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    Zentrale Studienberatung

    Alte Welt

    UniZeit - Zeitung für Schüler

    Studieren an der Uni Würzburg - 2018/19

    Die Antike im Blick

    Ihre Schwester hält sie für verrückt, ihre Freunde fragen, wann sie wieder im Sand buddeln geht, und ihre Eltern wollen wissen, was sie damit später anfangen will. Und das alles nur, weil sich Alina Bräuer für den Studiengang „Alte Welt“ mit dem Nebenfach „Klassische Archäologie“ eingeschrieben hat.

    Wer in Würzburg „Alte Welt“ studiert, beschäftigt sich mit verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen; er bekommt Einblicke in die Grundlagen der Ägyptologie und Altorientalistik, der Archäologie und Geschichte sowie der Sprachwissenschaft – oder, genauer: der klassischen Philologie und der Indogermanistik. „Man erhält einen umfassenden Überblick über alle Altertumswissenschaften und damit über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren“, sagt Alina.

    Kultur und Sprache der Römer und Griechen spielen dabei eine zentrale Rolle; der Blick geht aber auch nach Ägypten und in den gesamten Vorderen Orient. Und je nachdem, welche Veranstaltungen aus dem umfangreichen Wahlpflichtprogramm und welches Nebenfach man wählt, lassen sich individuelle Schwerpunkte entsprechend der eigenen Interessen setzen.

    Fasziniert von der bunten Fächermischung

    Diese bunte Mischung und der umfassende Überblick sind es, was Alina an ihrem Studium so fasziniert. Für ihr berufliches Ziel – Museumsarbeit – sei das die ideale Voraussetzung. Praktische Erfahrungen in diesem Bereich konnte sie bereits sammeln, beispielsweise im Rahmen eines Seminars zur Vorbereitung einer Ausstellung, die im Uni-eigenen Martin-von-Wagner-Museum zu sehen sein wird.

    „Augen und Blicke. Sehen in der bildenden Kunst von Altägypten bis zur Moderne“, lautet der Titel dieser Ausstellung. „Von der Auswahl der Objekte über die begleitenden Texte bis zur Werbung kümmern wir uns dabei um sämtliche Aspekte“, erzählt Alina. Sie selbst hat sich vier antike Vasen ausgesucht, die sie vorstellen wird. Diese zeigen Szenen rund um den Mythos von Troia, den Kampf zwischen Theseus und Minotaurus und den Tyrannenmord.

    Auch die Sozialen Medien spielen im Studium eine Rolle

    Wie verlaufen die Blickrichtungen der dargestellten Personen? Welche Beziehungen zeichnen sich unter ihnen ab? Und welche Aussage wollte der Künstler damit wohl verbinden? Auf solche und viele weitere Fragen versucht Alina Antworten zu finden und möglichst allgemeinverständlich und spannend aufzubereiten. Das ist gar nicht so einfach, hat sie in einem anderen Seminar erfahren müssen. „Texten im Internet“ hieß die Aufgabe dort – schließlich kann es sich heutzutage nicht einmal ein Museum der Antike erlauben, nicht in den Sozialen Medien präsent zu sein. Dabei mussten Alina und ihre Kommilitonen beispielsweise die Erfahrung machen, dass sie nicht voraussetzen dürfen, dass alle Leser wissen, wer der Minotaurus war. Was für sie quasi zum Allgemeinwissen zählt, ist für andere Menschen eben erklärungsbedürftig.

    Archäologie: Da denken viele Menschen vermutlich an Gelehrte, die im Tropenanzug Mumien im Sand Ägyptens ausgraben oder Säulenfragmente in Griechenland zu Tempeln zusammenzusetzen versuchen. „Ausgrabungen sind natürlich ein Bereich, in dem Archäologen arbeiten“, sagt Alina. Sie selbst zieht die Forschung am Schreibtisch vor – schließlich müsse es ja auch Experten geben, die die Fundstücke vergleichen, deuten und interpretieren können. Aktuelle Diskussionen in der Forschungsliteratur verfolgen, sie im Seminar präsentieren, sich eine eigene Meinung bilden und diese dann in der Diskussion verteidigen: Das ist es, was der jungen Studentin gefällt. Die Tatsache, dass man nie weiß, was die Menschen der Antike mit ihren Werken sagen wollten, findet sie spannend.

    Die Grundlagen unserer heutigen Kultur

    Überhaupt hat es ihr diese Epoche angetan. „Man darf die Antike nicht vergessen“, sagt sie. Dort liege der Ursprung unserer Sprache, unserer Schrift, unserer Gesellschaft und unseres politischen Systems. „Erst mit dem Wissen von der Vergangenheit kann man das Heute verstehen“, ist sie überzeugt.

    Antike Vasen interpretieren, die Keilschrift der Sumerer lesen, Aufsätze in Fachzeitschriften wälzen: Heißt das, Alina ist für die Moderne verloren? Nein, sagt die Studentin und lacht. Wie alle anderen Menschen ihrer Altersklasse besitze sie ein Smartphone, bewege sich in den Sozialen Medien und betreibe sogar, wenn sie die Zeit dafür findet, ihren eigenen Blog. Dessen gänzlich unverstaubter Inhalt: Mode, Lifestyle und ihr Leben als Studentin.

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