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    Spitzenpreis für Rainer Hedrich

    29.01.2010

    Auszeichnung für den Biophysiker Rainer Hedrich: Der Europäische Forschungsrat hat ihm 2,5 Millionen Euro für seine Arbeit bewilligt. Mit dem Geld will Hedrich neues Wissen über fleischfressende Pflanzen erarbeiten.

    Rainer Hedrich, Biophysiker von der Uni Würzburg, wurde mit dem renommierten ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet. (Foto privat)
    Rainer Hedrich, Biophysiker von der Uni Würzburg, wurde mit dem renommierten ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet. (Foto privat)

    Mehr als 600 Pflanzenarten auf der Welt besitzen spezielle Fallen, mit denen sie Tiere fangen und verdauen. Die Venus-Fliegenfalle dürfte die bekannteste davon sein: Krabbelt ein Insekt auf ihren Blättern herum, klappen sie zusammen, nehmen das Tier gefangen und verdauen es. Die Pflanze gewinnt auf diese Weise zusätzliche Nährstoffe.

    „Schon seit Darwins Zeiten interessiert sich die Wissenschaft für fleischfressende Pflanzen“, sagt Professor Hedrich. Trotzdem seien noch viele Aspekte ungenügend erforscht. Hedrichs Team aus zehn Bioinformatikern, Molekularbiologen, Chemikern und Biophysikern will das nun ändern.

    Erbgut der Fleischfresser analysieren

    Mit welchen Sinnen nehmen die „Fleischfresserpflanzen“ ihre Beute wahr? Wie kommt es zu den Bewegungen, mit denen sie sich die Tiere schnappen? Wie sind die Verdauungsdrüsen strukturiert, wie funktionieren sie? Solche und andere Fragen sind zu klären. Die Wissenschaftler arbeiten dafür mit der Venus-Fliegenfalle und sechs weiteren fleischfressenden Pflanzenarten.

    Die Würzburger Forscher wollen das Erbgut der wichtigsten Fallentypen analysieren und Gene, die ausschließlich in den Fallen aktiv sind, genauer unter die Lupe nehmen. Vom Vergleich zwischen verschiedenen Pflanzenarten erhoffen sie sich Hinweise auf die Evolution dieser speziellen Ernährungsweise. „Das dabei entstehende Modell sollte uns zudem helfen, auch die Evolution des menschlichen Nerven- und Hormonsystems besser zu verstehen“, sagt Hedrich.

    Elf deutsche Lebenswissenschaftler ausgezeichnet

    Rainer Hedrich eingerechnet, haben insgesamt elf deutsche Lebenswissenschaftler den hochrangigen europäischen Forschungspreis namens ERC Advanced Grant verliehen bekommen. Europaweit wurden 236 Wissenschaftler ausgezeichnet. Die Projektanträge mussten in einem harten Wettbewerb lange Begutachtungsprozesse durchlaufen.

    Den Wettbewerb um die ERC Advanced Grants hat der Europäische Forschungsrat zum zweiten Mal durchgeführt. Auch in der ersten Runde 2008 war ein Würzburger Professor unter den Preisträgern: der Biomediziner Martin Lohse.

    Werdegang von Rainer Hedrich

    Rainer Hedrich wurde 1957 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Biologie in Darmstadt und Göttingen; seine Promotion absolvierte er am Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie. Dort war er in der Arbeitsgruppe von Professor Erwin Neher tätig, der 1991 den Nobelpreis für die Erfindung der Patch-Clamp-Technik bekam. Hedrich entwickelte diese Technik für die Anwendung an Pflanzenzellen weiter und wies damit erstmals Ionenkanäle bei Pflanzen nach.

    1991 übernahm Rainer Hedrich den Lehrstuhl für Biophysik an der Universität Hannover. Von dort folgte er 1996 dem Ruf auf den Würzburger Lehrstuhl für Botanik I "Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik". Für seine Forschungserfolge wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 2001 gemeinsam mit vier anderen Wissenschaftlern den renommierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft.

    Kontakt

    Prof. Dr. Rainer Hedrich, T (0931) 31-86100, hedrich@botanik.uni-wuerzburg.de

    Rainer Hedrichs Homepage
    Europäischer Forschungsrat

    Von Robert Emmerich

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