Tafeln für bedeutende Gelehrte

Nach der Enthüllung der Gedenktafel für Julius von Sachs (von links): Hauseigentümer Friedrich Schwab, Universitätsarchivar Marcus Holtz, Universitätspräsident Alfred Forchel, die Ideengeber Professor Walter Eykmann und Professor August Heidland. (Foto: Robert Emmerich)

Drei Alumni der Universität Würzburg haben ein besonderes Projekt initiiert: Im Stadtgebiet und im Umland von Würzburg werden an den ehemaligen Wohnhäusern berühmter und verdienter Wissenschaftler Info-Tafeln angebracht.

Wer vom Würzburger Barbarossaplatz aus in die Theaterstraße läuft und am Haus Nummer 2 vorbei kommt, findet dort auf Augenhöhe seit Neuestem eine Info-Tafel. Sie erinnert an Professor Julius von Sachs (1832-1897), der früher in diesem Haus gewohnt hat.

Sachs hat in der Botanik einige Meilensteine gesetzt. Er ist der Begründer der Pflanzenphysiologie – einer Wissenschaft, die den Lebensvorgängen im Inneren der Pflanzen mit Experimenten nachspürt. Mit seiner Arbeit lockte er im 19. Jahrhundert zahlreiche Studenten und Forscher aus aller Welt nach Würzburg.

Die Julius-Maximilians-Universität wird in den kommenden Monaten noch mehr solche Tafeln in der Stadt befestigen lassen. Derzeit sind rund 50 Tafeln geplant.

Was die Alumni zu ihrer Initiative trieb

Die Initiative zu der Aktion ging von drei Alumni aus, von den Professoren Horst Brunner, Walter Eykmann und August Heidland. „Im 19. Jahrhundert war Würzburg ein Mekka der Medizin, doch bis vor Kurzem gab es keinerlei Gedenktafeln dazu“, sagt August Heidland. In Göttingen dagegen hängen dem Professor zufolge mehr als 300 solche Tafeln, und auch an anderen Universitätsstandorten wie Jena oder Wien seien sie im Stadtbild präsent.

Walter Eykmann: „Ich war begeistert davon, diese Idee über die Medizin hinaus zu entwickeln und so der Geschichtsvergessenheit unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Die Universitätsstadt Würzburg bekommt dadurch ein prägendes Gesicht.“

Bei Universitätspräsident Alfred Forchel stießen die Alumni mit ihrem Vorschlag auf begeisterte Zustimmung: „An den Tafeln können die Bürgerinnen und Bürger im Vorbeilaufen sehen, dass hier einmal Persönlichkeiten lebten, die mit ihren wissenschaftlichen Leistungen die Welt verändert haben“, so der Präsident.

Hausbesitzer stimmte sofort zu

Bei der Enthüllung der Tafel für den Botaniker Julius von Sachs am 7. Oktober 2015 dankte Forchel den Ideengebern und dem Hauseigentümer, Friedrich Schwab. Dieser hatte es der Universität ohne Zögern erlaubt, die Sachs-Tafel an seinem denkmalgeschützten Haus zu befestigen; für die Abklärung mit der Denkmalschutzbehörde sorgte die Universität.

Schwab wünschte der Uni „weiterhin viel Erfolg bei den restlichen Gebäuden“. Umgesetzt wird das Projekt „Gelehrtentafeln“ von Universitätsarchivar Marcus Holtz und dem Präsidialbüro.

Acht Gelehrtentafeln sind befestigt

Die Sachs-Tafel ist nicht die einzige, die in der Stadt schon befestigt wurde. An folgenden sieben Standorten werden weitere Wissenschaftler mit Tafeln geehrt:

  • Theodor Boveri (1862-1915), Bismarckstraße 3: Theodor Boveri wirkte in Würzburg von 1893 bis zu seinem Tod 1915 als Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie. Er begründete mit seinen mikroskopischen Beobachtungen die experimentelle Zellforschung und die Chromosomentheorie der Vererbung.
  • Eduard Buchner (1860-1917), Röntgenring 11: Eduard Buchner war von 1911 bis 1917 Lehrstuhlinhaber für Organische Chemie. 1907 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeit über die zellfreie Gärung. Dabei hatte er gezeigt, dass für die alkoholische Gärung keine lebenden Hefezellen nötig sind, sondern ein von der Hefe produziertes Enzym.
  • Adolf Eugen Fick (1829-1901), Röntgenring 9: Adolf Eugen Fick war von 1868 bis 1899 Professor für Physiologie. Er gilt als Wegbereiter der modernen Muskelphysiologie; von ihm stammt das „Ficksche Prinzip“: Damit lässt sich – als Maß für die Herzleistung – das Blutvolumen ermitteln, das das Herz pro Minute in den Blutkreislauf pumpt.
  • Friedrich Wilhelm Scanzoni von Lichtenfels (1821-1891), Röntgenring 9: Friedrich Wilhelm Scanzoni von Lichtenfels wirkte in Würzburg von 1850 bis 1887 als Professor für Geburtshilfe. Er war zu seiner Zeit ein herausragender und europaweit bekannter Geburtshelfer. Nach ihm ist eine spezielle Methode der Zangenentbindung benannt.
  • Albert von Koelliker (1817-1905), Theaterstraße 4: Albert von Koelliker war von 1849 bis 1902 Professor für Experimentalphysiologie und vergleichende Anatomie. Er entdeckte die glatten Muskelzellen und andere Gewebestrukturen; von ihm stammt das weltweit erste Handbuch der Histologie (Gewebelehre).
  • Josef Kohler (1849-1919), Ludwigstraße 20: Josef Kohler war von 1878 bis 1888 Professor für Zivilprozess und französisches Zivilrecht in Würzburg. Er gilt als bedeutender Universaljurist und war unter anderem ein Wegbereiter des Urheber- und Patentrechts.
  • Christian Meurer (1856-1935), St.-Benedikt-Straße 2: Christian Meurer, von 1888 bis 1926 Professor für katholisches Kirchenrecht und Völkerrecht, war ein Experte für das Kriegsvölkerrecht. Seine Ideen zu diesem Gebiet spiegeln sich auch in der Haager Landkriegsordnung von 1907 wider.

Kontakt

Matthias Nowak, Präsidialbüro der Universität, T (0931) 31-84737, matthias.nowak1@uni-wuerzburg.de

Letzte Änderung: 06.09.2016