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    Bienen stoppen Raupen

    23.12.2008

    Gefräßige Raupen können in Gärten und auf Feldern großen Schaden anrichten. Eine raffinierte Methode, um den hungrigen Tieren Einhalt zu gebieten, beschreiben Biologen von der Universität Würzburg im Fachblatt "Current Biology".

    Biene und Schmetterlingsraupe auf Pflanzenblättern. Fotos / Montage: Helga R. Heilmann, Beegroup

    Wo Bienen fliegen, fühlen sich Schmetterlingsraupen stark gestört. Sie fressen dann bis zu 70 Prozent weniger Blattmasse. Fotos / Montage: Helga R. Heilmann, Beegroup

    Meist sind es dicke Schmetterlingsraupen, die sich an den Blättern von Kohl, Salat & Co. satt fressen. Aber auch die proteinreichen Raupen selbst sind begehrtes Futter. Unter anderem vor Faltenwespen müssen sie auf der Hut sein.

    Das schaffen die Raupen mit feinsten Sinneshärchen: Sie registrieren damit die Luftbewegung, die beim Herannahen einer Wespe durch deren Flügelschlag entsteht. Die Raupen lassen sich dann auf den Boden fallen oder bleiben regungslos sitzen. So sind sie außer Gefahr – denn die Wespen jagen nur Beute, die sich bewegt.

    Fliegende Bienen bringen Raupen in Dauerstress

    Honigbienen haben in etwa die gleiche Körpergröße und Flügelschlagfrequenz wie Faltenwespen. Die Raupen können mit ihren einfachen Sinneshärchen nicht unterscheiden, ob sich eine gefährliche Wespe oder eine harmlose Honigbiene nähert. Kommen häufig Bienen in ihre Nähe, so bedeutet das für die Raupen ständigen Stress. Die Folge: Sie fressen bis zu 70 Prozent weniger Blattmasse als Raupen, die „bienenfrei“ leben. Das haben Jürgen Tautz und Michael Rostás vom Biozentrum der Uni Würzburg gezeigt.

    Experimente im Käfig

    Die Forscher platzierten im Botanischen Garten zwei große Käfige, in denen Paprika und Sojabohnen wuchsen. Beide Käfige bestückten sie mit den Raupen eines Eulenfalters, der bei Gemüsebauern als extremer Schädling bekannt ist. In einem Käfig durften die Raupen ungestört fressen. In den anderen ließen die Forscher Honigbienen einfliegen, die dort eigens für sie platzierte Futterstellen besuchten. Der Flugverkehr störte die Raupen so sehr, dass sie bis zu zwei Drittel weniger Blätter vertilgten als die Raupen in dem anderen Käfig.

    Bio-Landbau: Versuche geplant

    Ob sich Gärtner und Landwirte diesen Effekt zunutze machen können, wollen die Würzburger Wissenschaftler im kommenden Frühjahr testen. „Wir suchen nach einem Bio-Hof, der dazu bereit ist, ein Gemüsefeld auf besondere Weise anzulegen – nämlich schön bunt mit Wildblumen garniert“, sagt Jürgen Tautz. Die Blüten sollen vermehrt Bienen anlocken. Ob sich deren Treiben auch im Freiland ähnlich auf Raupen auswirkt wie im Käfig, das wollen die Würzburger Forscher dann genau überprüfen.

    Jürgen Tautz und Michael Rostás: „Honeybee buzz attenuates plant damage by caterpillars“, Current Biology 18 (24) pp. R1125 - R1126

    Weitere Informationen

    Dr. Michael Rostás, Mobil (0151) 59255043, ab 7. Januar: T (0931) 888-6223, michael.rostas@botanik.uni-wuerzburg.de

    Prof. Dr. Jürgen Tautz, ab 7. Januar T (0931) 888-4319, tautz@biozentrum.uni-wuerzburg.de

    Links

    Zur Homepage der Würzburger Beegroup

    Zur Homepage von Michael Rostás

    Von Robert Emmerich

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