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Siegel und Zepter

Die verlorenen Insignien der Universität Würzburg

Während der Eröffnungsfeier der Wiedergründung der Universität Würzburg am 2. Januar 1582 übergab Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn der Universität die Matrikel und das Zepter als ihre Insignien; das Siegel war offenkundig noch nicht fertig und kam im folgenden Jahr hinzu. Die akademischen Insignien und Hoheitszeichen einer Universität, zu denen neben der wesentlich jüngeren Amtskette des Rektors vor allem das Universitätszepter und die Universitätssiegel gehören, waren Ausdruck des eigenen Rechtsbereichs, den die Universität als Körperschaft bildete sowie der richterlichen Funktion des Rektors. Da diese Insignien an unserer Universität nicht mehr vorhanden sind, drohen sie leicht dem Vergessen anheim zu fallen. Um dem entgegen zu wirken sei hier kurz ihre Geschichte in Erinnerung gerufen.

Die Universitätssiegel

Das große Universitätssiegel wurde im Jahr 1583 aus Silber hergestellt und neben Geld, Privilegien und Urkunden der Universität im Archiv aufbewahrt. Das Bild des Siegels zeigt auf der einen Seite eine Maria mit Kind als Zeichen des Marienpatronats. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich wohl nicht der Stifter der Universität, Julius Echter, sondern der Heilige Kilian. Der untere Teil wird vom landesherrlichen Familienwappen mit dem fränkischen Rechen, der Sturmfahne des Hochstifts Würzburg sowie dem Familienwappen des Stifters Julius Echter eingenommen. Die angegebene Jahreszahl bezieht sich allerdings auf die Herstellung des Siegels und nicht auf die Universitätsgründung. Anwendung fand das Siegel bis in das 20. Jahrhundert hinein zu besonderen Anlässen, welche die Gesamtuniversität betrafen, etwa zur Ausstellung von Privilegien und feierlichen Verträgen. Auch heute noch findet es vielfach als Teil des Briefkopfes Verwendung.

Im 18. Jahrhundert trat das Rektoratssiegel hinzu, welches als Bild nur das Stifterwappen zeigt. Mit der Eingliederung Würzburgs in den bayerischen Staat wurde die Universität zu einer der drei Landesuniversitäten und verlor ihre korporative Selbständigkeit. Ihre Organisation wurde 1803/04 gänzlich neu geregelt. Die alten Siegel durften aber weiterhin in Gebrauch bleiben. Es war dann der Prorektor selbst, der 1804 ein neues Siegel mit dem bayerischen Landeswappen erbat. Dieses wurde, trotz des Beginns der toskanischen Herrschaft 1805, bis 1808 benutzt. Danach kamen die alten Siegel aus der Zeit vor der Säkularisation wieder in Gebrauch. Auch später wurden keine Siegel mit königlich-bayerischem Wappen benutzt. Die Verwendung der alten Stiftersiegel wurde 1830 vom Ministerium des Inneren für alle Universitäten ausdrücklich genehmigt.
Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die älteren Siegelstempel der Universität im Martin-von-Wagner Museum aufbewahrt. Dort wurden sie während der Bombardierung Würzburgs am 16. März 1945 zusammen mit dem Münzkabinett und Teilen der Sammlung des Museums vernichtet.
 

Die Universitätszepter

Über das erste, von Julius Echter verliehene, Zepter der Universität fehlen genaue Informationen. Als Quelle muss auf Abbildungen in den Matrikeln der Universität zurückgegriffen werden. Das ältere Zepter war ein fein cannellierter Stab mit einem kolbenförmigen Aufbau. Aus späteren Beschreibungen der Zepter lässt sich vermuten, dass es sich hierbei um den dort erwähnten versilberten Stab aus Holz handelt. 1723 wurde ein aufwändigeres versilbertes Zepter mit Fürstenhut und Echterwappen unter Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn angefertigt.

Dieses ältere Zepter von 1723 wurde in der Nähe des Vorzimmer in einem Schrank, versteckt hinter den Talaren, aufbewahrt. Im August 1788 verschwand es auf mysteriöse Weise. Da die Tür nicht aufgebrochen worden war, kam der Verdacht auf, ein mit einem Generalschlüssel versehenes Mitglied der Universität könnte den Diebstahl begangen haben. Umfassende Untersuchungen blieben zunächst ergebnislos. Das Zepter scheint jedoch zu einem unbekannten Zeitpunkt wieder aufgetaucht zu sein, denn in einem Bericht an das Ministerium des Inneren in München im Jahr 1846 werden die zwei Zepter, wenn auch in schlechtem Zustand, beschrieben.

Wegen dieses desolaten Zustands erhielt die Universität im gleichen Jahr durch königliche Entschließung die zwei Zepter der 1810 im Zuge der napoleonischen Umgestaltung Europas an Bayern gefallenen und säkularisierten Salzburger Universität zur Benutzung zugewiesen.

Autor: Marcus Holtz

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