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    Rat und Hilfe bei Konflikten

    15.04.2015

    Ab sofort gibt es an der Universität Würzburg ein professionelles Konfliktmanagement. Alle Beschäftigten – von der studentischen Hilfskraft über den Verwaltungsangestellten bis zum Professor – können sich dort Rat und Hilfe holen, wenn es am Arbeitsplatz „knirscht“.

    Logo des Konfliktmanagements der Uni Würzburg
    Logo des Konfliktmanagements der Uni Würzburg

    Es hat sich viel vorgenommen, das Team, das sich an der Universität Würzburg um das Konfliktmanagement kümmert: Mit seiner Arbeit will es dazu beitragen, die Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Verwaltung zu verbessern, ein gedeihliches Miteinander zu fördern, die Zufriedenheit mit der Arbeit zu steigern und damit letztendlich die Leistung der gesamten Universität zu erhöhen. Und das alles, indem es dabei hilft, Konflikte am Arbeitsplatz zu lösen oder ihnen – im Idealfall – vorzubeugen.

    Diese Ziele stellte Vizepräsidentin Andrea Szczesny jetzt den Beschäftigten der Uni vor. Die Informationsveranstaltung markierte den offiziellen Startschuss für das Konfliktmanagement; die Universität Würzburg sei damit „unter den ersten Universitäten in Deutschland, die dieses Thema professionell aufsetzen“, wie Szczesny sagte.

    Konfliktmanager als erste Ansprechpartner

    Eine ganze Reihe von geschulten Konfliktmanagern bilden die erste Säule dieses Systems. Sie dienen als Ansprechpartner bei Konflikten am Arbeitsplatz, helfen bei der Suche nach Lösungen oder verweisen an andere Personen und Stellen weiter, wenn es nötig sein sollte. Zu ihnen gehören beispielsweise Mitarbeiter aus der Personalabteilung, dem Betriebsärztlichen Dienst und dem Personalrat; mit dabei sind ebenfalls Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie der Professoren.

    Wobei niemand gezwungen ist, im Konfliktfall den Vertreter seiner Berufsgruppe aufzusuchen, wie Andrea Szczesny sagte. Der Professor kann sich genauso selbstverständlich mit seinem Anliegen beispielsweise an Enno Kruse aus der Personalabteilung wenden, wie eine Verwaltungskraft an Professor Franz Dünzl. Schließlich sollten sich die Betroffenen „in dem System gut aufgehoben fühlen“, so die Vizepräsidentin. Vertraulichkeit ist dabei natürlich garantiert.

    Die Konfliktberatungsstelle hilft weiter

    Lässt sich auf diesem Weg der Konflikt noch nicht lösen, kommt die zweite Säule des Systems ins Spiel: die Konfliktberatungsstelle für Führungskräfte und Mitarbeitende der Universität. Dort bietet die Diplom-Psychologin Katja Beck-Doßler eine individuelle und persönliche Beratung zum Umgang mit Konflikten an. Im Einzelfall moderiert sie Konfliktgespräche selbst; ansonsten vermittelt sie Mediatoren und Coaches, die diese Aufgabe übernehmen.

    Das Konfliktmanagement übernimmt auch eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Konflikten vorzubeugen. Über die Weiterbildung werden für die Beschäftigten beispielsweise Seminare angeboten, in denen es etwa um das Thema „Gelingende Kommunikation und Kooperation“ geht. Für Führungskräfte  werden spezielle Trainings konzipiert, in denen diese lernen, Konflikte unter ihren Mitarbeitern zu erkennen und anzusprechen, Gespräche mit den Konfliktparteien zu führen und im besten Fall zu schlichten.

    Führungskräfte tragen hohe Verantwortung

    „Führungskräfte tragen in einem hohen Maß Verantwortung für ein gutes Arbeitsklima“, sagte Andrea Szczesny. Dass diese Aufgabe nicht immer leicht zu erfüllen ist, habe sie selbst im Rahmen ihrer Fortbildung zur Konfliktmanagerin erfahren müssen, so Szczesny. Schließlich sei es für niemanden einfach, Konflikte direkt anzusprechen – vom Schlichten ganz zu schweigen.

    Wer sich an die Konfliktmanager wenden möchte, sollte damit nicht warten, bis die Situation schon eskaliert ist. Je früher die „Konfliktpartner“ miteinander ins Gespräch kommen, desto größer sei die Chance eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten zufrieden sein können. Nebenbei eröffne sich damit auch die Möglichkeit zur Veränderung und Weiterentwicklung von Person und Arbeitsabläufen, so Szczesny. Denn häufig verbergen sich hinter Konflikten fehlerhafte Prozesse und Strukturen. Wenn es gelinge, diese zu beseitigen, könne die gesamte Universität davon lernen.

    Die Konfliktmanager und –berater jedenfalls sind gespannt, wie ihr Angebot angenommen wird. Zurückhaltung sei definitiv nicht gewünscht. „Wir fangen jetzt damit an und hoffen, dass wir angenommen werden und arbeiten dürfen“, so Andrea Szczesny.

    Alfred Forchels Grußwort

    „Verständnis füreinander und gegenseitige Wertschätzung sind die Basis für ein optimales Funktionieren einer Einrichtung wie der Universität Würzburg“, hatte zuvor Unipräsident Alfred Forchel in seiner Begrüßung gesagt. Wenn die Uni jetzt ein professionelles Konfliktmanagement einrichte, bedeute dies zwar nicht, dass sie einen „flächendeckenden Notstand“ bekämpfen müsse. Dennoch blieben Missverständnisse und Reibungen nicht aus, wenn Menschen miteinander arbeiten. Dann sei es gut, über Mechanismen zu verfügen, mit denen sich solche Situationen klären lassen.

    Ein „wertschätzender Umgang“ und eine „Kooperationskultur“ seien die Schlüsselbegriffe in diesem Prozess und die Basis einer erfolgreichen Uni und exzellenter Forschung, so Forchel. Dabei müsse jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. „Wo es klemmt, muss so geklärt werden, dass alle Beteiligten sich weiterentwickeln können“. Das diene zum Einen dem persönlichen Wohlbefinden jedes Beschäftigten und zum Anderen der Organisation „Universität“ als Ganzem.

    Ein erfolgreiches Beispiel aus Ilmenau

    Ein erfolgreiches Beispiel für die Einführung eines Konfliktmanagements an einer Hochschule stellte der Rektor der TU Ilmenau, Peter Scharff, den Besuchern der Informationsveranstaltung vor. Die TU hat vor ein paar Jahren unter dem Motto „Gesunde Führung“ ein Leitbild entwickelt, Führungsleitlinien festgeschrieben und eine Stabsstelle „Campusfamilie“ eingerichtet , mit dem übergeordneten Ziel, ein angenehmes Arbeitsklima an der Hochschule durchzusetzen.

    Eine gelebte Streitkultur, ein integriertes System zur Erkennung und Prophylaxe und eine professionelle Herangehensweise sind nach Scharffs Worten Voraussetzung ein gesundes Klima. Diese müssten auf Respekt und Wertschätzung und einer vertrauensvollen und ehrlichen Kommunikation basieren. Ohne eine verbindliche „Wertekultur“ seien alle Anstrengungen umsonst.

    Unterstützung von der Expertin für Konfliktmanagement

    Renate Kerbst, Expertin im Konfliktmanagement an Hochschulen, hat die Universität Würzburg in den vergangenen anderthalb Jahren bei der Einrichtung ihres Systems beratend unterstützt und in dem Zusammenhang zwei Workshops geleitet. Für die Realisierung gratulierte sie der Uni. Schließlich stärke jede erfolgreiche Konfliktlösung eine Organisation wie die Universität ungemein.

    An ihre Zuhörer richtete Kerbst den Appell, Konflikte frühzeitig anzusprechen, damit sie nicht eskalieren. Dabei sei es allerdings nicht damit getan, nur vermeintliche Fehler beim Gegenüber zu reklamieren. „Die Beteiligten müssen immer auch den eigenen Anteil an einem Konflikt suchen“, so Kerbst. Und dann versuchen, den Anderen zu verstehen. Wenn beide Seiten es schaffen, Verständnis für das Verhalten des jeweils anderen zu entwickeln, sei die Klärung des Konflikts bereits so gut wie geschafft.

    Allen, denen es schwerfällt, Konflikte anzusprechen, gab Kerbst den Rat mit auf den Weg: „Jeder ist seine Glückes Schmied!“ Furcht vor den Folgen ist ihrer Meinung nach nicht angebracht. Schließlich zeige ihre Erfahrung, dass sich kein Mensch widersetze – wenn er respektvoll behandelt wird und Wertschätzung erfährt. Und so lautete ihre abschließende Aufforderung an die Besucher der Informationsveranstaltung: „Seien Sie mutig und nutzen Sie Ihr Konfliktmanagement!“

    Mehr Informationen zum Konfliktmanagement der Uni

    Kontakt

    Katja Beck-Doßler, Leiterin der Konfliktberatungsstelle
    T: (0931) 31-82020, konfliktberatung@uni-wuerzburg.de

    Vanessa Heßdörfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Konfliktmanagement
    T: (0931) 31-89859, vanessa.hessdoerfer@uni-wuerzburg.de

    Von Gunnar Bartsch

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