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    Eltern, denen der Name Gustav gefällt…

    16.08.2013

    Soll das Kind nach Opa Gustav heißen oder lieber nach Fußballstar Ronaldo? Bei der Namensfrage bekommen werdende Eltern Hilfe im Internet – in Form der „Namenvorschlagsmaschine“ Nameling. Informatiker aus Kassel und Würzburg wollen die Maschine jetzt weiter verbessern.

    Namen über Namen… aber welchen davon soll das eigene Kind tragen? Hilfe bei dieser Entscheidung finden Eltern im Internet. (Foto: Robert Emmerich)
    Namen über Namen… aber welchen davon soll das eigene Kind tragen? Hilfe bei dieser Entscheidung finden Eltern im Internet. (Foto: Robert Emmerich)

    Einen passenden Vornamen für sein Kind zu finden, kann schwer sein. Das hat der Kasseler Informatiker Folke Mitzlaff selbst erlebt, als vor einem Jahr die Geburt seiner Tochter anstand.

    „Anders als früher beziehen Eltern heute viele Faktoren in die Entscheidung mit ein“, sagt Mitzlaff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel: „Folgen wir dem Trend oder missachten wir ihn bewusst? Auch Rollenmodelle, Vorbilder oder abschreckende Beispiele sind durch die globale Vernetzung viel präsenter als noch vor zwei Generationen.“

    Manche Eltern seien zudem verunsichert durch Berichte über die soziale und wirtschaftliche Benachteiligung von Kindern aufgrund des Vornamens. Wer zum Beispiel Kevin oder Chantal heißt, dem heften die Lehrkräfte in der Grundschule schneller die Attribute „bildungsfern“ und „verhaltensauffällig“ an. Das ist bei einer Studie der Universität Oldenburg herausgekommen.

    „Nameling“ arbeitet seit 2012

    Auf das „Namensproblem“ hat Informatiker Mitzlaff darum Methoden der Wissensverarbeitung angewendet. Dabei entstand Anfang 2012 die Vornamensuchmaschine Nameling, die werdenden Eltern Empfehlungen unterbreitet. Jetzt sollen die Funktionen der Suchmaschine erweitert werden. Dabei kommt ein Verfahren zum Einsatz, das auch Internet-Kaufhäuser anwenden: „Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, kauften auch…“, heißt es da häufig. In „Nameling“ soll es bald heißen: „Eltern, denen der Name Gustav gefällt, gefällt auch ….“

    Schon jetzt kann nameling.net mehr als ein klassisches Vornamen-Lexikon: Die Suchmaschine führt Vornamen nicht alphabetisch an, sondern fragt den Nutzer nach einem Namen, der ihm gefällt. Dann schlägt sie Alternativen vor, die im Internet in ähnlichen Kontexten auftauchen.

    Neuer Entwicklungsschritt in Arbeit

    Nun gehen die Informatiker noch einen großen Schritt weiter. „Wir können die Vorschläge jetzt personalisieren“, erklärt Mitzlaff. Die Nutzer erhalten Empfehlungen, die sich nach ihren eigenen Suchprofilen richten oder nach denen anderer Nameling-Nutzer. Also: Viele Nutzer, die nach Gustav suchten, haben vielleicht auch nach Theodor oder Emil oder Adalbert gesucht.

    „Nach einem Jahr Betrieb von nameling.net haben wir dafür jetzt genügend Daten“, so Mitzlaff: Bisher haben über 65.000 Nutzer aus über 40 Ländern die Suchmaschine verwendet; in den meisten Fällen waren es werdende Eltern. Nameling bietet nun auch die Möglichkeit an, Namensvorschläge zu einer eingegebenen Liste mehrerer Namen anzuzeigen. So können Nutzer zum Beispiel gezielt nach passenden Vornamen zu den Namen der Eltern oder Geschwister suchen.

    Wettbewerb für Wissenschaftler

    Wie die Suchmaschine im Detail programmiert wird, ist derzeit Gegenstand des internationalen wissenschaftlichen Wettbewerbs „Discovery Challenge“. Mitzlaff richtet ihn in Zusammenarbeit mit Professor Andreas Hotho vom Institut für Informatik der Universität Würzburg, Juniorprofessor Robert Jaeschke vom Forschungszentrum L3S in Hannover und mit seinen Kasseler Kollegen Stephan Doerfel und Jürgen Müller aus.

    Die „Discovery Challenge“ findet jedes Jahr im Rahmen der „European Conference on Machine Learning and Principles and Practices of Knowledge Discovery“ statt (dieses Jahr im September in Prag). Die Teilnehmer sollen konkurrierende Module programmieren, die die Beantwortung von Anfragen übernehmen. Die Module bekommen die Anfragen an „Nameling“ anonymisiert zugeleitet und müssen sie dann in weniger als einer Sekunde beantworten.

    Am Ende gewinnt das Team, dessen Empfehlungssystem die besten Vorschläge geliefert hat, das heißt: dessen Ergebnisse den Nutzern von Nameling am besten gefallen haben. Für die Nutzer bleibt der hinter der Suchmaschine ablaufende Wettbewerb unsichtbar. Die Discovery Challenge läuft seit dem 1. August und endet am 23. September.

    Pläne für die nächste Erweiterung

    Die Wissenschaftler denken bereits über neue Herausforderungen nach: Sie wollen erforschen, wie sich die subjektive Wahrnehmung von Namen aus öffentlichen Daten sozialer Plattformen wie Twitter ableiten lässt. Dann könnte „Nameling“ in Zukunft beispielsweise auch Hinweise geben, falls ein Name in einem kulturellen oder geographischen Kontext mit negativen Vorurteilen behaftet ist.

    Zur Homepage von Nameling unter http://nameling.net

    Kontakt

    Folke Mitzlaff, Universität Kassel, T (0561) 804-6254, mitzlaff@cs.uni-kassel.de

    Von Robert Emmerich / Universität Kassel, Pressestelle

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