausgerichteten Volkskunde ist also längst nicht mehr auf das Sammeln von Märchen und Volksliedern oder auf die Bewahrung einer scheinbar heilen, vorindustriellen Welt mit kuriosem Aberglauben bzw. bunten Erzeugnissen sogenannter Volkskunst beschränkt, sondern umfasst das gesamte Spektrum der Kultur und Lebensweise unterer und mittlerer Sozialschichten in Europa. Zusammenfassend lassen sich die volkskundlichen Forschungsgebiete untergliedern in:

Kulturanalytische Grundlagen:

Kulturprozess und Kulturökonomie, Herrschaft und Kultur, Tradition und Wandel, Kulturraum und Identität ("Heimat"), Massenkultur und Subkultur, Kulturindustrie und Kreativität, Vermittlung und Kommunikation, Gruppe und Individuum, Norm und Verhalten, Enkulturation und Akkulturation, Interethnik.
Spezielle Kulturbereiche: Kultur und Lebenensweise verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, städtische und ländliche Lebensformen, Arbeiten und Wirtschaften, Wohnen, Ernährung, Kleidung, sprachliche Überlieferung ("Volkspoesie"), Popularästhetik ("Volkskunst"), Leben in überlieferten Ordnungen (Sitte, Brauch), Glauben, Wissen, Werte, Normen etc.

Das Würzburger Volkskunde-Institut versucht, die große Bandbreite volkskundlicher Arbeitsfelder in seinem Lehrangebot bestmöglichst abzudecken. Andererseits wird das Lehrangebot durch die Forschungsgebiete der jeweiligen Dozenten mit derzeit folgenden Schwerpunken vertieft: jüdische Alltagskultur, Kulturanalyse von Extremsituationen (z.B. in Konzentrationslagern), Magie und Aberglaube, religiöse Verhaltensweisen, Erzählforschung (auch jüdische), populäre (Auto-)Biographik, Lesestoff-Forschung, populäre Bilderwelten, Museologie und Museumspraxis, Realienkunde, "Volkskunst", Umgang mit technischen Innovationen, Wissenschaftsgeschichte, Popularmusik, regionale Volkskultur, ländliches Wohnen und Wirtschaften, Fest und Brauch. Die Forschungsprojekte umfassen den Zeitraum vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Volkskunde kann in deutschsprachigen Ländern an den meisten Universitäten studiert werden, wenn auch in teilweise unterschiedlicher Ausrichtung und unter verschiedenen Fachbezeichnungen (Europäische Ethnologie, Empirische Kulturwissenschaft, Kulturanthropologie etc.). Differierende Wissenschaftstraditionen führten dazu, dass eine der deutschsprachigen Volkskunde vergleichbare Universitätsdisziplin nicht in allen europäischen Ländern existiert, oder daß volkskundliche Inhalte im Rahmen anderer Universitätsfächer gelehrt werden (z.B. Sozialgeschichte und Ethnohistorie in Frankreich; Cultural Studies, Anthropology und Social bzw. Cultural Anthropology in den USA).

Schließlich ergeben sich aus der Vielfalt volkskundlicher Forschungsfelder, denen auf der Ebene der Hochkultur Spezialdisziplinen wie z.B. die Kunstgeschichte entsprechen, aber auch in Theorie und Methodik Berührungspunkte mit zahlreichen Nachbarwissenschaften, wie der Sprach- und Literaturwissenschaft, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Soziologie, Geographie, Agrargeschichte, Theologie oder Theaterwissenschaft. Nicht zuletzt deshalb begreift sich die Volkskunde als interdisziplinär ausgerichtetes Integrationsfach.

Aufbau des Studiums (Bachelor)

BA-Studiengang

BA Europäische Ethnologie / Volkskunde ab WS 2009/10
 
Mit dem WS 2009/10 werden an der hiesigen Fakultät alle Magister- und Diplomstudiengänge eingestellt. Ein Studienbeginn ist dann nur noch in den neuen BA-Studiengängen möglich. Für die Europäische Ethnologie / Volkskunde bedeutet dies die Einführung folgender Studiengänge:
 
- BA Europäische Ethnologie / Volkskunde im Hauptfach (Kombination von 2 Hauptfächern mit je 85 ECTS-Punkten zuzüglich BA-Arbeit)
- BA Europäische Ethnologie / Volkskunde im Nebenfach (Kombination von 1 Haupt- und 1 Nebenfach mit 60 ECTS-Punkten)
 
Damit Sie sich einen ersten Überblick über die geplanten Studiengänge verschaffen können, sind hier [Hauptfach / Nebenfach] rechtlich unverbindliche Versionen der jeweiligen Studienverlaufspläne einsehbar.
 
Darüber hinaus ist Europäische Ethnologie / Volkskunde, ähnlich wie bisher im GWS/EWS-Bereich (gesellschafts- bzw. erziehungswissenschaftlicher Bereich) und im Freien Bereich der neuen Lehramtsstudiengänge, studierbar.
 
Dessen ungeachtet können alle alten Studiengänge (M.A./Magister, Diplom, Bakkalaureus Altertumswissenschaften) noch regulär zu Ende studiert werden.
 
Die für die alle Studiengänge angebotenen Lehrveranstaltungen finden sich, wie bisher, unter sb@home (Philosophische Fakultät I, dann Deutsche Philologie), allerdings getrennt nach:
 
- Neue Studiengänge (ab Wintersemester 2009/10) (BA Europäische Ethnologie / Volkskunde im Hauptfach oder BA Europäische Ethnologie / Volkskunde im Nebenfach) und
- Alte Studiengänge (Europäische Ethnologie / Volkskunde Magister, Diplom, EWS, Bakkalaureus).

Grundlagen- und Orientierungsprüfung

Durch die Grundlagen- und Orientierungsprüfung (GOP) wird festgestellt, ob Studierende über das Grundwissen für das Fachgebiet verfügen und für das Studium geeignet sind.

Derzeit (Stand 02.12.2011) gilt für Studienanfänger des Studienfachs Europäische Ethnologie/Volkskunde, dass am Ende des 2. Fachsemesters 5 ECTS-Punkte aus dem Pflichtbereich nachgewiesen werden müssen, ansonsten gilt die Grundlagen- und Orientierungsprüfung erstmalig nicht bestanden und kann einmal wiederholt werden, indem am Ende des 3. Fachsemesters 7 ECTS-Punkte aus dem Pflichtbereich nachgewiesen werden (ASPO 2009 §12).

Bitte beachten Sie bei einer Studienfächerkombination auch die Bestimmungen für das jeweilig andere Fach.

Für Studierende, die ihr Studium zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen haben, gelten gegebenenfalls andere Regelungen. Im Zweifel wenden Sie sich bitte an das Prüfungsamt.

Promotion

Die Promotion richtet sich nach der gemeinsamen Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät I-II. Für die Promotion wird ein vorhergehender Abschluss der Diplom- oder Magisterprüfung oder eines Masters vorausgesetzt.
Die Promotion besteht aus einer Dissertation, die in einem begrenzten thematischen Gebiet wesentliche Forschungsergebnisse erhalten muss, und aus einer mündlichen Doktorprüfung. Diese wird in der Form einer Disputation, die im Wesentlichen der Verteidigung der Dissertation gleichkommt, durchgeführt. Es besteht die Möglichkeit der Promotion im Rahmen der Würzburger Graduiertenschule.

Berufsfelder/-aussichten

Wenngleich dem Studienfach Europäische Ethnologie/Volkskunde keine festen Berufsbilder zugeordnet sind, eröffnet ein abgeschlossenes Volkskundestudium mit der Vermittlung theoretischer Kenntnisse und praktischer Fähigkeiten doch ein breites Spektrum von Tätigkeitsfeldern in unterschiedlichsten Bereichen:

  • Museen: Kulturhistorische Museen, Freilichtmuseen, ,freie' Ausstellungsbüros
  • Medien: Verlage, Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen, Internet
  • Archive, Bibliotheken
  • Kulturpolitik und öffentliche Kulturarbeit in Kommunen, Verbänden etc.
  • Denkmalpflege, Heimatpflege, Dorf- und Stadterneuerung
  • Wirtschaft: Freizeit- und Tourismusindustrie, "Interkulturelles Management"
  • Unterricht und Lehre: Erwachsenenbildung, Universität
  • Forschung: Universität, Fachinstitute

Um einen Einblick in die volkskundliche Berufspraxis zu erhalten und die - wie auch in den meisten geisteswissenschaftlichen Fächern - derzeit eher "mäßigen" Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, werden Praktika in den genannten Bereichen schon während des Studiums empfohlen, wobei die Lehrenden bei der Vermittlung von Praktikumsstellen gerne behilflich sind. Weitere Qualifikationen, wie z.B. Kenntnisse auch weniger geläufiger Sprachen, verbessern zudem die Berufsaussichten. Es wird empfohlen, sich um regelmäßige Praktika in dem Berufsfeld zu bemühen, das man später anvisiert (z.B. Medien, Kulturarbeit, Erwachsenenbildung, Museum). Weitere Qualifikationen, wie z.B. Kenntnisse auch weniger geläufiger Sprachen, verbessern zudem die Berufsaussichten.

Tipps für Erstsemester / Hinweise zur Strukturierung des Studiums

Zu Studienbeginn findet in der Regel eine Einführungsveranstaltung für Erstsemester statt. Hier bekommen Sie sehr hilfreiche Tipps, weshalb eine Teilnahme unbedingt zu empfehlen ist. Die Angaben, wann und wo die Einführungsveranstaltung stattfinden wird, finden Sie im Vorlesungsverzeichnis.

Prüfungs- und Studienordnungen

Die relevanten Prüfungsordnungen

•    Allgemeine Studien und Prüfungsordnung (ASPO) für die Bachelor- und Masterstudiengänge
•    Fachspezifischen Bestimmungen zur ASPO mit Abschluss Bachelor

finden Sie auf der Seite des Prüfungsamtes.

Adressen

Die Zentrale Studienberatung

Die Zentrale Studienberatung hilft und berät bei allen allgemeinen und fachübergreifenden Fragen.

Zentrale Studienberatung
Ottostr. 16 (Dachgeschoss), 97070 Würzburg
Postanschrift: Sanderring 2, 97070 Würzburg

Offene Sprechstunde: Mo.–Fr. von 8.00-12.00 Uhr und zusätzlich Mi. von 14-16 Uhr
Telefonservice: 0931/31-83183 (Mo.-Fr, jeweils von 9.00-15.00 Uhr)
E-Mail: studienberatung@zv.uni-wuerzburg.de


Fachstudienberatung

Die Fachstudienberater erteilen detaillierte und weiter führende Auskünfte über Studieninhalte und den Studienaufbau. Die Fachstudienberatung sollte insbesondere auch bzgl. eines geplanten Wechsels an die Uni Würzburg bzw. Quereinstiegs in den jeweiligen Studiengang (Einstieg in ein höheres Fachsemester) hinsichtlich der Prüfung einer möglichen Anrechnung bereits (an einer anderen Hochschule bzw. in einem anderen Studiengang) erbrachter Leistungen kontaktiert werden!

Eike Lossin, M.A.
Institut für deutsche Philologie, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde
Am Hubland, 97074 Würzburg
Tel.: 0931 / 31-85606
Raum 4U9
E-Mail: eike.lossin@mail.uni-wuerzburg.de
Sprechstunde: Di, 14.00-15.30


Prüfungsamt

Postanschrift: Sanderring 2, 97070 Würzburg           
Telefon: 0931 / 31 - 0           
Telefax: 0931 / 31 - 82102 (Bitte Studiengang angeben)           
E-mail:pruefungskanzlei@zv.uni-wuerzburg.de                             
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr,Mittwoch zusätzlich von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

Literatur

Allgemein

Brednich, Rolf Wilhelm (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 3. Aufl. Berlin 2001 (Überblicksdarstellung).

Gerndt, Helge: Studienskript Volkskunde. Eine Handreichung für Studierende. Münster u.a. 1997 (praktische Hinweise fürs Volkskundestudium und Kurzdarstellung einiger Forschungsgebiete).

Kaschuba, Wolfgang: Einführung in die Europäische Ethnologie. München 1999.

Speziell zu Bayern

Harvolk, Edgar (Hg.): Wege der Volkskunde in Bayern. Ein Handbuch. München/Würzburg 1987 (auf Bayern bezogene Überblicksdarstellung, vergriffen).

Alzheimer, Heidrun: Volkskunde in Bayern. Ein biobibliographisches Lexikon der Vorläufer, Förderer und einstigen Fachvertreter. Würzburg 1991 (für 8 € im Sekretariat erhältlich).

Volkskunde in Bayern. Institutionen - Namen - Adressen. Zusammengestellt von Heidrun Alzheimer-Haller, Klaus Reder und Inge Weid. 3. Aufl. Würzburg 1998 (für 13 € im Sekretariat erh.).

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie/Volkskunde geben die Halbjahreszeitschrift "Bayerische Blätter für Volkskunde" (BBV) und die Schriftenreihe "Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte" (VVK) heraus.

Geschichte des Instituts

Eine Sammlung von Publikationen zur Geschichte des Instituts finden Sie auf der Webseite des Lehrstuhls.

Weitere Literatur

Eine Sammlung von weiterer Literatur zum Fach ist ebenfalls auf der Webseite des Lehrstuhls veröffentlicht.

Internet

Eintrag Volkskundler/in auf www.berufenet.de
Eine Sammlung weiterer Links findet sich auf der Webseite der Fachschaft.

 

 

Die hier wiedergegebenen Studieninformationen sind sorgfältig erstellt und werden regelmäßig aktualisiert. Dennoch können sie in Ausnahmefällen Fehler enthalten, veraltet sein oder nicht alle Sonderfälle wiedergeben. Bitte sichern Sie sich deshalb insbesondere bei zulassungs- und prüfungskritischen Themen auf den entsprechenden Internetseiten der Universität Würzburg bzw. der rechtsverbindlichen Quelle, im Regelfall der Prüfungsordnung Ihres Studiengangs, ab. Falls Sie eine Ungenauigkeit entdecken, freuen wir uns über einen Hinweis: am einfachsten per Mail an studienberatung@zv.uni-wuerzburg.de.