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Gelehrter des Monats: Herman Schell

* 28. Februar 1850 in Freiburg im Breisgau      † 31. Juni 1906 in Würzburg

1868      Eintritt in das Theologenkonvikt Freiburg
              Studium der Philosophie und Katholischen Theologie in Freiburg
1870      Entlassung aus dem Konvikt
              Wechsel an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg
              Assistenzstelle bei Franz Brentano
1872      Promotion in Freiburg (Philosophie)
1873      Priesterweihe
1879      Fortsetzung des theologischen Studiums in Rom
1881      Rückkehr nach Würzburg
1883      Promotion in Tübingen (Theologie)
1884      Professur an der Julius-Maximilians-Universität

Das Universitätsarchiv Würzburg freut sich den Philosophen und Theologen Herman Schell als Gelehrten des Monats März 2018 ehren zu können. Seine mutigen Thesen und sein Eintreten für eine Reform der Kirche machten ihn zu einer Zielscheibe für die Missgunst seiner Kollegen und auch des Vatikans selbst, doch auch wenn er es selbst nicht mehr erlebte, griff er eben damit bereits schon vielen weiteren Entwicklungen der Kirche im 20. Jahrhundert voraus.

Ein Leben für die Kirche

Herman Schells Lebensweg war mit dem Verlassen des Freiburger Lyzeums auf eine theologische Ausbildung hin ausgerichtet – das religiöse Moment zeigt sich auch deutlich in der Wahl der Würzburger Studentenverbindungen, in denen er sich engagierte: Neben der KStV Walhalla Würzburg war er ebenso in weiteren Verbindungen Ehrenmitglied und betätigte sich aktiv im Kartellverband Katholischer Deutscher Studentenvereine. Auch wenn er später vor allem als Dogmatiker bekannt wurde, konnte er in der Zeit nach seiner Priesterweihe durchaus auch als Seelsorger und Religionslehrer praktische Erfahrung im pastoralen Dienst gewinnen. 

Moderne Dogmatik

In seinen Werken zeigte sich eine starke Ausrichtung Schells hin auf eine zeitgemäße Dogmatik und eine Reform der Kirche überhaupt.  Er stellte sich bewusst gegen die konservativen Neuscholastiker seiner Zeit, als er ihrem relativ statischen Gottesbegriff den der causa sui entgegenstellte, und dabei die trinitarische Wirklichkeit Gottes mit dem theistischen Gottesbegriff theoretisch miteinander verband. Darüber hinaus trat er für eine Verbesserung der Bildungsverhältnisse der Katholiken, einer Öffnung der Kirche für Forschung und Wissenschaft und die Verwendung der deutschen Sprache in Liturgie und theologischer Ausbildung ein. Mit zwei Flugschriften zum Amerikanismus etablierte sich Schell als Vertreter des Reformkatholizismus an vorderster Front.

Loyaler Querdenker

Schell stieß Zeit seines Lebens nicht immer auf Gegenliebe und gerade seine fortschrittlichen Schriften bereiteten ihm so manche Probleme. Aus dem Freiburger Theologenkonvikt wurde er aus disziplinarischen Gründen entlassen, seine theologische Doktorarbeit musste er, um Ärger mit den Würzburger und Freiburger Fachvertretern zu vermeiden, in Tübingen einreichen, die Professur in Würzburg konnte er auch nur gegen den Widerstand seines Vorgängers und seiner Kollegen erringen, und schließlich landeten zwei seiner Werke auf dem Römischen Index. Dabei lag sein Ziel gar nicht in einer bewussten Provokation  – er akzeptierte die Indizierung seiner Schriften widerspruchslos als Treuebekenntnis zur Kirche –, man kann jedoch mit Recht behaupten, dass er in seinem Denken seiner Zeit weit voraus war: Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1963-65) bestätigte der Vatikan viele seiner Aussagen (auch zuvor indizierte) und belebte auch das Andenken an Schell neu.

Literaturempfehlung:

Scheele, Paul-Werner: Herman Schell im Dialog, Würzburg 2006.

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