Leibniz-Preisträger

Die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preise werden bisweilen als die "deutschen Nobelpreise" bezeichnet. Denn keine andere wissenschaftliche Auszeichnung in der Bundesrepublik ist mit so hohen Geldsummen dotiert: die Preisträger können bis zu 2,5 Millionen Euro erhalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vergibt die Leibniz-Preise jedes Jahr an etwa zehn herausragende Wissenschaftler.


Jörg Vogel
Professor Jörg Vogel. Foto: IMIB

2017: Prof. Dr. Jörg Vogel, Infektionsbiologie

Der RNA-Forscher und Infektionsbiologe befasst sich mit den kleinen regulatorischen RNA-Molekülen von bakteriellen Krankheitserregern. Mit seinem Team will er Funktionsweise und Wirkungen dieser Moleküle genau verstehen lernen. Seine Arbeiten könnten neue Wege zeigen, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Vogel ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der RNA-Biologie und hat die Bedeutung der RNA-Biochemie in Bakterien sehr früh erkannt. Zudem leistete er mit der Anwendung und Entwicklung von Hochdurchsatz-Sequenzierungsverfahren Pionierarbeit für die Analyse von RNA.

Dag Nikolaus Hasse
Professor Dag Nikolaus Hasse (Foto: Margarete Pauli)

2016: Prof. Dr. Dag Nikolaus Hasse, Geschichte der Philosophie

Die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhlinhabers für Geschichte der Philosophie, Prof. Dr.  Dag Nikolaus Hasse sind die arabische Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte sowie der arabische Einfluss in Europa aus historischer Sicht. Dazu kommen die europäische Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte des 12. bis 16. Jahrhunderts und die mittellateinische Literatur. Seit 2013 leitet Hasse das Großprojekt „Ptolemaeus Arabus et Latinus“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es soll unter anderem neue Erkenntnisse über die gemeinsamen Grundlagen der islamischen und der europäischen Kultur im Mittelalter bringen.

Laurens Molenkamp
Laurens Molenkamp

2014: Prof. Dr. Laurens Molenkamp, Physik

Der Physiker Laurens Molenkamp gilt als einer der Väter der Halbleiter-Spintronik. Von dieser Technik wird erwartet, dass sie die Informationsverarbeitung und die Computertechnik noch deutlich leistungsfähiger machen wird. Molenkamp war der weltweit erste Forscher, dem die experimentelle Realisierung von topologischen Isolatoren gelang. Seitdem wird über diese neuartige Materialklasse intensiv geforscht, denn sie dürfte für weitere Fortschritte in der Spintronik wesentlich sein: Mit topologischen Isolatoren sollten sich in der Zukunft noch kleinere und leistungsfähigere Computerchips bauen lassen.

Holger Braunschweig
Holger Braunschweig

2009: Prof. Dr. Holger Braunschweig, Chemie

Der Experte für Anorganische Chemie arbeitet im Bereich metall- und elementorganische Chemie. Er konzentriert sich auf die Untersuchung von Übergangsmetallkomplexen mit Bor-zentrierten Liganden. Als wegweisend gelten seine Arbeiten, mit denen er das Element Bor durch die Verbindung mit Metallen gewissermaßen "gezähmt" hat. Auf diese Weise hat seine Arbeitsgruppe neue Moleküle erzeugt und ihnen neue Eigenschaften gegeben. Von den neuen Molekülen wird erwartet, dass sie die Katalyse und die Materialwissenschaften nachhaltig beeinflussen.

Thomas Mussweiler
Thomas Mussweiler

2006: Prof. Dr. Thomas Mussweiler, Psychologie

Der Sozialpsychologe beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Vergleichsprozesse bei Urteilen und Entscheidungen spielen. Seine Arbeiten sind für die psychologische Entscheidungsforschung von Bedeutung und haben auch wirtschaftliche Relevanz. Mussweiler war von 1995 bis 2004 an der Uni Würzburg tätig und wechselte 2005 als Professor für Sozialpsychologie und Differentielle Psychologie an die Uni Köln. Den Leibniz-Preis erhielt er im Wesentlichen für seine Würzburger Arbeiten.

Ulrich Konrad
Ulrich Konrad

2001: Prof. Dr. Ulrich Konrad, Musikwissenschaft

Ulrich Konrad ist seit 1996 Inhaber des Lehrstuhls für Musikwissenschaft an der Uni Würzburg. Laut DFG zeichnen sich seine Arbeiten durch eine große Vielfalt aus: "Als Mozartforscher, der anhand von mehr als 300 Werkskizzen Mozarts Schaffensweise in neuer Weise rekonstruierte, hat er sich international einen Namen gemacht. Außerdem setzt sich Konrad intensiv mit Komponisten und Kompositionen des 19. Jahrhunderts auseinander." In neuerer Musikgeschichte beschäftigt er sich unter anderem mit Richard Strauß, Franz Schmidt und Alban Berg.

Martin Lohse
Martin Lohse

1999: Prof. Dr. Martin Lohse, Pharmakologie

Lohse, der seit 1993 den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie an der Uni Würzburg innehat, befasst sich mit Rezeptoren für Hormone und für Überträgerstoffe des Nervensystems. Diese Rezeptoren erkennen und binden Botenstoffe und erzeugen Reaktionen in der Zelle: Über sie beschleunigt zum Beispiel Adrenalin den Herzschlag oder erhöht Insulin die Zuckeraufnahme. Rezeptoren sind auch ein bevorzugter Angriffspunkt für Arzneimittel.

Bert Hölldobler
Bert Hölldobler

1990: Prof. Dr. Bert Hölldobler, Zoologie

Der Experte für die Soziobiologie der Insekten hat bahnbrechende Arbeiten vor allem über das Sozialverhalten und die Ethoökologie der Ameisen vorgelegt. Das Sozialleben dieser Tiere erforscht er in den natürlichen Ökosystemen und in Laborexperimenten. 1969 ging Hölldobler an die Harvard-Universität in die USA. Mit seinem dortigen Kollegen Edward O. Wilson schrieb er das Fachbuch „The Ants“, das 1991 den Pulitzer-Preis erhielt. 1989 kehrte er an die Uni Würzburg zurück und hatte hier bis 2004 den Lehrstuhl für Zoologie II inne.

Ingrid Grummt
Ingrid Grummt

1990: Prof. Dr. Ingrid Grummt, Biochemie

Die Professorin wechselte von der Uni Würzburg ans Deutsche Krebsforschungszentrum, Abteilung Molekularbiologie der Zelle.

Hans-Peter Zenner
Hans-Peter Zenner

1987: Prof. Dr. Hans-Peter Zenner, Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde

Zenner folgte 1988 einem Ruf auf den Lehrstuhl für HNO-Heilkunde der Uni Tübingen.

Otto-Ludwig Lange
Otto-Ludwig Lange

1986: Prof. Dr. Otto Ludwig Lange, Botanik/Ökologie

Der Professor hatte von 1963 bis zu seiner Emeritierung 1992 den Lehrstuhl für Botanik II an der Uni Würzburg inne. Er ist einer der Gründungsväter der pflanzenphysiologischen Ökologie. Vorrangiges Forschungsgebiet: die Ökophysiologie von Flechten, Cyanobakterien, Algen und Moosen.

Ulrich Heber
Ulrich Heber. Foto: Rita Krebs-Hedrich

1986: Prof. Dr. Ulrich Heber (†), Botanik/Physiologie

Professor für Botanik an der Uni Würzburg von 1971 bis zur Emeritierung 1996. Hauptforschungsgebiete: Biochemie des Stresses bei Pflanzen (Gefrierresistenz, Wasserhaushalt, Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid oder Ozon).

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