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    Die Schranke überwinden

    25.03.2010

    Das menschliche Gehirn ist gegen Angriffe von Außen gut abgeschirmt. Was zum Schutz vor Krankheitserregern sinnvoll ist, erweist sich als Nachteil, wenn Medikamente zu den Nervenzellen transportiert werden sollen. Ein neuer Forschungsverbund sucht nach Lösungen für dieses Problem.

    Die Behandlung von Hirnendothelzellen mit bestimmten Hormonen führt zur verstärkten Bildung von Proteinen, die für die Verbindung der Zellen untereinander verantwortlich sind. Außerdem verändern die Zellen ihre Gestalt von einer Spindelform zu einer pflastersteinartigen Anordnung. (Foto Universitätsklinikum)

    Multiple Sklerose, Alzheimer, Schlaganfall: Erkrankungen des Gehirns sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation für mehr als ein Drittel aller Krankheitsfälle in Europa verantwortlich; die Kosten, die das Gesundheitssystem dafür aufwenden muss, liegen bei geschätzten 380 Milliarden Euro pro Jahr.

    Bei der Behandlung dieser Krankheiten stehen Mediziner regelmäßig vor einem Problem: der so genannten Blut-Hirn-Schranke. „Verantwortlich für diese Barriere ist eine Zellschicht, die das Innere der Blutgefäße auskleidet. Die Zellen sind dort so eng miteinander verknüpft, dass es für unerwünschte Stoffe so gut wie kein Durchkommen gibt“, erklärt Carola Förster.

    Förster ist Professorin für Experimentelle Anästhesiologie der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie am Würzburger Universitätsklinikum. Über den Schutzmechanismus des Gehirns forscht sie bereits seit vielen Jahren. Vertiefen kann sie diese Arbeit jetzt in einem neuen, europaweiten Forschungsverbund. Er trägt den Namen „Neurobid: Neuroscience on Barrieres in Development“.

    Die Blut-Hirn-Schranke

    „Ziel von Neurobid ist es, die Arbeitsweise der Blut-Hirn-Schranke sowohl beim gesunden als auch beim kranken Gehirn auf der Ebene der Moleküle zu verstehen. Hierbei richtet sich einerseits das Augenmerk auf die Integrität der Barriere, des Endothelzellverbandes, und andererseits auf die Transportmechanismen durch die Blut-Hirn-Schranke hindurch – und zwar über alle Entwicklungsstadien des Gehirns hinweg“, sagt Förster.

    Mit diesem Wissen wollen die Forscher neue Strategien identifizieren, um die Barrierefunktion in den jeweiligen Entwicklungsstadien therapieren zu können oder neue molekulare Wege zu eröffnen, um Therapeutika ins Gehirn zu schleusen. „Denn wenn Wirk- und Transportmechanismen für therapeutisch eingesetzte Substanzen besser charakterisiert sind, könnten diese gezielter an die Stellen im Gehirn gebracht werden, an denen sie gebraucht werden, und dadurch die Nebenwirkungen reduziert werden“, so die Wissenschaftlerin.

    Eine solche Therapie könnte beispielsweise auf der Basis von Steroidhormonen arbeiten, wie Förster zeigen konnte. Noch in ihrer Zeit am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Würzburg ist es ihrer Arbeitsgruppe gelungen, über Eingriffe in die Aktivität des Erbguts der beteiligten Zellen, die Dichtigkeit der Blut-Hirn-Schranke zu manipulieren.

    Der Forschungsverbund

    Ein interdisziplinär zusammengesetzter Mix von Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Schweden und den Niederlanden wird im Rahmen von Neurobid in den kommenden vier Jahren die Blut-Hirn-Schranke untersuchen.

    Aus Würzburg sind neben Carola Förster Mediziner aus der Neurologischen Klinik und der Kinderklinik beteiligt: Professor Christian P. Speer, Direktor der Kinderklinik, der als Neonatologe großes Interesse hat, die Ursachen von Hirnschädigungen Frühgeborener mit aufzuklären. Und Dr. Christoph Kleinschnitz, Oberarzt an der Neurologischen Klinik, als Experte für Schlaganfälle – eine Krankheit, die in erster Linie das ältere Gehirn betrifft.

    Die Koordination des Konsortiums liegt in der Hand der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Europäische Union unterstützt das Projekt mit drei Millionen Euro.

    Kontakt: Prof. Dr. Carola Förster, T: (0931) 201 - 300 65, E-Mail: foerster_c@klinik.uni-wuerzburg.de

    Von Gunnar Bartsch

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