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Universitäts-Archiv

Alumnus des Monats: Karl Liebknecht

* 13. August 1871 in Leipzig                                                                                                                                             † 15. Januar 1919 in Berlin

Mit Karl Liebknecht verbindet man viel. Den Kampf für kommunistische Ideale in Deutschland, die KPD, das Schicksal des gewaltsamen Todes, welches er mit Rosa Luxemburg teilte, etc. Eine Verbindung, die jedoch den wenigsten bewusst ist, ist die nach Würzburg, genauer gesagt an die Universität der Stadt. Auch wenn er hier nie immatrikuliert war, erlangte er an der hiesigen Universität seine Promotion.

Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat in der Vergangenheit eine Vielzahl an hochdekorierten Wissenschaftler beheimatet und hervorgebracht, von denen das Archiv der Universität bereits einige Vertreter in unserer regelmäßig erscheinenden Rubrik „Gelehrter des Monats“ präsentiert hat. In einem neuen Projekt möchten wir neben den vielen Lehrpersonen und Wissenschaftlern nun auch jene Alumni vorstellen, die keine klassische akademische Laufbahn wählten, sondern auf anderen Wegen Berühmtheit erlangten. Bekannte Persönlichkeiten, wie etwa Karl Liebknecht, Guido Knopp oder Alois Alzheimer verbrachten Teile ihres Studiums in Würzburg und / oder machten hier ihren Abschluss. Ihnen soll ab jetzt ebenfalls unsere Aufmerksamkeit zugewandt werden. Wir hoffen auf reges Interesse der Studierenden an ihren früheren Kommilitonen.

Politische Vorbelastung

Vor seiner Zeit in Würzburg studierte Liebknecht in Leipzig und Berlin Rechtswissenschaften und Nationalökonomie und legte dabei im März 1893 sein Referendarexamen ab. Es erwies sich jedoch als schwierig für den angehenden Juristen eine Referendarstelle zu finden, wobei ihm vermutlich vor allem die politische Position seines Vaters, Wilhelm Liebknecht, der einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei war, viele Türen verschloss. Erst nach langer Suche, die von Ungewissheit und persönlicher Unruhe geprägt war, wurde er im Oktober 1893 am Oberlandesgericht in Hamm (Westfalen) als Referendar zugelassen und vereidigt; antreten konnte er die Stelle allerdings erst, nachdem er den Militärdienst als „Einjährig-Freiwilliger“ abgeleistet hatte.          

Der Weg führte über Würzburg

Als letzte Sprosse der akademischen Karriereleiter auf dem Weg zum Rechtsanwalt strebte Liebknecht die Promotion an. 1897 erfolgte diese bei Prof. Christian Meurer an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Würzburg. Meurer war zu diesem Zeitpunkt Dekan der Fakultät und Professor für katholisches Kirchenrecht, Völkerrecht, Rechtsenzyklopädie und Rechtsphilosophie. 300 Mark Gebührengeld musste Liebknecht für seine Promotion aufbringen, die er mit einer Arbeit über „Compensationsvollzug und Compensationsvorbringen nach gemeinem Rechte“ mit magna cum laude bestand. In einer handschriftlichen Widmung erwähnt Liebknecht in großer Dankbarkeit den Professor Georg Schanz, der ihn bei seinem Promotionsverfahren begleitet hatte.

Wie lange und wo genau Liebknecht in Würzburg wohnte, ist nicht eindeutig belegt. Auch auf die Frage, warum er ausgerechnet die Universitätsstadt am Main auswählte, gibt es keine genaue Antwort. Womöglich wählte er die Universität Würzburg für die Promotion, weil seine Familie an den vorherigen Studienorten Berlin und Leipzig zu sehr unter der Beobachtung von Behörden und Öffentlichkeit stand. Würzburg bot ihm dabei eine geeignete Zuflucht vor politisch-motivierten Benachteiligungen aus Preußen.

In einem Brief an seine Frau schrieb Liebknecht, der wohl auch gerne mal einen Schoppen Wein trank, dass er sich sehr gut an Würzburg erinnere. Er habe dort „getollt, grad genug“.[1]

Juristisches und politisches Engagement

Nach seiner Zeit in Würzburg wurde Liebknecht am 11. April 1899 zum Gerichtsassessor ernannt und setzte seine juristische Karriere daraufhin in Berlin fort, wo er zusammen mit seinem Bruder Theodor eine Rechtsanwaltskanzlei eröffnete. Seine Arbeit war dabei vor allem bei Sozialdemokraten sehr angesehen, da er Unbemittelten häufig unentgeltlich half und sich politisch gegen die Versteuerung der Rechtspflege einsetzte. Als Rechtsanwalt war er stets gewillt „den Schwachen und Unterdrückten Beistand zu leisten, und zwar um so mehr, je bedrückter der Schwache ist und je mächtiger seine Peiniger und Bedrücker sind!“[2]

Parallel zu seinem juristischen Erfolg wuchs auch sein Engagement in der Politik.  So war er ab 1901 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung vertreten, ab 1908 im Preußischen Abgeordnetenhaus und ab 1912 im Reichstag. Er setzte sich in der darauffolgenden Zeit stark für seine politischen Ideen, wie etwa die Ablehnung von Kriegskrediten ein.  Zusammen mit Rosa Luxemburg gründete Liebknecht die Gruppe „Internationale“, welche später als Spartakusbund bekannt wurde und verbrachte aufgrund der Teilnahme an einer Friedensdemonstration mehr als zwei Jahre im Zuchthaus. Nach seiner Freilassung im Oktober 1918 rief Liebknecht im Zuge der Novemberrevolution eine „freie sozialistische Republik“ aus und gründete zusammen mit Rosa Luxemburg die KPD als Splitterpartei der USPD. Während der Januar-Kämpfe in Berlin wurden die beiden von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision verhaftet und am 15.Januar 1919 ermordet.


[1] Pfemfert, Briefe aus dem Felde, S. 120. Zitiert nach: Laschitza: Die Liebknechts, S. 54
[2] Liebknecht, Karl: Gesammelte Reden und Schriften. Bd. IV, Berlin 1958-1971, S. 485. Zitiert nach: Laschitza: Die Liebknechts, S. 54.

Literaturempfehlungen:

Laschitza, Annelies: Die Liebknechts: Karl und Sophie; Politik und Familie, Berlin 2007.
Wohlgemuth, Heinz: Karl Liebknecht. Eine Biographie, Berlin 1973.