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Universitäts-Archiv

Carl Caspar von Siebold

Gelehrter des Monats Dezember 2019

* 4. November 1736 in Nideggen (Eifel)               † 3. April 1807 in Würzburg

1752      Studium der Philosophie in Köln
1754      Väterliche Ausbildung zum Wundarzt
1757      Ausbildung zum Feldchirurgen im franz. Militärlazarett zu Wesel
1760      Verlegung ins Würzburger Feldspital
               Anstellung als ärztlicher Gehilfe im Juliusspital Würzburg
               Studium der Medizin
1769      Professor für Anatomie, Chirurgie, Geburtshilfe in Würzburg
1776      Berufung zum Oberwundarzt im Juliusspital
1805      Eröffnung des ersten modernen Operationssaals 

Als letzter Gelehrter des Jahres 2019 soll ein Mitglied der in Würzburg fest verankerten Ärztedynastie von Siebold geehrt werden. Carl Caspar von Siebold hat vor 250 Jahren seine Professorenwürde an unserer Universität erhalten und mit seinen innovativen Ansätzen die operative Medizin revolutioniert.

Der Philosoph, der zum Arzt wurde

Siebold, der zunächst einen geisteswissenschaftlichen Weg einschlug, schloss bereits mit 18 Jahren ein Philosophiestudium in Köln ab, bevor ihn sein Vater, der ebenfalls Chirurg war, in der Kunst der Wundbehandlung ausbildete. Nach Abschluss dieser Ausbildung konnte Siebold praktische Erfahrung in verschiedenen Militärlazaretts sammeln und spezialisierte sich zum Feldchirurgen.

Im August 1760 verließ er den französischen Militärdienst und arbeitete anschließend als Obergehilfe von Georg Christoph Stang im Juliusspital. Zeitgleich begann er ein Medizinstudium an der Universität Würzburg, welches er 1763 mit Auszeichnung beendete. Der damalige Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim ermöglichte es ihm daraufhin, sich durch ein Stipendium auf einer medizinischen Bildungsreise nach Paris, Rouen, London und Leiden weiterzubilden. Siebold ließ die gesammelten Erfahrungen in seine Dissertation einfließen und promovierte bald nach seiner Rückkehr in Würzburg. Kurz darauf wurde er zum Leibwundarzt des Bischofs berufen.

Revolution an der Alma Iulia

Nach Erlangen des medizinischen Doktorgrads wandte sich Siebold der Lehre zu und war ab 1769 an der Alma Julia als Professor für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe angestellt. Mit seiner Vereinigung von handwerklicher Chirurgie und traditioneller akademischer Medizin gelang es ihm, der medizinischen Fakultät neues Leben einzuhauchen. Die Anzahl der Studenten unter ihm steigerte sich so um ein Vielfaches.      
Doch nicht nur in der Lehre konnte Siebold durch seine modernen Ansätze viel bewirken. Als Oberwundarzt im Juliusspital führte er neue Operationsmethoden und Hygienemaßstäbe ein und engagierte sich für eine Verbesserung der Hebammenausbildung. Außerdem erwirkte er, dass auch Protestanten zum Studium in Würzburg zugelassen wurden und verpflichtete Wundärzte dazu, eine universitäre Ausbildung zu machen. Eine seiner revolutionärsten Neuerungen war jedoch die Errichtung des ersten modernen Operationssaals der Welt, welcher 1805 eröffnet wurde.

Die Anfänge einer Dynastie

Wie zur damaligen Zeit üblich strebte auch Carl Caspar von Siebold danach, den Stand seiner Familie zu verbessern und so besetzte er gutdotierte Positionen innerhalb der eigenen Fakultät mit Verwandten. Einige seiner Nachfahren wurden zu bekannten Ärzten und Wissenschaftlern und erlangten große Berühmtheit – nicht nur im medizinischen Bereich. Sein Enkel Philipp Franz von Siebold etwa machte sich vor allem als Vermittler Japans in der westlichen Welt verdient.

Literaturempfehlung:

Leydhecker, Wolfgang: Der Beginn der wissenschaftlichen Chirurgie und Augenheilkunde in Würzburg durch Carl Caspar von Siebold (1736-1807). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, 1992 (10), S. 101-106.