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Universitäts-Archiv

Hans Löffler

Alumnus des Monats Oktober 2019

*22. Juni 1872 in Karlstadt am Main                                                                                                                     † 7.September 1955 in Würzburg

1891    Abitur am Alten Gymnasium
             Jurastudium
1895    Erstes Staatsexamen
1899    Zweites Staatsexamen
1899    Rechtskundiger Magistratsrat
1919    Zweiter Bürgermeister von Würzburg
1921    Erster Bürgermeister von Würzburg
1933    Erzwungener Rücktritt
1945    Wiederaufbaukommissar der Regierung von Unterfranken
1946    Zweite Amtszeit als Oberbürgermeister von Würzburg     

In zwei Amtszeiten als Oberbürgermeister führte Hans Löffler Würzburg vor und nach dem Dritten Reich durch die Krisen der Inflation und des Wiederaufbaus. Der ehemalige Jurastudent der JMU sowie Ehrenbürger und Ehrensenator der Universität soll deshalb als „Alumnus des Monats“ zum Start des Wintersemester 2019/20 vorgestellt werden.

Ankunft in Würzburg

Hans Löffler wuchs in einer Zeit auf, in der sich die aufkommende Industrialisierung und die damit verbundenen Veränderungen stark auf die Gesellschaft auswirkten. Als Sohn eines königlich bayerischen Brandversicherungsinspektors empfand er sich einer „besseren Familie“ zugehörig und sah es somit als seine Pflicht an, in der Schule mit Bestleistungen zu glänzen. Der frühe Tod seines Vaters raubte ihm sein einziges männliches Vorbild. Trotz dieses Verlustes strebte Löffler eine umfangreiche akademische Ausbildung an. So war seine Aufnahme im Alten Gymnasium einer der Hauptgründe für den Umzug der Familie von Karlstadt nach Würzburg.         
Das darauffolgende Jurastudium ging für Löffler mit der aktiven Beteiligung im Verbindungswesen einher. So brachte er einen großen Teil seines Studentenlebens für die Mitgliedschaft in der Verbindung Corps Bavaria auf.     
 

Ein Leben für das Beamtentum       

Nach bestandener zweiter Prüfung zum höheren Justiz- und Verwaltungsdienst Anfang 1899 war Löffler für kurze Zeit bei einem Rechtsanwalt tätig. Dies sagte ihm jedoch wenig zu, deshalb trat er bereits im Oktober desselben Jahres in den Dienst der Stadt ein und führte so die Berufsbeamtentradition seines Vaters fort. Wenig später wurde der erst 28-jährige Jurist einstimmig zum Rechtskundigen Magistratsrat gewählt und 1903 in diesem Amt bestätigt. In der folgenden Zeit sollte Löffler verschiedene Ämter in der Stadtverwaltung übernehmen, unter anderem war er im Ersten Weltkrieg für die Verwaltung der Kriegswirtschaft verantwortlich. Löffler war ein Beamter durch und durch, der sich insbesondere durch seinen Fleiß und seine Dienststrenge auszeichnete und damit exemplarisch die Tugenden des deutschen Berufsbeamtentums des Kaiserreichs verkörperte.

Wirken in Würzburg

Mit einer beachtlichen Mehrheit von 10.758 aus 10.768 Stimmen wurde Hans Löffler am 13. Februar 1921 in einer direkten Volkswahl zum Ersten Bürgermeister von Würzburg gewählt. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Stadtverwaltung konnte er dieses Amt mit großer Sachkenntnis ausführen. Hierbei galt er als äußerst fleißiger und gewissenhafter Amtsinhaber, der sich als überparteilicher Vertreter der Stadt verstand. Sein damaliges Wirken in und für Würzburg prägte die Stadt ganz bedeutend; noch heute findet man zahlreiche Zeugnisse seines Schaffens. So wurden während seiner Tätigkeit unter anderem die Würzburger Fliegerschule sowie die „Neue Würzburger Straßenbahnen GmbH“ gegründet, das Luitpoldkrankenhaus fertiggestellt, das Wasserwerk „Untere Mainmühle“ in Betrieb genommen und im Jahr 1930 der Stadtteil Heidingsfeld eingemeindet. Gleichzeitig gelang es Löffler während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister, das hochverschuldete Würzburg aus seiner prekären Finanzlage zu führen, die in Folge der Kriegsniederlage und der aufkommenden Weltwirtschaftskrise die Stadt zu erdrücken drohte.

Vertreibung und Wiederkehr           

Löffler verstand sich als Verteidiger der Weimarer Demokratie und stellte sich bereits bei Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten hinter diesen. Diese Opposition gegen Hitler führte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zu Löfflers erzwungenem Rücktritt. Notgedrungen verließ er Würzburg und zog nach Chieming. Die Sehnsucht nach der Stadt am Main jedoch blieb, und so kehrte Löffler nach der Zerstörung Würzburgs zurück, getrieben von dem Wunsch beim Wiederaufbau behilflich zu sein. Nach anfänglichem Zögern bot Löffler schließlich seine Hilfe an und konnte dank seiner politischen Kontakte bald das Amt des Wiederaufbaukommissars der Regierung von Unterfranken übernehmen. Nachdem er seine politische Heimat in der CSU gefunden hatte, erfüllten sich seine Hoffnungen und Löffler konnte dank des Rücktritts seines Vorgängers wieder zur Wahl des Oberbürgermeisters antreten. Mit Aufnahme dieses Amts übernahm er auch die Mammutaufgabe des Wiederaufbaus der fast völlig zerstörten Stadt, eine Aufgabe, der er sich bis zu seinem Rücktritt am 1. Juli 1948 mit dem bereits bekannten Fleiß und Eifer widmete.

Literaturempfehlung:

Stickler, Matthias: Neuanfang und Kontinuität: Würzburg in der Weimarer Republik. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, Theiss, Stuttgart 2001–2007.