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Alexandra Stahl, englische Literaturwissenschaft & Geschichte, Stadtschreiberin Rijeka

03.09.2020

Ein Vortrag über Kannibalismus und gefängnisartige Einzelzimmerchen in der Unibibliothek: Daran muss Alexandra Stahl denken, wenn sie sich an ihr Studium erinnert. Aktuell ist die Alumna Stadtschreiberin von Rijeka.

"Der Schnaps muss Bikini tragen": So lautet eine Überschrift eines Beitrags aus Alexandra Stahls Blog aus Rijeka. Worum es dabei geht? Um ein sehr spezielles Schnapsglas. (Bild: Philipp Laage)
"Der Schnaps muss Bikini tragen": So lautet eine Überschrift eines Beitrags aus Alexandra Stahls Blog aus Rijeka. Worum es dabei geht? Um ein sehr spezielles Schnapsglas. (Bild: Philipp Laage)

Alumna Alexandra Stahl hat Amerikanistik, englische Literaturwissenschaft und Geschichte an der JMU studiert und arbeitet inzwischen als Journalistin in Berlin. Außerdem schreibt sie Prosa, 2021 erscheint ihr erster Roman. Derzeit ist sie die offizielle Stadtschreiberin von Rijeka in Kroatien, einer der beiden Kulturhauptstädte 2020.

Frau Stahl, was kann man sich unter dem Amt „Stadtschreiberin“ vorstellen? Als Stadtschreiberin widmet man sich für eine längere Zeit einer bestimmten Stadt, indem man in ihr lebt und recherchiert, mit offenen Augen durch die Straßen geht, Veranstaltungen besucht und mit den Menschen vor Ort spricht. Über all das schreibt man währenddessen – in welcher Form ist bei jedem Stadtschreiber-Programm ein wenig anders. In meinem Fall nähere ich mich Rijeka über einen Blog, auf dem ich Reportagen zur Geschichte der Stadt veröffentliche und außerdem Kurzgeschichten und Interviews.

Haben Sie einen besonderen Bezug zu der Stadt Rijeka? Wegen der Corona-Pandemie hat sich meine Anreise verzögert, aber seit Ende Juni bin ich endlich vor Ort. Rijeka selbst kenne ich noch gar nicht, aber ich war öfter im benachbarten Triest (Italien) und mir gefällt, dass in dieser Region so viele Länder – Österreich, Italien, Slowenien und eben Kroatien – aneinandergrenzen, und die Kultur und Geschichte daher sehr vielfältig ist.

Warum haben Sie sich für das Schreiben entschieden? Ich weiß eigentlich seit meiner Jugend, dass ich schreiben will, aber warum kann ich gar nicht sagen. Weil mir das liegt? Weil ich in Mathematik nie etwas verstanden habe? Ich wusste jedenfalls früh, dass ich ein journalistisches Volontariat machen will, und habe während des Studiums viele Praktika in diese Richtung gemacht. Irgendwann in den letzten Jahren kam dann noch das literarische Schreiben dazu.

Wie generieren Sie Ihre Ideen, woher ziehen Sie Ihre Inspiration? Eigentlich ist alles Inspiration, was um einen herum passiert, ich kann das also gar nicht so genau sagen. Manchmal habe ich nur einen Satz im Kopf, fange an zu schreiben und dann ergibt sich eine Geschichte. Manchmal weiß ich vorher genau, was ich erzählen will, fange an und dann passiert doch was ganz anderes. Man kann das nicht gut erklären, ohne verrückt zu klingen ...

Wie schwer ist es, sich als Autorin zu etablieren, wie haben Sie das geschafft? Ich würde gar nicht sagen, dass ich das „geschafft“ habe. Etabliert ist für mich jemand, der seit vielen Jahren Bücher veröffentlicht und vom Schreiben leben kann. Ich stehe da jedenfalls am Anfang. Hilfreich war sicher die Teilnahme am Literaturwettbewerb Open Mike 2019. Dadurch konnte ich Kontakte knüpfen und einen Verlag für meinen ersten Roman finden, der 2021 erscheint. Generell ist es beim Schreiben wohl wie bei allem: Man braucht eine gewisse Hartnäckigkeit und Ehrgeiz und am Ende aber immer auch noch Glück.

An welche Begebenheit aus Ihrem Studium erinnern Sie sich besonders gerne? Ich erinnere mich daran, dass bei meiner Magister-Abschlussfeier ein Vortrag über Kannibalismus gehalten wurde und meine Familie das sehr verstört hat. Aber Sie haben ja gefragt, an was ich mich gerne erinnere. Ich mochte immer sehr das Mittagessen in der Burse. Und diese gefängnisartigen Einzelzimmerchen in der Hubland-Bibliothek, in die man sich zum Lernen zurückziehen konnte, wenn man früh genug da war und noch einen Schlüssel ergattert hat. Irgendwie erinnere ich mich gerne daran, obwohl diese Lernerei so anstrengend war, vielleicht eine Art Stockholm-Syndrom?

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