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Universitäts-Archiv

Gelehrter des Monats: Ferdinand Braun

* 06. Juni 1850 in Fulda         † 20. April 1918 in New York

1868 Studium der Mathematik, Physik und Chemie in Marburg und Berlin
1872 Promotion
1874 Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften in Leipzig
1877 Außerordentliche Professur an der Universität Marburg
1880 Wechsel an die Universität Straßburg
1883 ordentlicher Professor in Karlsruhe
1895 ordentlicher Professor in Straßburg
1897 Entwicklung der „Braunschen Röhre“
1909 Nobelpreis zusammen mit Guglielmo Marconi

In den vergangenen Monaten lag der Fokus des Projekts „Gelehrter des Monats“ des Universitätsarchivs ganz auf dem Leben und Wirken einiger spezieller Wissenschaftler. All jene Gelehrte, denen Würzburg für einen Teil ihre Karriere Heimat war und die für ihre Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, erfuhren eine besondere Würdigung. Durch ihre Arbeiten, von denen die jeweiligen Forschungsfelder oftmals noch heute profitieren, wurde diesen Gelehrten eine der höchsten wissenschaftlichen Anerkennungen zuteil. Nicht selten verbrachten sie in Würzburg wichtige Jahre ihrer akademischen Laufbahn. Als letzten der Nobelpreisträger, die (bis dato) an der Universität Würzburg gewirkt haben, ehrt das Universitätsarchiv dieses Mal Karl Ferdinand Braun.

Begabt und gefördert

Bereits in der Schule bemerkte ein Lehrer Karl Ferdinand Brauns außerordentliche naturwissenschaftliche Begabungen und förderte diese entscheidend. So verfasste Braun schon als Schüler einen Aufsatz über das Wasser und ein Jahr später eine Ausarbeitung über die Herstellung einer Schwefel-Stickstoffverbindung. Nach dem Abitur begann Braun zunächst in Marburg ein Studium der Physik, Chemie und Mathematik, versprach sich jedoch von einem Wechsel nach Berlin eine bessere Ausbildung. Dort lehrte der Physiker und Chemiker Gustav Magnus, der ebenfalls die Begabung Brauns registrierte und ihm daher 1869 eine Assistentenstelle anbot. Da Magnus jedoch bereits ein Jahr später verstarb, führte Braun seine Arbeiten bei Georg Hermann Quincke fort, der einen prägenden Eindruck auf ihn machte. Daher verfasste Braun auch seine Promotionsarbeit „Ueber den Einfluss von Steifigkeit, Befestigung und Amplitude auf die Schwingungen von Saite“ über ein Thema aus dessen Fachgebiet.

Brauns Weg nach Würzburg

Seine Orientierung an Quincke führte Ferdinand Braun auch nach Würzburg. Nach der Berufung des Würzburger Physikers August Kundt an die neue Straßburger Universität trat Georg Hermann Quincke in dessen Fußstapfen an der Alma Julia. Mit ihm kam auch Ferdinand Braun als Assistent nach Würzburg. Die gemeinsame Zeit in der Universitätsstadt am Main verlief für beide Wissenschaftler wenig erfolgreich. Braun führte einige Messungen zur Leitfähigkeit von Salzschmelzen durch, zufriedenstellende Ergebnisse blieben jedoch aus. Auch die Frage, ob das Ohmsche Gesetz für Schmelzen und Lösungen galt, konnte nicht von ihm beantwortet werden.

Vom Oberlehrer zum Professor

Nach seiner glücklosen Etappe in Würzburg ging Braun 1874 an das Thomas-Gymnasium in Leipzig. Bereits ein Jahr zuvor hatte er das Examen für Mathematik und Physik an Gymnasien abgelegt, was sich nun auszahlte. Während seiner Zeit als Lehrer verebbte seine wissenschaftliche Arbeit zwar nicht, jedoch war sie nun nur noch „Freizeitbeschäftigung“. Er beschäftigte sich vor allem mit neuartigen Messungen des Widerstands an Kristallen. Neuen Wind in die Segel der wissenschaftlichen Karriere brachte Brauns Berufung nach Marburg; hier konnte er in dem immer interessanter werdenden Feld der Elektrotechnik lehren und forschen. Über Straßburg und Karlsruhe kam Braun 1885 nach Tübingen und wurde dort neben seiner physikalisch stets breitgefächerten Lehrtätigkeit auch mit dem Aufbau des Physikalischen Instituts betraut. Nach zehn arbeitsreichen Jahren in Tübingen wechselte Braun 1894 zurück nach Straßburg.

Die Nobelpreisentdeckung

Während Braun 1897 auf einer wissenschaftlichen Tagung in Nordamerika weilte, stellte der junge Italiener Guglielmo Marconi die Überlegung an, die Hertzschen elektromagnetischen Wellen zur drahtlosen Nachrichtenübertragung nutzen zu können. Ein Jahr später wandte sich auch Braun diesem Thema zu. Der Wissenschaftler stand dadurch in direkter Konkurrenz mit dem italienischen Geschäftsmann. 1900 gelang der Forschungsgruppe um Braun die erste schnurlose Telegraphieverbindung zwischen Cuxhaven und Helgoland; 1901 überbrückte Marconi mit seinen Funksignalen den Atlantik. Im November des Jahres 1909 wurde Ferdinand Braun zusammen mit Guglielmo Marconi mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Literaturempfehlungen:

Hars, Florian: Ferdinand Braun (1850-1918) – ein wilhelminischer Physiker, Berlin 1999.           
Kurylo, Friedrich: Ferdinand Braun: Leben und Wirken des Erfinders der Braunschen Röhre, München 1965.