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Universitäts-Archiv

Gelehrter des Monats: Karl Landsteiner

* 14. Juni 1868 in Baden bei Wien    † 26. Juni 1943 in New York

1885     Studium der Medizin in Wien
1891     Promotion an der Universität Wien
              Studium der Chemie in Zürich, München und Würzburg
1897     Assistent am Hygienischen Institut Wien
1898     Assistent am Pathologisch-Anatomischen Institut Wien
1903     Habilitation an der Universität Wien
1908     Prosektor am Wilhelminen-Spital in Wien
1911     Außerordentlicher Professor für Pathologie an der Universität Wien
1919     Tätigkeit am katholischen Krankenhaus R.K. Ziekenhuis Den Haag
1922     Wechsel an das Rockefeller Institute for Medical Research New York
1930     Nobelpreis für Physiologie oder Medizin

Mit Karl Landsteiner ehrt das Universitätsarchiv Würzburg im Juni 2019 einen weiteren Gelehrten, von dessen Entdeckungen wir bis heute profitieren. Für seine wissenschaftlichen Leistungen und Forschungen, besonders auf den Gebieten der Hämatologie und Serologie, wurde er 1930 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Nun soll auch er als „Gelehrter des Monats“ eine besondere Würdigung erfahren.

Leben, Studium und frühe Forschung

Karl Landsteiner wurde 1868 in Baden bei Wien geboren. Seinen Vater, den bekannten Journalisten Leopold Landsteiner, verlor er bereits im Alter von sechs Jahren. In Wien besuchte er das Staatsgymnasium, wo er im Jahre 1885 die Matura mit Bestleistung ablegte. Zwischen den Jahren 1885 und 1890 studierte Landsteiner Medizin an der Universität Wien. Im darauffolgenden Jahr erlangte er die Promotion. Schon zu Studienzeiten befasste sich Landsteiner mit der Untersuchung des Blutes und publizierte bereits 1891 eine Untersuchung über den Einfluss von Diäten auf die Blutzusammensetzung. Die kommenden Jahre verbrachte er in Laboren an unterschiedlichen Standorten, in Zürich, München und Würzburg. Ab 1894 ergänzte Landsteiner seine medizinischen Fertigkeiten mit einer Ausbildung in Chirurgie. Bis 1897 war er Assistent von Max von Gruber am Hygienischen Institut in Wien und von 1898 bis 1908 Prosektor am Pathologisch-Anatomischen Institut der Stadt. Erneut beschäftigt er sich zu dieser Zeit mit der Untersuchung des Blutes, seinem später nobelpreisprämierten Forschungsfeld.

Landsteiner in Würzburg

Das Bestreben, sein Fachwissen im Bereich der Chemie zu erweitern, führte Landsteiner auch nach Würzburg. Dort wurde ihm die Kooperation mit Emil Fischer ermöglicht, der ihn entscheidend prägte. Zu dieser Zeit forschte Fischer über die Strukturaufklärung der verschiedenen Zucker und spannte Landsteiner in seine Arbeit ein. Er beauftragte den jungen Forscher sogar mit der noch ungelösten Aufgabe, Glycolaldehyd herzustellen, was Landsteiner gelang. Die Reihe der Zucker wurde somit durch eine synthetische Tetrose ergänzt, Landsteiners Forschungsergebnisse in den Berichten der chemischen Gesellschaft veröffentlicht.

Eine Fußnote verändert die Medizin

Bei seinen hämatologischen Forschungen betrachtete Landsteiner 1900 die verklumpende oder auflösende Wirkung von Blutserum und Lymphe genauer. In der, im darauffolgenden Jahr publizierten Arbeit „Über Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes“ beschrieb er zum ersten Mal seine Annahme, dass es verschiedene Blutgruppen geben müsse. Zuvor nahm er sich und seinen Mitarbeitern Blut ab, vermischte dieses und stellte fest, dass einige der Blutproben verklumpen, andere jedoch nicht. In einer schlichten Fußnote präsentierte er seine Forschungsergebnisse, dass es drei verschiedene Blutgruppen geben muss, dass diese unterschiedliche Eigenschaften besitzen und damit auch nicht universell kompatibel sind. Darauf aufbauend nahmen er und seine Mitarbeiter die Klassifizierung der Blutgruppen in A, B, AB und 0 vor, wie sie auch heute noch gültig ist. Bahnbrechende Veränderung brachte die Entdeckung Landsteiners mit sich, dass die Blutübertragung zwischen Menschen der identischen Blutgruppe keineswegs zur Zerstörung der Blutzellen führt, sondern dass dies lediglich bei einer Übertragung von unterschiedlichen Gruppen der Fall ist. Diese Erkenntnisse Landsteiners ebneten den Weg für die erste erfolgreiche Bluttransfusion, die im Jahr 1907 durchgeführt wurde, sie sind bis heute von enormer medizinischer Wichtigkeit. Für seine Arbeit wurde Karl Landsteiner am 11. Dezember 1930 mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie ausgezeichnet.

Mehr als nur ein Hämatologe

Jedoch beschränkten sich die Forschungen Landsteiners keineswegs auf die Untersuchungen des Blutes. So waren auch wegweisende Erkenntnisse über das Krankheitsbild der Kinderlähmung Landsteiners Verdienst. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Mediziner Erwin Popper lieferte er 1908 den Beweis, dass es sich bei der Kinderlähmung um eine infektiöse Erkrankung handelt. Im Österreich der Nachkriegszeit sah Landsteiner keinen fruchtbaren Boden für seine weiteren Forschungen und so zog es ihn 1919 nach Den Haag, 1922 schließlich in die USA, an das Rockefeller Institute for Medical Research. Dort entdeckte er 1940 zusammen mit Philip Levine und Alexander Solomon Wiener den Rhesusfaktor.