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    Nebennierenkrebs: Wichtiger Fortschritt in der Therapie

    08.06.2007

    Erstmals gibt es jetzt eine Standardtherapie für Patienten, bei denen ein Nebennierenkarzinom operativ entfernt wurde. Das berichten deutsche und italienische Mediziner in der neuen Ausgabe des Fachblatts „New England Journal of Medicine“ vom 7. Juni: Sie empfehlen das Medikament Mitotane, das aufgrund mangelnder Daten bislang umstritten war. Von der Würzburger Universitätsklinik sind Bruno Allolio, Martin Fassnacht, Stefanie Hahner und Ann-Cathrin Koschker an der Studie beteiligt.

    Computertomographische Aufnahme eines Nebennierenkarzinoms. Foto: Uniklinikum Würzburg

    Computertomographische Aufnahme eines Nebennierenkarzinoms. Foto: Uniklinikum Würzburg

    Das Nebennierenkarzinom ist ein besonders bösartiger Tumor. Auch nach seiner kompletten chirurgischen Entfernung tritt er bei bis zu 80 Prozent der Patienten wieder auf. Bislang gab es für die Vorbeugung solcher Rückfälle keine anerkannten, einheitlichen Regeln – das habe sowohl die Patienten als auch die Ärzte verunsichert, wie Martin Fassnacht sagt. Die Standards fehlten, weil Nebennierenkarzinome selten sind: Pro Jahr kommen auf eine Million Einwohner nur ein bis zwei neue Fälle.

    Zwar setzen einige Nebennierenkarzinom-Spezialisten seit Jahren das Medikament Mitotane ein (Lysodren®; ein Abkömmling des Pflanzenschutzmittels DDT). „Allerdings waren die bisher vorliegenden Daten aufgrund der geringen Fallzahlen ungenügend und teilweise auch widersprüchlich, so dass diese Therapie sehr umstritten war“, sagt Professor Allolio. Noch dazu ist die Mitotane-Therapie mit zahlreichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Schwindel bis hin zu Sprechstörungen verbunden. Da es zusätzlich zu zahlreichen Hormonveränderungen komme, sei die Behandlung auch für viele Ärzte schwierig zu überwachen und erfordere besondere Erfahrung.

    Erstmals liegt nun zur Wirksamkeit von Mitotane eine große Studie vor, bei der die Daten von über 170 Patienten ausgewertet wurden (N Engl J Med 2007; 356: 2372-80). Ergebnis: Die Patienten mit Mitotane-Therapie schnitten deutlich besser ab als die unbehandelten Kontrollgruppen. Das Risiko, dass die Erkrankung nach der Operation wieder auftrat, war bei den Patienten, die kein Mitotane erhielten, dreimal so hoch wie in der Mitotane-Gruppe. Des Weiteren zeigte sich, dass das Risiko, an der Erkrankung zu sterben, durch die Therapie nahezu halbiert werden konnte. Die Nebenwirkungen der Therapie mit Mitotane waren gut beherrschbar und machten nur bei 13 Prozent der Patienten eine Verringerung der Dosis erforderlich.

    Martin Fassnacht (links) und Bruno Allolio

    Für diese Studie hatten mehrere italienische Arbeitsgruppen unter Leitung der Professoren Massimo Terzolo und Alfredo Berruti, beide von der Universität Turin, gemeinsam mit den Würzburger Medizinern rückblickend den Krankheitsverlauf von allen Patienten an acht italienischen Zentren analysiert. Hinzu kamen aus dem Deutschen Nebennierenkarzinom-Register, das in Würzburg geführt wird, die Daten von Patienten, bei denen der Tumor komplett entfernt worden war. Vier der italienischen Zentren hatten nach der Operation allen Patienten Mitotane gegeben, während die vier anderen das Medikament nie verordnet hatten. Als weitere Kontrollgruppe dienten die Patienten des deutschen Registers, die ebenfalls kein Mitotane erhalten hatten.

    Laut Fassnacht und Allolio ist es mit dieser Untersuchung erstmals gelungen, für das seltene Nebennierenkarzinom weltweit eine Standardtherapie zur Rückfallprophylaxe nach der Operation zu etablieren. Auch wenn die Behandlung schwierig bleibe, bedeute diese Studie einen entscheidenden Fortschritt für Patienten mit dieser seltenen Krankheit.

    M Terzolo, A Angeli, M Fassnacht, F Daffara, L Tauchmanova, PA Conton, R Rossetto ,L Buci, P Sperone, E Grossrubatscher, G Reimondo, E Bollito, M Papotti, W Saeger, S Hahner, AC Koschker, E Arvat, B Ambrosi, P Loli, G Lombardi, M Mannelli, P Bruzzi, F Mantero, B Allolio, L Dogliotti, A Berruti: „Adjvant Mitotane Treatment in Patients with Adrenocortical Carcinoma“, New England Journal of Medicine, 7. Juni 2007, 356: 2372-80

    Weitere Informationen: Dr. Martin Fassnacht, Fassnacht_M@medizin.uni-wuerzburg.de, Prof. Bruno Allolio, allolio_b@medizin.uni-wuerzburg.de, T (0931) 201-36109, Fax (0931) 201-36283

    Von Robert Emmerich

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